Donnerstag, 17. Januar 2019

Schöne neue Bürowelt Neue Arbeitswelt: Billig, ohne aufzufallen

Arbeit 4.0: Ein Blick in die neue Bürowelt
Eduardo Perez

Big Data verändert in den Unternehmen alles - nicht zuletzt die Arbeitsplätze. Die schöne neue Bürowelt fördert Kreativität, Effizienz - und spart Geld. Ein Streifzug.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 10/2016 des manager magazins, die Ende September erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Als Vorzeigeadresse taugt die Firmenzentrale von On nicht. Sie liegt in Zürichs Nordwesten, zwischen Plattenbauten und Markthallen, längs der Bahngleise. Der Zauber entfaltet sich erst im Innern: Vom Fahrstuhl aus tritt man in einen lang gestreckten Raum: grauer Steinfußboden, Betondecke, keine Zwischenwände, hinten rechts eine ausladende Sofalandschaft, links Reihen von raumgreifenden Schreibtischen mit Monitoren, ganz hinten in der Ecke hinter einem kleinen Bartresen eine Umkleidekabine mit Schränken, wo ein paar junge Frauen, die gerade vom Joggen kommen, ihre Sachen zum Duschen holen. Und an den dunklen Wänden fein drapiert das, worum es hier geht: Laufschuhe. In allen Farben.

Willkommen bei On, dem derzeit am schnellsten wachsenden Sportschuhhersteller weltweit. 2010 als Start-up gegründet, rangiert das Label heute in der Schweiz bereits auf Platz zwei, in Deutschland und den USA hat sich On in die Top fünf der Laufschuhmarken hochgekämpft, mit 2500 Händlern in 50 Ländern. Im November 2015 zog man hier mit 35 Leuten ein, jetzt sind es schon 60.

Schneller, höher, weiter - so soll auch das Büro sein: "Agil", sagt David Allemann, einer der drei Chefs, der "Spirit" müsse erhalten bleiben. Abteilungsdenken soll gar nicht erst entstehen, die Firma "eine kompakte Sportmannschaft bleiben, die hier hin und her spielt".

Arbeitswelt 4.0. Die Digitalisierung stellt nicht nur reihenweise lieb gewonnene Geschäftsmodelle infrage, sondern auch die Form, wie wir kommunizieren und arbeiten. Morgens ins Büro und abends nach Hause, Anwesenheitspflicht, feste Arbeitszeiten - das ist vorbei. Dank Smartphone und Tablet ist jeder überall und ständig erreichbar, man kann arbeiten, wann man will und wo man will, alles ist gleichzeitig - und überall. Hauptsache: Die Arbeit wird erledigt. Fertig.

Bei der großen Transformation der Bürowelt sind alle dabei: Industriekonzerne und Dienstleister, Start-ups und Dax-Unternehmen - nur wer flexibel ist, bleibt. "Seit eineinhalb Jahren kommt das Thema so richtig in Schwung", sagt Stefan Rief, Arbeitswissenschaftler am Fraunhofer-Institut, in dessen Projekt "Office 21" auch die Nebenwirkungen des Großumbaus beschrieben sind: "Leistungsdruck und Arbeitsdichte nehmen zu", die Neuorganisation erfordere "mehr Kompetenz und Selbstorganisation".

Büro - schon das Wort wird nur noch ungern benutzt. Campus klingt viel besser, oder Home Base, als Ort, wo man seine Kollegen trifft, im Unterschied zum Nomad Office, dem temporären Arbeitsplatz für den Mitarbeiter unterwegs. Smart Working, Coworking, Crowdworking und Desksharing, das sind die Schlagwörter. Und natürlich: Clean Desk Policy (heißt: Abends immer schön aufräumen, wer weiß, wer am nächsten Tag an dem Platz arbeitet).

Siemens feiert die Eröffnung seines neuen Hauptsitzes in München mit der Einführung eines "New way of working". Daimler-Chef Dieter Zetsche verkauft seinen Mitarbeitern die neue Working Culture, die gerade mit großem Aufwand im Konzern eingeführt wird, mit Gönnergeste: "Ich will die Arbeit für euch schöner machen."

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