Mittwoch, 20. September 2017

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Bernd Beetz - Luxusgüter-Manager und neuerdings Fußball-Unternehmer Der Mann, der Waldhof Mannheim ist

Bernd Beetz, ehemaliger CEO von Coty und Hauptinvestor des SV Waldhof Mannhem, im Carl-Benz-Stadion in Mannheim
Markus Hintzen für manager magazin
Bernd Beetz, ehemaliger CEO von Coty und Hauptinvestor des SV Waldhof Mannhem, im Carl-Benz-Stadion in Mannheim

Ausgerechnet einer der besten Manager in der Luxusgüterindustrie will den Arbeiterverein Waldhof Mannheim in die Bundesliga führen.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Das folgende Porträt stammt aus der Mai-Ausgabe 2015 des manager magazins.

Der Teppich unter seinen Füßen ist grau und voller Flecken, als sich Bernd Beetz (66) im Tunnel aufstellt, um die Spieler des SV Waldhof Mannheim abzuklatschen. "Viel Glück, Herr Sommer, mach's gut, Ali", für jeden hat er vor dem Spiel gegen den Lokalrivalen Wormatia Worms ein gutes Wort. Am Ende wird es 2:2 stehen, was genauso wenig erwähnenswert wäre wie die Tatsache, dass der SV Waldhof weiter die Tabelle der Regionalliga Südwest anführt - wenn da nicht Bernd Beetz und der Teppich wären.

Denn früher waren die Teppiche rot und blitzsauber, und an seiner Seite standen keine Männer in kurzen Hosen, sondern schöne Frauen. Beetz arbeitete in der Luxusgüterindustrie, zuletzt als Chef des New Yorker Parfümherstellers Coty. In guten Jahren verdiente er 20 Millionen Dollar oder mehr. Jetzt trägt er ein blau-schwarzes Waldhof-Trikot unter der Jacke und damit einen Verein nahe am Herzen, der früher mit rechtsradikalen Fans unangenehm auffiel und heute mit dem Claim "Working Class Football since 1907" wirbt. Man kann sagen, dass der Klub und der Mann die größtmögliche Markenspreizung darstellen.

Beetz' Familie hat knapp eine Million Euro in Waldhof investiert und 97 Prozent der Profiabteilung erworben. Mittelfristig will er mit dem früheren Bundesligisten mindestens in die 2. Liga aufsteigen. In Mannheim aufgewachsen, weiß er, was er eingekauft hat: "Waldhof ist ein Sweet Spot, so viele Traditionsmarken gibt es nicht in Deutschland." Tatsächlich: Regelmäßig kommen mehr als 5000 Zuschauer.

Noch ist einiges zu tun, bis das Unternehmen rundläuft. Die Sponsoren sind eher von lokaler Güte, der Mannschaft fehlt Esprit. Immerhin, die Bilanz wirkt solide, den Geschäftsführer Markus Kompp (34) hat Beetz mit engagiert, den Aufsichtsrat im Griff. Wenn er mal nicht zu Heimspielen kommen kann, weil er zwischen seinen Wohnsitzen New York, Genf und Paris unterwegs ist, bittet er den Kapitän, ihm die Spielstände durchzusagen. Auf einen der letzten Siege gab Beetz im Flugzeug einen aus. Natürlich in der ersten Klasse.

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