Mittwoch, 31. August 2016

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Geldanlage Wie Anleger mit Steuersparmodellen Geld versenken

Steuersparmodelle: Die Politik macht ernst
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DPA

Hauptsache am Fiskus vorbei: Anleger stecken gigantische Summen in ökonomisch wacklige und rechtlich fragwürdige Finanzkonstrukte. Ob Schiffsfonds, Goldhandel, Baudenkmäler oder Dividendenstripping: Meist folgt ein böses Erwachen.

Walter Höft (57) gehört zu der Art von Steuerexperten, die sich mit spielerischer Leichtigkeit zwischen den Paragrafen verwirrender Gesetzestexte und komplexer Doppelbesteuerungsabkommen bewegen. Stets auf der Suche nach Hintertürchen und Schleichwegen, über die er die Forderungen des Fiskus in die Nähe der Nulllinie schrumpfen kann. Ob es dabei um sein eigenes Einkommen oder um die Gewinne seiner Kunden geht, ist einerlei.

Ende der 90er Jahre etwa half er dem heute im S-Dax notierten Explorationsdienstleister Cat Oil Börsen-Chart zeigen (er ist dort Großaktionär), ein genauso unübersichtliches wie steuerminimierendes Geflecht von Holdingfirmen zu konstruieren. Die Abgabenquote des Ölförderspezialisten liegt heute bei bescheidenen 19 Prozent.

Im Jahr 2008 beteiligte Höft sich mit privatem Geld über ein Investmentvehikel namens DWH an umstrittenen Aktiengeschäften, bei denen es vor allem darum ging, sich eine einmal gezahlte Kapitalertragsteuer von den Finanzbehörden doppelt erstatten zu lassen.

Inzwischen beherrschen diese Deals - die als "Dividenden-Stripping" oder "Cum Ex"-Geschäfte bislang nur in Fachkreisen bekannt waren - die Schlagzeilen von "Bild" und "Bunte". Denn die Behörden vermuten hinter dem gerissenen Steuersparmodell einen ordinären Betrugsversuch. Steuergutschriften in Milliardenhöhe stehen auf dem Spiel, Prominente wie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer (55) oder Drogeriekönig Erwin Müller (81) bangen um ihr Geld.

Die Risiken stehen in keinem Verhältnis zur Steuerersparnis

Der Streit um die Rechtmäßigkeit der abenteuerlichen Steuervermeidungskonstrukte ist lediglich die neueste Wendung in einem immer absurderen Stellungskrieg zwischen Anlegern und Finanzbehörden. Auf der einen Seite stehen die Vermögenden und Besserverdiener, für die Steuern nichts anderes sind als zu minimierende Gebühren. Dafür investieren sie gigantische Summen in ökonomisch wacklige oder rechtlich fragwürdige Konstruktionen.

Anscheinend ohne großes Nachdenken werden Risiken eingegangen, die oft in keinem Verhältnis zur möglichen Steuerersparnis mehr stehen.

Auf der anderen Seite agiert ein Staat, der nur allzu bereitwillig die Bedürfnisse genau dieser Klientel bedient, sei es durch großzügige Abschreibungsbedingungen, generöse Sondersteuerregelungen oder schlicht durch schlampig formulierte Gesetze und nachlässig verhandelte Doppelbesteuerungsabkommen.

So verlockend die Umwege um Deutschlands obersten Kassenwart Wolfgang Schäuble auch sein mögen - das Risiko, damit mehr Geld zu verlieren, als man eigentlich sparen wollte, ist enorm.

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