Freitag, 28. Juli 2017

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Alno trotz Hastor-Einstieg insolvent Das Imperium des bosnischen Hastor-Clans

Der Küchenhersteller Alno ist pleite

Der bosnische Hastor-Clan klaubt ein Imperium zusammen, legt sich mit Weltkonzernen wie VW und Daimler an, lehrt Konkurrenten das Fürchten und rollt ganz nebenbei die Möbelindustrie auf. Die Zahl der Feinde wächst gefährlich. Nun ist eines seiner Investments pleite: Der Küchenhersteller Alno.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 3/2017 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Angesichts der Insolvenz des Küchenherstellers Alno veröffentlichen wir sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Schwarze Zahlen bei Deutschlands einst größtem Küchenhersteller Alno sind so selten wie Fernsehabende ohne Kochshows. Seit Jahren geht es im beschaulichen Pfullendorf vor allem um eines: ums Überleben. Nun soll ausgerechnet ein geheimnisvoller Clan in die Rolle des Retters schlüpfen, dessen Handlungen mitunter an Harakiri erinnern. Kaum hat sich die bosnische Familie Hastor zum Schnäppchenpreis rund 27 Prozent der Alno AG Börsen-Chart zeigen einverleibt, kapert sie den Aufsichtsrat, tauscht den halben Vorstand aus und verabschiedet ein Sechstel der Belegschaft.

Für Alno ist das Vorgehen neu und erschreckend, für die Hastors ganz normales Geschäft. Firmenpatriarch Nijaz Hastor (66), seine Frau Mirsada (57) und die Söhne Kenan (37) und Damir (35) haben sich in gerade einmal 24 Jahren ein Imperium erschaffen, das inzwischen drei Milliarden Euro umsetzt. 12.000 Menschen fertigen auf vier Kontinenten Autoteile, bauen Jachten, betreiben Banken und Versicherungen, produzieren Textilien, Schuhe und Möbel.

VW düpiert und Daimler verklagt

Die Firmenpiraten sind härter als Heuschrecken und aggressiver als Aktivisten, ein Mittelständler, wie ihn die Republik sonst nicht kennt. Die Eigner des Sitzbezügeherstellers Prevent haben Volkswagen düpiert, die Produktion lahmgelegt, Daimler verklagt, reihenweise strauchelnde Konkurrenten geschluckt und filetiert. Nun greifen sie nach Alno und dem börsennotierten Autozulieferer Grammer Börsen-Chart zeigen, einem Milliardenkonzern.

Doch so rasant der krimireife Aufstieg ist, so groß ist die Gefahr des Scheiterns. Das war von Beginn an so.

Über uns werden viele Klischees verbreitet."

Ein Vertrauter des Hastor-Clans

Zwischen sanften grünen Hügeln erstreckt sich das Grauen. Inmitten von Trümmern erhebt sich ein Mann mit dunklen Haaren und Sonnenbrille. Er ist gekommen, um aufzuräumen, beseelt davon, seine Heimat, die nun Bosnien und Herzegowina heißt, aufzubauen. Der Mann, der wenige Monate nach Kriegsende vor den Überresten Sarajevos in die Kamera blickt, ist Nijaz Hastor. Es ist das Jahr 1996. 36 Monate später entsteht ein zweites Foto, auf dem er vor den ersten Gebäuden seines Unternehmens posiert.

Die imposante Bildfolge hängt im gläsernen Verwaltungsbau der Prevent Gruppe im Westen Sarajevos. Noch heute kursiert im Konzern die Saga vom heldenhaften Start in einer Garage - was bestenfalls die halbe Wahrheit ist.

Lesen Sie die Nachricht zum Hintergrund: Alno stellt Insolvenzantrag

Hastors Karriere beginnt bei TAS, einem Joint Venture von VW und dem jugoslawischen Mischkonzern Unis. Als der Balkanstaat zerfällt, zieht es den Manager Anfang der 90er in die slowenische Kleinstadt Slovenj Gradec. In den Nachkriegswirren wird aus dem Prevent-Angestellten ein Anteilseigner - und aus dem Anteilseigner ein Enteigner. So lautet zumindest der Vorwurf früherer Geschäftspartner, dem Polizei und Staatsanwälte in Slowenien nachgehen. Hastor nimmt dazu nicht Stellung.

Auf Betreiben des Großkunden VW entsteht 1998 in Wolfsburg mit Prevent DEV eine Dependance für Design, Entwicklung und Vertrieb, über die der Konzern die Aufträge abwickelt. Hastor führt die Firma mit Prevent-Chef Joze Kozmus (64). Nach zwei Kapitalerhöhungen und einer Barzahlung gibt es nur noch einen Eigentümer: Hastor. Parallel baut er in Bosnien eigene Werke auf. Als die gut laufen und die Partner in Slowenien obsolet werden, zieht er den Stecker. 2010 ist die Keimzelle pleite.

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