Dienstag, 27. September 2016

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Apple, Google, Facebook, Uber American Hybris

Ein globales Fahrdienstmonopol, ein Webanschluss als Menschenrecht, das iCar und die Pille fürs ewige Leben: Schnappen Kaliforniens Tech-Visionäre jetzt über? Fest steht: Mit ihrem vielen Geld und ihrem Größenwahn provozieren sie einen brandgefährlichen Boom an den Finanzmärkten.

Der Tech-Elite im Silicon Valley reicht es nicht mehr, einfach nur reich zu werden. Es geht neuerdings immer gleich ums große Ganze: die Welt retten!
Malte Knaack für manager magazin
Der Tech-Elite im Silicon Valley reicht es nicht mehr, einfach nur reich zu werden. Es geht neuerdings immer gleich ums große Ganze: die Welt retten!
Die Welt, wie Travis Kalanick (38) sie sieht, passt auf genau 34 Seiten Hochglanzpapier. Die jüngere Geschichte der Menschheit muss demnach in zwei Epochen unterteilt werden: in die Zeit vor der Einführung von Kalanicks digitalem Chauffeurvermittlungsdienst Uber. Und in die Periode danach.

Nachzulesen ist das in einer Studie, die Kalanicks Gesandte derzeit an Meinungsmacher in Deutschland verteilen. Darin wird aufgeführt, unter welchen Plagen die US-Metropole Chicago und ihre 9,4 Millionen Einwohner vor Ubers Start zu leiden hatten: rüde Taxifahrer, die Schwarzen und Behinderten die Beförderung verweigerten. Schlecht bezahlte Fahrer, die regelmäßig Opfer gewalttätiger Krimineller wurden. Und ein US-Präsident, der vor seinem Umzug ins Weiße Haus laut Gattin Michelle "ein farbiger Mann aus dem Süden Chicagos war und Probleme hatte, ein Taxi zu bekommen".

Dann aber, ab Seite 6, erscheint Uber, und Chicago verwandelt sich in ein Paradies. Fortan bekommt jedermann zu jeder Zeit seine Fahrgelegenheit. Ein Fingerwisch übers Display des Handys reicht, und schon biegen statt grantiger Taxipiloten saubere Privatchauffeure um die Ecke. Und wer es luxuriöser mag, ordert einfach den Limousinenservice.

Allen geht es besser, alle verdienen gut. "Uber hat mir Gott gesandt", lässt sich eine Kundin mit Sehbehinderung zitieren. Kalanick: "Das Beste kommt noch."

Die Uber-Propaganda mag nach Größenwahn klingen. Aber sie passt zur Hybris, die im Silicon Valley momentan um sich greift. Der Tech-Elite reicht es nicht mehr, einfach nur reich zu werden. Es geht neuerdings immer gleich ums große Ganze: die Welt retten!

Dafür sind Amerikas Superhelden schließlich da.

Wundermänner, Menschenfreunde, Avantgardisten, Halbgötter

Wundermänner wie Mark Zuckerberg (30), dem es aus seiner Studentenbude in Harvard heraus gelungen ist, 1,4 Milliarden Erdenbürger über Facebook Börsen-Chart zeigen zu vernetzen. Als Nächstes will er die ganze Welt mit einer Drohnenflotte ans Internet anstöpseln.

Menschenfreunde wie Larry Page (41), der mit Google Börsen-Chart zeigen erst das Wissen demokratisiert und jetzt eine Formel für selbstfahrende Autos gefunden hat, die man nur noch schnell in Blech biegen muss. Ach ja, für das ewige Leben sucht er ebenfalls gerade den passenden Algorithmus.

Avantgardisten wie Elon Musk (43), der an den deutschen Autobauern vorbei die Elektrolimousine Tesla Börsen-Chart zeigen erfunden hat, jetzt der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen will und danach den Mars kolonialisieren möchte (das allerdings noch mit konventioneller Schubkraft).

Und natürlich Halbgötter wie Apples Steve Jobs und sein Nachfolger Tim Cook (54), die unserem Leben das "i" schenkten, künftig vielleicht sogar in Form des iCars.

Uber, Facebook, Google, Tesla und Apple Börsen-Chart zeigen - es ist dieser quasireligiöse Glaube an sich selbst, der die Tech-Revolutionäre zu noch Höherem antreibt. Das Kapital für ihre Fantasien liegt bereit. Apple-Chef Tim Cook sitzt auf 178 Milliarden Dollar in cash, Googles Vordenker Page hortet immerhin noch 60 Milliarden - allesamt weitgehend unversteuerte Gewinne aus dem Geschäft mit dem Rest der Welt.

Milliarden für Startups, Nasdaq auf 15-Jahres-Hoch

Und Fondsgesellschaften, Private-Equity-Firmen und Wagniskapitalgeber sind schließlich auch noch da. Dank der Minizinsen stecken die Investoren ihr Geld bereitwillig in das kalifornische Wirtschaftswunder: 5,9 Milliarden Dollar pumpten sie allein in das 2009 in San Francisco gegründete Startup Uber. So viel Geld in so kurzer Zeit gab es noch nie für ein derart unreifes Unternehmen. Auf 2 Milliarden Dollar könnte der Umsatz des Taxisurrogats in diesem Jahr steigen; auf dem Papier ist Kalanicks Baby bereits 41,2 Milliarden Dollar wert - sechsmal mehr als die Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Damit ist Uber aber nur die auffälligste Übertreibung in einem heiß laufenden Markt: Mehr als 50 US-Start-ups werden mit über einer Milliarde Dollar bewertet. Früher galt so etwas als Sensation, wurden solche Firmen wegen ihrer Seltenheit "Einhörner" genannt. Heute kommen beinahe im Wochenrhythmus neue hinzu.

Der Tech-Aktien-Index Nasdaq Börsen-Chart zeigen notiert inzwischen wieder über 5.000 Punkten. So hoch flogen die Kurse zuletzt im März 2000.

Brennen im Silicon Valley nun wieder alle Sicherungen durch? Provozieren die US-Boys mit ihren Allmachtfantasien den nächsten Megacrash? "Wenn es zu einer ernsthaften Korrektur kommt, wird das Schockwellen durch die gesamte Wirtschaft schicken", warnen die in der Investorenszene tonangebenden Analysten von Mauldin Economics.

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