Samstag, 23. Februar 2019

Alno trotz Hastor-Einstieg insolvent Das Imperium des bosnischen Hastor-Clans

Der Küchenhersteller Alno ist pleite

3. Teil: Prevent stemmt in wenigen Jahren 15 Übernahmen

Statt sich auf die margenschwache Produktion von Sitzbezügen zu beschränken, wächst die Angebotspalette zügig. 2009 greift Prevent beim Lederfabrikanten Eybl zu, 2010 folgen das Presswerk TWB und die Textilfabrik Gaenslen & Völter. Ein Jahr später kommt die Lederfabrik Vogl dazu. In wenigen Jahren stemmt die Gruppe über 15 Übernahmen.

Das Muster: Meist rücken die Zahlenprofis Christian Brenner (37) und Detlef Niefindt (57) an und tauschen das Management aus. Misslingt die Sanierung, wandern Maschinen und Know-how nach Bosnien, mitunter ist dies sogar vorher vertraglich vereinbart.

Prevents Vorteil: Die Firmen sind nicht nur billig, sondern meist auch klein und unbekannt. Wenn sich Protest regt, dann allenfalls in der Lokalpresse. "Es ist sicher viel schiefgegangen, aber in der Summe haben wir massiv Werte geschaffen", sagt ein früherer Prevent-Manager. Und so werden Kenan und Damir immer mutiger.

2013 reift der Plan, auch in der Textil- und Möbelindustrie zu investieren. Im Juni 2014 heuert Prevent Hubertus Kläs an. Der 56-Jährige kennt die Möbelbranche von Stationen beim Küchenhersteller Bulthaup und beim Sofa-Fabrikanten Rolf Benz. Mit Gründung der Neofacture Furniture beginnt die Produktion für Ikea und Home24.

2015 verleibt sich Prevent die angeschlagenen Polstermöbelhersteller Gepade und Machalke ein. Gepade ist zweieinhalb Monate später pleite, dafür kommt Wössner ins Portfolio. Und damit ist noch lange nicht Schluss. "Wir wollen die Abhängigkeit vom Automotivgeschäft reduzieren, Möbel sind für uns von strategischem Interesse", lassen die Inhaber verlauten. "Auch das Textilgeschäft wird immer interessanter. Wir halten weiter die Augen offen."

"Durchs Kellerfenster in Wohnzimmer"

Die Nähwerke des Clans produzieren unter anderem für den Modekonzern Ahlers. Die Suche nach weiteren Partnern läuft. Seit dem ungleichen Kampf gegen VW sichern sich die Hastors ab.

Als Prevent in Wolfsburg auf das niedrigste interne Rating C abrutscht, schaut sich VW nach Alternativen um und wird beim maroden Car Trim im sächsischen Plauen fündig. Auf einen Auftrag für den Passat folgt die Order für die Sitzbezüge von Touareg und Porsche Cayenne. Um das 500 Millionen schwere Volumen hatte sich Prevent vergeblich bemüht. Das lassen sich die Hastors nicht gefallen.

Mensur Sacirovic (39), Leiter des Beteiligungsmanagements, und sein Kompagnon Rogerio Luis Goncalves (46), Chef des in den Niederlanden registrierten Investmentarms Eastern Horizon, gründen eine neue Gesellschaft namens Parramatta, was so viel heißt wie "Mutter des Geldes", und schnappen sich Car Trim. "Die sind durchs Kellerfenster ins Wohnzimmer eingestiegen, und VW hat nichts gemerkt", sagt ein Beteiligter. Als das Manöver auffliegt, kommt es zur Eskalation. Volkswagen kündigt die Aufträge, Prevent verweigert die Lieferung. Rund 30.000 VW-Mitarbeitern geht tagelang die Arbeit aus.

"Gegenseitige Drohungen gehören in dieser knallharten Branche zum Tagesgeschäft", sagt ein Wettbewerber. "Aber dass ein Zulieferer das durchzieht, ist einmalig." Ob sich der Mut auszahlt?

Der Clinch wurde außergerichtlich beigelegt, eine weitere Zusammenarbeit vertraglich zugesichert. Aber der Friede bleibt brüchig. Der gemeinsame Fahrzeugvertrieb in Bosnien ist Geschichte, die VW-Aufträge in Brasilien sind weg, die Prevent-Tochter Keiper steht vor dem Aus. Mit Daimler streiten die Hastors vor dem Landgericht Stuttgart um Schadensersatz in Höhe von 41,6 Millionen Euro. In Bosnien werden bereits erste Betriebe auf die Fertigung von Möbeln und Textilien umgestellt; Prevent-DEV-Chef Torsten Walter (52) hat seinen Hut genommen. Trotzdem bezeichnen die Hastors die schwierige Lage an der Kundenfront als "normalen Zyklus".

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