Montag, 18. Juni 2018

Alno trotz Hastor-Einstieg insolvent Das Imperium des bosnischen Hastor-Clans

Der Küchenhersteller Alno ist pleite

4. Teil: Endspiel in Amberg

Das kann man von ihrem Feldzug in Amberg nicht behaupten. Kurfürstliches Schloss, gotisches Rathaus, historische Stadtmauern - und ein ungebetener Eindringling. Seit Anfang 2016 erhöht Prevent über die Finanzvehikel Halog und Cascade den Anteil an der Grammer AG. Der im S-Dax notierte Hersteller von Mittelkonsolen, Armlehnen, Kopfstützen und gefederten Sitzen setzt 1,7 Milliarden Euro um und verfolgt ambitionierte Pläne. In drei Jahren soll die Zwei-Milliarden-Marke fallen.

Inzwischen halten die Hastors über 20 Prozent. Lange schwiegen sie über ihr Vorhaben, bis eine Mitteilung zum Eklat führte. Die Forderung: Vorstandschef Hartmut Müller (53) soll weg und fünf der sechs Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat gleich mit. Prevent will seine eigenen Leute entsenden und den Laden kontrollieren.

Doch Grammer ist nicht Alno. Während Alno-Chef und Miteigner Max Müller (70) den Clan selbst von einem Einstieg überzeugt hat, denkt Grammer-CEO Hartmut Müller nicht an Rückzug. "Die Forderungen kamen völlig unerwartet und sind nicht nachvollziehbar", lautet die Reaktion.

Grammers Hauptkunden - ausgerechnet VW und Daimler - sind besorgt. Ein weißer Ritter soll her. Selbst mit chinesischen Investoren werden Gespräche geführt. Läuft alles nach Plan, könnte Mitte Februar bereits eine Lösung stehen. Sicher ist schon jetzt: Auf der nächsten Hauptversammlung droht ein heißer Tanz.

Eine Milliarde Euro Privatvermögen

Beide Seiten werfen sich vor, ein klärendes Gespräch zu verweigern. "Grammer leidet seit Jahren an einer schwachen Gewinnmarge. Diese Entwicklung wurde vom Management nicht mit dem nötigen Engagement angegangen", donnern die Hastors. "Die intensivierte Kontrolle darf nicht als feindliche Übernahme missverstanden werden." Und dann fügt ein Vertrauter hinzu: "Über uns werden viele Klischees verbreitet, die schlicht nicht der Wahrheit entsprechen. Man wird eben schnell in gewisse Schubladen gesteckt. Viele machen sich nicht die Mühe, die Fakten zu prüfen."

Alltäglich sind die Geschäftspraktiken der Hastors jedenfalls nicht. Das Kalkül bei Grammer ist einfach: Es geht um neue Kunden, darum, auch mit der Bahn ins Geschäft zu kommen, um die sich Prevent bisher vergeblich bemühte. Kurz gesagt: Die Hastors wollen nicht länger nur ein Auftragsproduzent großer Autoteilehersteller sein.

Das Selbstvertrauen dafür ist vorhanden, aber auch die nötigen Ressourcen? Die Familie vertraut wichtige Aufgaben nur rund einem Dutzend Topleute an, und die wirken mitunter überlastet. Das Privatvermögen der Hastors schätzen Insider zwar auf rund eine Milliarde Euro, aber größere Investitionen haben sie bislang gescheut. Das könnte Alno zum Verhängnis werden.

Alno ist auf Gedeih und Verderb von Prevent abhängig

Um bei dem Küchenhersteller nicht die Mehrheit übernehmen zu müssen, ließen sie einen früheren Steuerprüfer des Konzerns mitbieten. Sie hatten Sorge, dass die Gläubiger sonst die Anleihen fällig stellen können. Nötig war das am Ende nicht. Nur 9,88 Prozent der Anleger gingen auf das Angebot von 50 Cent pro Anteilsschein ein.

Mit nun 26,6 Prozent der Aktien und dank einer Poolvereinbarung 43,13 Prozent der Stimmrechte kann die Sippe nach Belieben durchgreifen. Alno ist mit 156 Millionen Euro verschuldet und auf Gedeih und Verderb von Prevent abhängig.

Obwohl laut Angebotsunterlage kein Vorstandswechsel vorgesehen war, hat Prevent-Mann Christian Brenner Finanzchefin Ipek Demirtas (49) abgelöst. Auch Produktionsvorstand Frank Wiedenmaier (53) ist weg, sein Posten wird nicht nachbesetzt. Der 70-jährige CEO Max Müller gilt als Übergangslösung. Im Aufsichtsrat sitzen inzwischen fünf Prevent-Manager.

Seit Wochen durchleuchten 25 Abgesandte Alno nach Einsparpotenzial. 350 der 2100 Mitarbeiter sollen gehen, die Kosten um 20 Millionen Euro sinken. Reichen wird das nicht. Die Belegschaft hat Angst, dass ihre Firma zerschlagen wird. "Wir denken über eine Verlagerung von Teilen des Unternehmens nach, haben aber das Ziel, die Standorte zu erhalten", versichert der Clan.

Im Möbelhandel laufen Krisensitzungen. Die Angst ist groß, dass sich die Hastors verheben. Dann bliebe das 90. Jubiläum, das Alno dieses Jahr feiert, endgültig das letzte.

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