Samstag, 27. August 2016

Kultmarke Camera magica

Kamera-Manufaktur: Wie Kaufmann Leica nach vorne treibt
Fotos
AFP

Vor wenigen Jahren stand die Kultmarke Leica kurz vor der Pleite. Kann der ehemalige Waldorflehrer und Visionär Andreas Kaufmann die Kamera-Manufaktur nun in ein Weltunternehmen verwandeln?

Andreas Kaufmann (59), Mehrheitseigentümer des Kameraherstellers Leica, hat seine Mitarbeiter schon oft mit unkonventionellen Vorschlägen überrascht. Doch mit seiner Idee, einen Fotoapparat auf den Markt zu bringen, der ausschließlich Schwarz-Weiß-Bilder macht, stieß er selbst im eigenen Haus auf Unverständnis. Wer sollte sich denn, fragten viele Leica-Leute, in Zeiten der Farbfotografie so einen Apparat anschaffen? Und das zu einem Preis von 6800 Euro - ohne Objektiv.

Leica-Aufsichtsratsvorsitzender Kaufmann blieb stur. Das Schwarz-Weiß-Projekt verschlang zig Millionen Euro und band eineinhalb Jahre lang einen Großteil der Entwicklungsmannschaft - ein waghalsiges Unterfangen für die kleine Firma. Am Ende aber sollte der Visionär recht behalten.

Im Mai 2012 präsentierte Leica Börsen-Chart zeigen die digitale "M Monochrom". Seither reißen sich Hobbyfotografen und Profis um das Modell, das eine faszinierende Vielfalt von Grautönen und Schattierungen hervorbringt. Kaufmann hatte gehofft, 3500 Stück pro Jahr zu verkaufen, tatsächlich sind es etwa dreimal so viele.

Egal ob die "M Monochrom", die Kompaktkamera "D-Lux" oder das Spiegelreflexsystem "S2" - die Kultprodukte aus dem mittelhessischen Solms sind in Frankreich genauso begehrt wie in den Vereinigten Staaten oder Russland. Die Fans scheuen sich nicht, Hunderte und Tausende von Euros als Premiumaufschlag zu bezahlen; und sie nehmen monatelange Lieferfristen hin.

"Ein unglaublicher Mythos"

"Der Name Leica", schwärmt Kaufmann, "birgt einen unglaublichen Mythos." Er sagt dies mit Stolz, immerhin hat er das Traditionshaus, das Mitte der 2000er Jahre kurz vor der Insolvenz stand, wieder in ein prosperierendes Unternehmen verwandelt. Das ist auch der Grund, weshalb Kaufmann und Leica-Chef Alfred Schopf im September zu den "Entrepreneuren des Jahres" (veranstaltet von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young) gewählt wurden - sie wurden außerdem als deutsche Vertreter für den internationalen Wettbewerb "World Entrepreneur of the Year 2014" nominiert.

Nach der erfolgreichen Sanierung verfolgt Kaufmann jetzt einen ambitionierten Wachstumskurs. Die Fertigungskapazitäten werden nahezu verdoppelt, in Wetzlar sind die Fundamente für eine neue Zentrale gelegt, und vielerorts eröffnen Leica-Läden. Zudem sind die Ausweitung des Produktportfolios und der Zukauf von Firmen geplant.

Der ehemalige Waldorflehrer Kaufmann, der durch ein üppiges Erbe zu Reichtum gekommen ist, will aus Leica nicht weniger als "ein Weltunternehmen" machen.

Was aber, wenn die Kosten der Expansion die Firma überfordern und Leica am Ende wieder in eine Schieflage gerät?

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