Dienstag, 19. März 2019

Geldanlage Wie Anleger mit Steuersparmodellen Geld versenken

Steuersparmodelle: Die Politik macht ernst
DPA

5. Teil: Villa Salami: Der endlose Hausumbau des Peter Löscher

So schlimm kam es bei Ex-Siemens-Chef Peter Löscher (56) vermutlich nicht, Ärger hatte aber auch er reichlich. Ein paar Monate brauchte er nach seiner Kür zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Dax-Konzerns im Sommer 2007, um eine standesgemäße Bleibe für sich und seine Familie zu finden.

Entschieden hat er sich schließlich für eine von Max Littmann Anfang des 20. Jahrhunderts im Tudorstil errichtete Villa. Der direkt am Isarufer im Münchener Süden gelegene, denkmalgeschützte Bau bot neben einem knapp 5000 Quadratmeter großen von alten Bäumen bestandenen Grundstück noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Er musste aufwendig renoviert und instand gesetzt werden.

Damit taugte die Villa auch als ganz persönliches Steuersparmodell für den Neu-Siemensianer. Denn die Ausgaben für die Sanierung denkmalgeschützter Wohngebäude dürfen direkt vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden: zehn Jahre lang jeweils 9 Prozent der Renovierungskosten. Wer nicht selbst einzieht, sondern vermietet, darf sogar die kompletten Kosten sowie je nach Alter jährlich 2 oder 2,5 Prozent des Kaufpreises und darüber hinaus auch noch die Hypothekenzinsen geltend machen. Bei einem Salär zwischen 8 und 10 Millionen Euro, wie im Fall Löschers, ein steuerlich lukratives Investment.

Bankberater gehen mit Denkmalimmobilien regelrecht hausieren

Zumindest theoretisch. Denn eingezogen ist Löscher erst, nachdem er im Sommer 2013 den Konzern verlassen musste - jahrelang wurde saniert und erweitert; mit der Denkmalschutzbehörde stritt er sich wegen der geplanten Garagen, des Einbaus eines Schwimmbades, der Errichtung eines Aufzugs und des Bau einer Wendeltreppe an der Außenseite. Weil die Bauarbeiten über die Jahre nur scheibchenweise vorankamen, verspotteten die Nachbarn Löschers Domizil schon bald als Villa Salami.

Wer Baudenkmäler kauft, lässt sich also - allen Steuervorteilen zum Trotz - auf ein kaum kalkulierbares Abenteuer ein. Zumal Immobilien- und Bankberater mit Denkmalimmobilien inzwischen regelrecht hausieren gehen, was die Preise horrend hochtreibt.

Selbst wenn bei der Sanierung alles glattläuft, können die teuer erstandenen Immobilien später oft nur mit Verlust verkauft werden. Denn ist ein Bauwerk erst einmal hergerichtet, gibt es kaum noch Renovierungskosten, die sich steuersparend einsetzen lassen. Das Oberlandesgericht Dresden verlangte von einem Verkäufer den Hinweis darauf, dass beim Weiterverkauf nach der Sanierung "erhebliche Preisabschläge drohen".

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