Dienstag, 31. Mai 2016

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Rocket Internet Ansichten eines Klons

Globaler Feldzug: Wer den Samwers Geld gibt
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Dieter Mayr

Das Online-Modehaus Zalando war nur der Anfang. Jetzt fließen Milliarden Euro in ein weltweites Handelsimperium. Oliver Samwer und seine Brüder ködern Investoren mit wilden Versprechungen, wie vertrauliche Unterlagen enthüllen.

Haben Sie in letzter Zeit Post von Oliver Samwer (39), Deutschlands umtriebigstem Internetunternehmer, erhalten? Glückwunsch! Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie zu den Reichen gehören. Vielleicht haben Sie sogar mit Samwer diniert, etwa auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wo er in diesem Jahr besonders eifrig um neue Geldgeber warb: "Wir sind drei Brüder und gut darin, Dinge umzusetzen", erzählte er dort Vermögenden aus aller Welt.

Hatten Sie ein erstes Treffen mit Samwer, dürfte Ihnen auch das weitere Prozedere bekannt vorkommen: Neue Nachrichten von Samwer laufen nun alle paar Tage in Ihrem E-Mail-Postfach ein. Die Botschaft: Kaufen Sie ein Ticket, um mit dabei zu sein bei der größten Landnahme, die es in der Internetwelt je gegeben hat. Die US-Investmentbank J.P. Morgan oder der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal sind schließlich schon im Kreis der Investoren - und lange wird man Sie wohl nicht mehr zu den gleichen Konditionen aufnehmen können. Denn die Bewertung des gemeinsamen Investments steigt und steigt.

Allzu knauserig sollten Sie sich jetzt aber nicht zeigen. Fünf Millionen Euro sollten Sie schon übrig haben. Wer mehr als nur einen Minianteil erwerben will, der sollte von 25 Millionen Euro aufwärts investieren.

Es sind neue Zeiten angebrochen für die Samwer-Brüder Oliver, Marc und Alexander und ihr Unternehmen Rocket Internet, das Online-Buden zu Web-Konzernen hochzüchtet. In Europa haben sie zuletzt das Internetmodekaufhaus Zalando groß gemacht und in kaum vier Jahren auf Erlöse von nunmehr 1,2 Milliarden Euro aufgepumpt (siehe manager magazin 12/2012). Das Unternehmen, das eines Tages an die Börse gebracht oder verkauft werden soll, war aber nur der Anfang. Jetzt machen sich die Samwers daran, die ganze Welt zu erobern.

Zalando-Ableger und Amazon-Klone in aller Welt

Zalando-Ableger, Amazon-Klone, Internetmöbelhäuser, Büroartikelhändler: Die Dotcom-Brüder wollen in den nächsten fünf Jahren ein Multi-Milliarden-Euro-Handelsimperium errichten. Die Bastionen reichen von Brasilien über Nigeria bis nach Indonesien. Das Tempo ist waghalsig, die Versprechungen an die Investoren sind vollmundig bis vermessen - das zeigen vertrauliche Unterlagen, die manager magazin vorliegen.

Die Samwers wollen nicht weniger, als den globalen Internethandel zu dominieren.

Beispiel Lateinamerika: Dort wird mit Dafiti das größte Online-Modehaus des Subkontinents hochgepeitscht; angepeilte Erlössumme für 2016: zwei Milliarden Euro. Der größte Web-Shop, Linio, ein Amazon-Klon, soll bis 2017 2,2 Milliarden Euro einspielen. Gleichzeitig entsteht der größte Möbelhändler im Netz, Mobly, angeblich genauso ein "Killer" wie das in Europa tätige Schwesterunternehmen Home24.

Beispiel Asien: Hier wächst das Zalando-Schwesterunternehmen Zalora heran. Lazada heißt die Amazon-Kopie. Und mit Jabong soll der Zalando-Erfolg in Indien wiederholt werden.

Beispiel Afrika: Auf dem Schwarzen Kontinent wollen die deutschen Brüder mit E-Commerce 2017 schon 1,5 Milliarden Euro umsetzen.

Beispiel Naher Osten: In den Golf-Staaten wollen die forschen Unternehmer mit der Modeplattform Namshi die Menschen zu Millionen von Online-Shoppern konvertieren, obwohl das Einkaufen in Shopping-Malls dort zu den wichtigsten Freizeitvergnügen überhaupt zählt. Selbst die Krisenregionen Irak, Libanon und Syrien sind auf der Agenda.

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