Freitag, 18. Januar 2019

Bitcoin-Boom Eine Berliner WG im Goldrausch

Bitcoin: Die Blase ihres Lebens
Mary Beth Koeth für manager magazin

4. Teil: Hedgefonds steigen ein

Knapp 70 Kryptohedgefonds gibt es bereits, wöchentlich kommen neue dazu. Einige sind Kunden von Wood. Sein neues Start-up entwickelt Blockchain-Technologien und berät nebenbei eine Reihe von Fonds, wie man die vielversprechenden Projekte vom Kryptoschrott trennt.

Wood bestreitet nicht, dass sich in dem Segment eine Blase gebildet hat, die Spekulation sei "zügellos". Doch der Markt werde sich schon selbst regulieren. Researchanbieter würden die guten Coins von den schlechten separieren, so wie Aschenputtel im Märchen.

Ob die Bitcoin-Erzählung ein ähnliches Happy End hat? Kryptopate Wood vergleicht die Entwicklung mit der des Internets im Jahr 1995. "Viele Projekte und Unternehmen werden sterben, die Technologie wird bleiben."

Seine Logik: Überzeugende Businessmodelle wie das von Amazon Börsen-Chart zeigen und Google Börsen-Chart zeigen haben die Blase damals überlebt. Wieso sollte es diesmal anders laufen?

So denken fast alle in der Kryptoszene - und halten fest an ihren Coins. Die Wette laute jetzt, früh auf die digitale Infrastruktur von morgen zu setzen, auf das nächste, das dezentrale Google, sagt Küfner.

Mit ein paar Klicks könne er in Sekunden Bitcoin in Höhe von mehreren Millionen Euro auf sein Girokonto laden, aber der Euro sei ihm "viel zu unsicher". Inflation und so.

85 Prozent seiner Assets hält er deshalb weiter in Kryptowährungen. Die Zugangscodes verwahrt Küfner ganz analog in Bankschließfächern. Handgeschriebene Buchstabenkolonnen sind der Schlüssel zu seinem digitalen Reichtum.

Küfner sagt, er traue den Druckern nicht. Könnte ja sein, dass die Daten von Hackern abgefangen werden. In der Szene gehört es zum Alltag, dass Millionensummen von Hackern abgezweigt werden. Eine andere Art der Geldentwertung.

Die viel größere Gefahr für die Investoren ist dagegen, dass sie den Absprung nicht rechtzeitig schaffen und von den Spekulanten kalt erwischt werden. Oder dass die Zukunft des Internets nur halb so dezentral wird, wie sie sich das ausmalen. Die holländische Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts lässt grüßen, die EZB warnt bereits. Und selbst wenn die Entwicklung in die erhoffte Richtung geht, kann es immer noch passieren, dass Investoren auf die falschen Coins setzen. Auf das neue MySpace etwa, bevor das nächste Facebook Börsen-Chart zeigen kommt.

Ein 21-jähriger Nerd namens Dominik Schiener hat sich zum Ziel gesetzt, die Blockchain-Technologie schon wieder zu disrupten. Schiener, ein dürrer Typ mit flaumigem Bart und schwarzer Brille, führt von zu Hause aus bereits ein Einhorn. Und er hat in seiner Wohnung in Berlin-Mitte mehr Internetmillionäre geschaffen als es irgendein Börsengang in der Hauptstadt vermocht hat, vermutlich sogar mehr als die IPOs von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen, Zalando Börsen-Chart zeigen oder Delivery Hero Börsen-Chart zeigenzusammengerechnet.

Für gerade mal 500.000 Dollar hat er vor zwei Jahren Coins ausgegeben, um sein Start-up zu finanzieren. Inzwischen sind sie knapp 1,5 Milliarden Dollar wert. Die rund 500 Leute, die damals investierten, hat die Blase zu Multimillionären gemacht, vorausgesetzt, sie haben ihre Coins gehalten. Selbstverständlich sind auch Küfner und Reike "hart investiert".

IOTA nennt sich das Protokoll, das Schiener geschaffen hat. Es ist besonders geeignet für sehr hohe Transaktionsvolumen. Das könnte irgendwann vielleicht zum Standard für die Bezahlung des Ladestroms von Elektroautos werden. Ein Pilotprojekt mit Volkswagen und Innogy gibt es bereits, auch mit anderen Konzernen ist Schiener im Gespräch. Gerade kommt er aus Seoul, dort hat er mit Samsung verhandelt.

Als 14-Jähriger baute Schiener sein erstes Business auf, schon damals handelte er mit virtuellen Gütern. Beim Egoshooter "Call of Duty" war er damals die weltweite Nummer eins von Hundert Millionen Spielern. Er hatte das Spiel gehackt und sich virtuelle Waffen besorgt, die er an andere Gamer zu verkaufen begann, für 50 Euro pro Paket. Bald hatte er Tausende Euro gemacht.

Später stieg er in den Bitcoin-Abbau ein. Allerdings erwarb er keine teure Hardware und ließ auch keine Starkstromleitungen verlegen, sondern mietete einfach Amazon-Server an, um sie Bitcoin abbauen zu lassen. 100.000 Euro kassierte er im Monat.

Inzwischen beschäftigt er 35 Entwickler. Bezahlt werden sie in den Coins, die sie selbst entwickeln. Nur um Anwälte zu entlohnen, haben sie einige Millionen in Euro umgetauscht.

Schieners Eltern wünschen sich, dass er zurückkehrt in ihr Dorf nach Südtirol, um wie der Vater als Maurer zu arbeiten. Sie glauben fest, dass er sich mit der Mafia eingelassen hat.

Auch der Produktmanager Jackson Palmer fürchtet, dass der Hype ein böses Ende nehmen wird. Palmer war früh in der Szene unterwegs, nun gehört er zu ihren schärfsten Kritikern. Ihn macht nervös, dass längst nicht mehr nur Nerds und Profis spekulieren. Inzwischen werben Unternehmen bei Rentnern darum, ihre Altersvorsorge in Kryptowährungen zu investieren. "Wenn es so weitergeht, wird das noch schlimmer als beim Dotcom-Boom", sagt Palmer. "Es gibt diesmal keine Regulierung."

Erst seit Kurzem schauen sich die Behörden das Geschäft genauer an. Mehrere Staaten, allen voran China und Südkorea, haben die ICOs daraufhin verboten - vorerst zumindest.

Palmer fühlt sich bei der Blase an jene Zeit erinnert, als er selbst eine neue Kryptowährung herausgebracht hat. 2013 war das, während des ersten Bitcoin-Booms. Das Projekt war eigentlich als Witz gedacht, als Kritik an der Gier der Spekulanten. Sein Coin war eine Kopie von Litecoin. Als Logo verwendete er einfach das Bild eines Hundes namens Doge, das im Netz kursierte.

Das Problem war nur: Die Bitcoin-Zocker verstanden den Witz nicht, zwischenzeitlich stieg der Wert der Dogecoins auf über 400 Millionen Dollar, die Marktkapitalisierung liegt bis heute bei gut 100 Millionen.

Palmer hat an dem Boom nichts verdient. Sich trotz Kritik an der Bereicherung selbst zu bereichern sei ihm zu zynisch gewesen, sagt er.

Krypto-WG-Bewohner Küfner dagegen hat früh in Dogecoins investiert. Und sie rechtzeitig wieder verkauft. Bevor die Kurse in sich zusammenfielen.

© manager magazin 11/2017
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