Mittwoch, 12. Dezember 2018

Anlagestrategie Wie man vor dem Crash noch Geld an der Börse verdient

Börse: Der nächste Crash kommt bestimmt
DPA

Der nächste Crash wird kommen. Doch bis dahin lässt sich an der Börse noch ordentlich Geld verdienen - vorausgesetzt, man beachtet fünf Sicherheitsregeln.

Kaum zur Tür rein, haben die Herren schon die erste Frage: Ob denn der neue Whisky von Ardbeg schon da sei? Marc Friedrich und Matthias Weik (beide 38), Ökonomen, Autoren und "Vermögenssicherer", testen gerade neue Investmentmöglichkeiten. Draußen hängt grauer Himmel schwer über Stuttgart, doch die Stimmung in dem kleinen Ladenlokal in der Rotenwaldstraße könnte kaum besser sein. Was auch, aber nicht nur, am neuen Ardbeg liegt. Limited Edition, sagt der Verkäufer. 120 Euro, vor einem Monat gab's den noch für 80.

Friedrich hat das natürlich gewusst. "Ich hab' mal einen Ardbeg für 45 Euro gekauft und fünf Jahre später für 1000 verkauft." Peter Sondheim, Inhaber des Bestwhisky-Shops, kennt solche Geschichten, also wird jetzt gefachsimpelt und dann verkostet. "Steht ja nirgends geschrieben, dass Geldanlegen keinen Spaß machen darf", sagt Weik.

Ihren Kunden empfehlen Friedrich und Weik, 1 bis 3 Prozent des Vermögens in Whisky zu investieren. Single Malt, gern schottisch, limitierte Auflagen. "Lässt sich leicht lagern, ist handfest, und der Wert steigt jedes Mal, wenn irgendwo jemand eine Flasche davon trinkt", sagt Friedrich.

Krisen-Propheten und ihr Feldzug für Sachwerte

Das Faible für Hochprozentiges ist Teil des Kreuzzugs, mit dem Weik und Friedrich gegen Papier- und für Sachwerte zu Felde ziehen. In Hunderten Vorträgen und zwei Büchern prophezeien sie als Folge der Euro-Krise den Zusammenbruch des Finanzsystems, wie wir es kennen. Ihr Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" verkaufte sich bislang 130.000-mal; das aktuelle "Der Crash ist die Lösung" stieg gleich auf Platz 1 der Bestsellerliste des manager magazins und auf Platz 5 der SPIEGEL-Sachbuchliste ein. Zu ihren Vorträgen kommen Hunderte: Lehrer, Krankenschwestern, Unternehmer. "Wir haben einen Nerv getroffen", sagt Friedrich.

Die Profischwaben bieten eine apokalyptische Erzählung: "Renten- und Lebensversicherungen, Fonds, Aktien, Papiergeld jeglicher Art werden die großen Verlierer sein im Crash." Dass der kommt, steht für die Krisenpropheten fest. Statt Aktien empfehlen sie deshalb Wald, Ackerland, Edelmetall und die Vergabe von Krediten an den Bauernhof von nebenan, rückzahlbar gern in Naturalien. Und vor allem: keine Schulden, das ist schwäbische Hausmännerehre.

Sehnsucht nach der gestrengen Bundesbank und nach Werten, die man anfassen kann: Mit ihrer Endzeittonalität spiegeln Weik und Friedrich die Stimmung im Land - und verstärken sie. Die Deutschen vermissen ihre Bundesschatzbriefe, sie schwelgen in Untergangsszenarien, obwohl der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen nur knapp unter Rekordniveau notiert. Die Angst vor dem Absturz lähmt sie.

Laut Bundesbank haben die Bürger weniger als 6 Prozent ihres Vermögens in Aktien investiert. Sie nehmen in Kauf, dass Sparkonten Kaufkraftverluste einbringen, weil der Zins niedriger ist als die Inflationsrate. Lieber als Dax-Aktien mit durchschnittlich 2,7 Prozent Dividendenrendite kaufen sie Großstadtimmobilien - die laut Bundesbank bereits um 25 Prozent überbewertet sind.

© manager magazin 8/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH