Sonntag, 24. März 2019

Geldanlage Wie Anleger mit Steuersparmodellen Geld versenken

Steuersparmodelle: Die Politik macht ernst
DPA

3. Teil: Goldhändler für einen Tag

Obwohl einige Geldhäuser die Konstruktionen mit einer gehörigen Portion Aggressivität an ihre ultravermögende Kundschaft verkauft und dabei womöglich einige schmutzige Details verschwiegen haben, stehlen sie sich nun aus der Verantwortung. Roths Investmentvehikel Rajon streitet deshalb nicht nur mit dem Fiskus, sondern hat auch die Bank auf Schadensersatz verklagt.

Drogerieunternehmer Müller und AWD-Gründer Maschmeyer, der um 14 Millionen Euro bangt, stehen vor dem gleichen Problem: Weil die Steuerbehörden die Rückerstattung verweigerten, lud die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin die entstandenen Verluste auf die beiden Milliardäre ab. Am Ende wirkt Walter Höft, bei dem es lediglich um 2,6 Millionen Euro ging, beinahe wie ein Kleinanleger.

Ein noch ausgefalleneres Steuerschlupfloch entdeckte Peter Löw (53) für sich. Der Mann gehört zur Spezies schillernder Finanzinvestor. Mit seiner Beteiligungsfirma Arques kaufte er in großem Stil schwerkranke Firmen auf, restrukturierte sie und schlug sie anschließend für das Doppelte oder Dreifache wieder los. 100 Millionen Euro soll der einstige McKinsey-Mann dabei verdient haben, bis er sich 2007 aus dem zwischenzeitlich im M-Dax notierten Unternehmen zurückzog.

Goldhändler: Kleine Lücke im deutsch-britischen Abkommen genutzt

Kurz darauf sorgte er mit einem völlig neuen Betätigungsfeld für Aufsehen. Gemeinsam mit einem befreundeten Banker gründete er in Großbritannien ein Unternehmen namens 24k Trading Partners, das sich selbst als "einen der größten nichtinstitutionellen Goldhändler Europas" feierte. Zeitweise besaß das Unternehmen mehrere Tonnen des Edelmetalls, stellte die Geschäfte aber nach rund einem Jahr wieder ein.

Das Timing war exzellent. Zwischen Gründung und Schließung der Firma hatte der Goldpreis kräftig zulegt. "Viel Geld verdient" habe man damals, sagt Löw heute. Gerüchte, dass er damit kräftig Steuern gespart habe, seien indes falsch, teilt er mit. "Steuerliche Vorteile wurden weder gewährt noch verlangt."

Bei Dutzenden anderer deutscher Millionäre war dies definitiv anders. Sie hofften darauf, über ähnlich konstruierte Firmenvehikel, ihre Steuerzahlungen in Deutschland drastisch abzusenken. Der Trick: eine kleine Lücke im deutsch-britischen Doppelbesteuerungsabkommen mit großen fiskalischen Folgen.

Und in diese Lücke stießen sie beherzt hinein. Sie gründeten in London Personengesellschaften, die jeweils kurz vor Jahresende Goldbarren im hohen sechs- oder sogar siebenstelligen Wert erwarben. In der Einkommensteuererklärung daheim tauchten die Edelmetallkäufe anschließend als Verluste auf. Ein Minus, das zwar nicht direkt mit dem steuerpflichtigen Einkommen verrechnet werden darf, das aber über den sogenannten Progressionsvorbehalt den negativen Steuersatz senkt - im Extremfall bis auf null.

Wenn die Goldvorräte dann kurz nach Neujahr wieder verkauft wurden, blieb das für die Topverdiener trotz der zusätzlichen Einkünfte folgenlos. Die Gewinne mussten nicht versteuert werden, schließlich durften die mit dem Goldkauf erzielten Verluste des Vorjahres auch nicht von den Einkünften abgezogen werden. Die Erträge aus den Goldverkäufen hätten lediglich den Steuersatz erhöht. Für Topverdiener ein ziemlich theoretischer Fall, schließlich konnten die Finanzämter nicht mehr als den Spitzensteuersatz fordern.

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