Freitag, 22. März 2019

Geldanlage Wie Anleger mit Steuersparmodellen Geld versenken

Steuersparmodelle: Die Politik macht ernst
DPA

6. Teil: Schiffe versenken - das böse Erwachen der Schiffsfonds-Fans

Ein böses Erwachen gab es für deutsche Steuersparfüchse bei ihren heiß geliebten Schiffsfonds. Seit 2008 sinken die Charterraten, kaum ein Frachter verdient noch so viel wie erhofft. Mehr als 300 Fonds-Schiffe sind inzwischen pleite, nahezu täglich werden neue Hiobsbotschaften verkündet.

Das Problem: Es gibt zu viele Schiffe. Und schuld daran sind die Deutschen und ihre Vorliebe für steuersparende Geldanlagen. Denn auf Gewinne mit Containerriesen oder Tankern sind hierzulande dank der pauschalen "Tonnagesteuer" in aller Regel kaum Abgaben fällig.

Seit 1999 gibt es diese Steuervorteile, und in dieser Zeit ist aus den Deutschen ein Volk der Schiffseigner geworden. Geschätzt ein Drittel der globalen Containerflotte haben heimische Anleger finanziert. Zwischen 2005 und 2010 steckten sie laut Ratingagentur Feri mehr als 13 Milliarden Euro Eigenkapital in Schiffe, bevor das Geschäft einbrach.

Anlegermilliarden sorgen für drastische Überkapazitäten auf dem Markt

Am Ende landeten sie in einer selbst gestellten Falle; mit ihren Anlagemilliarden sorgten sie selbst für drastische Überkapazitäten und damit auch für rapide sinkende Charterraten, die dann den Ruin der eigenen Schiffe einleiteten. Nun hat sich der erhoffte Steuerbonus in einen Malus verwandelt. Denn die pauschale Abgabe fällt auch dann an, wenn ein Schiff längst Verluste einfährt.

Der Streit um die hedgefondsartigen Cum-Ex-Konstruktionen, die Blase im Goldhandel, der Hype um alte Gemäuer und das Absaufen der Containerschiffe, allesamt folgen die Steuersparmodelle der neuesten Generation einem nur allzu bekannten Muster. Immer dann, wenn sie den Bestsellerstatus erreichen, kommt das Aus: Entweder war der Hype so groß, dass der Boom in einer gigantischen Pleitewelle mündete. Oder die Modelle wurden derart aggressiv an der Steuergesetzgebung vorbeikonstruiert, dass die Finanzämter die Steuererstattungen wieder einkassierten.

Wirklich dauerhaft verdienen an den Steuersparorgien der Anleger nur zwei Gruppen - die Anwälte, mit deren Hilfe die Modelle konstruiert werden, und die Anwälte, die am Ende versuchen, das Geld der enttäuschten Anleger von Fondsvertrieben und Banken zurückzuholen.

Für die meisten Anleger wäre es sehr viel billiger gewesen, ihre Steuern zu begleichen.

© manager magazin 7/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung