Mittwoch, 24. Mai 2017

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Klamme Airline Gestrandet

Air Berlin: Die gefährliche Abhängigkeit von Etihad
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Dirk Schleef für manager magazin

Der Krisenflieger Air Berlin manövriert sich immer tiefer in eine fatale Abhängigkeit von Etihad, dem Großaktionär aus der Wüste. Ist eine Sanierung von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft überhaupt noch möglich?

Hamburg - Einen wie ihn hatte Air Berlin Börsen-Chart zeigen noch nie. Jahrelang standen Männer mit ausgesprochenem Geltungsbedürfnis an der Spitze. Erst Joachim Hunold (63), den es zu Prominenz und Tingeltangel zog. Dann Hartmut Mehdorn (70), der so gern einmal als Großmanager anerkannt werden wollte. Und nun also das Kontrastmodell: Wolfgang Prock-Schauer (56).

Sein weißer Schopf steht locker in alle Richtungen, durch die dickrandige Brille lugt ein forschendes Augenpaar - der Mann könnte als Professor für Festkörperphysik durchgehen. Bescheiden tritt er auf, lächelt ungekünstelt; mit einem besonderen Charme, der sich schon beim ersten "Grüß Gott" offenbart, denn er kommt aus Österreich. Sein schwungvolles Idiom ist wohl seine schärfste Waffe. Sie gibt allem etwas Lässiges, Souveränes.

Wenn Prock-Schauer einwirft, er solle Air Berlin nicht nur sanieren, sondern "i muss", mit einem langgezogenen "u", dann klingt die Mission schon halb so dramatisch.

Gleichwohl zeigen seine Worte Wirkung bei den Anlegern: Als Prock-Schauer in einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag" verbreiten ließ, man habe bereits mehr als zwei Drittel des Sparziels für 2013 erreicht, machte die Aktie einen Satz nach oben - obwohl Analysten wie Jürgen Pieper weiterhin "keinen Grund zum Jubel" sehen. Doch Anleger erwarten nun einen Hoffnungsschimmer sehen, wenn die Airline am 15. August seine Quartalszahlen meldet - vor drei Monaten hatte Air Berlin noch einen Verlust von knapp 200 Millionen Euro für das erste Quartal 2013 gemeldet.

Rettungseinsatz als Himmelfahrtskommando

Die Sache ist bitterernst: Air Berlin verbrennt Geld. 2012 verlor die Fluglinie noch schneller an Substanz als im Horrorjahr 2011. Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Cashflow) verschlechterte sich von minus 137,4 Millionen auf minus 153,4 Millionen Euro. Und obwohl Prock-Schauer erst kurz nach Neujahr anfing, scheint schon jetzt durch, dass der Rettungseinsatz zum Himmelfahrtskommando wird:

  • Die Sparagenda "Turbine 2013" greift offenbar zu kurz, wichtige Projekte drohen zu scheitern.
  • Air Berlin verfolgt eine Strategie, die vor allem dem Großaktionär Etihad Airways nutzen soll, das Unternehmen selbst aber hemmt.
  • Die immer engere Kooperation mit dem arabischen Investor bugsiert das Unternehmen in eine fatale Abhängigkeit, die sich rächen könnte.

Die Frage, was der neue Vormann bei der Krisen-Airline bewegen kann, hängt eng mit dessen Chef zusammen. Dem Papier nach ist das der Chairman von Air Berlin, der frühere Metro-Chef Hans-Joachim Körber (66). Informell jedoch eher James Hogan (56), Chief Executive Officer von Etihad Airways.

Der wuchtige Australier ist die bestimmende Figur, seit Etihad, die staatliche Fluglinie von Abu Dhabi, groß bei Air Berlin einstieg. Hogan hat Gewaltiges im Sinn. Auf Geheiß des Herrscherhauses von Abu Dhabi will er das kleine Golf-Emirat in ein Welt-Luftdrehkreuz verwandeln. Ganz ähnlich, wie es nebenan in Dubai mit Emirates Airline gelungen ist. Am liebsten aber noch schöner.

Air Berlin ist dabei die Rolle als Zulieferer zugedacht. Die runde halbe Milliarde Euro, mit der Etihad bisher die Deutschen vor der Pleite bewahrt hat, soll sich schließlich einmal auszahlen.

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