Samstag, 16. Dezember 2017

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Red-Bull-Mann Manfred Hückel Der Top-Manager, der nebenbei Schulleiter ist

Manfred Hückel: Roter Bulle auf zwei Rädern
Fotos
Declan Fleming

Red Bulls Manfred Hückel über seinen Nebenjob als Chef des Nobelinternats St. Gilgen.

Das folgende Porträt stammt aus der Juli-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Der Mann, der das Bildungssystem revolutionieren will, trägt Jeans und weißes T-Shirt. Manfred Hückel (50), Vertriebschef des Brauseriesen Red Bull, steht auf dem Pausenhof seines Nobelinternats St. Gilgen, um ihn herum spielen Kinder Basketball, mit Schlips und Sakko, die Schuluniform. Dass hier überhaupt noch gespielt wird, verdanken die Schüler dem Mann im T-Shirt. Hückel hat St. Gilgen gemeinsam mit anderen Eltern gekauft. Jetzt hat der Topmanager einen Zweitjob: Schulleiter.

manager magazin: Herr Hückel, Sie kommandieren jetzt auch Lehrer, statt nur Getränkedosen zu verkaufen. Was ist passiert?

Manfred Hückel: Viele Manager kommen an einen Punkt, an dem sie der Gesellschaft etwas zurückgeben möchten. Ich habe mich da für die Bildung entschieden. Das normale Schulsystem ist zum Scheitern verurteilt. Zumindest was die Produktion von Spitzenkräften betrifft. Normale Schulen konzentrieren sich auf die Schwächen von Schülern, statt deren Stärken zu stärken. Dafür sind die Klassen viel zu groß. In St. Gilgen paddeln die Kinder über den Wolfgangsee, um ein ganz besonderes Licht für die Malstunde zu haben. So eine Schule durfte nicht untergehen.

Wäre sie fast. Golf, Yoga, Trekking auf der Seidenstraße - trotz Schulgebühren von bis zu 66.000 Euro jährlich ist Vorbesitzer HIG Capital krachend gescheitert.

Mein Sohn stand kurz vor dem Abschluss, als uns die Nachricht erreichte. Der Elternverein bat mich um Hilfe. Daraufhin haben wir mit einem kleinen Team von Red Bull rund um die Uhr an einem Businessplan für die St. Gilgen International School gearbeitet. Dank sechs Dosen am Tag habe ich maximal drei Stunden pro Nacht geschlafen.

Ursprünglich wollte Red Bull die Schule übernehmen.

Leider konnten wir uns mit dem Besitzer der Immobilie nicht einigen.

Also sind Sie eingesprungen, haben 5 Prozent gekauft und Millionen bei den Eltern eingesammelt, um eine Stiftung zu gründen, die den Rest hält. Das soll klappen?

Das ist weltweit einmalig - und ich hoffe, dass es Schule macht. Auch an anderen Lehranstalten ließe sich mit dieser Konstruktion ein gutes Umfeld für engagierte Lehrer schaffen.

Trauen die sich denn noch, Ihre Kinder zu tadeln?

Bevor wir Eigentümer wurden, waren wir Kunden. Ich wäre schon sehr enttäuscht, wenn ein Lehrer unsere Kinder jetzt anders behandeln würde. Zumal wir keinen Lehrer entlassen oder Einfluss auf den Lehrplan nehmen können und wollen.

Ihr Businessplan sieht eine Rendite von 3 Prozent vor. Das ist Druck genug.

Wir haben 139 Schüler und liegen damit leicht über Plan. In drei, vier Jahren wollen wir auf 185 Schüler kommen, damit sind wir profitabel. So lange werde ich die Geschäfte ehrenamtlich leiten. Danach werden alle Einnahmen reinvestiert.

Wenn das so einfach wäre, hätte das HIG auch geschafft.

Die hatten andere Renditeerwartungen. Aber die Schule ist ein Premiumprodukt, es gibt in Österreich und Deutschland keine bessere. Wir müssen nur der Welt davon erzählen und die Kosten optimieren.

Damit kennen Sie sich ja aus.

Wir haben ein Imagevideo gedreht, das in der ersten Woche über 60¿000-mal geklickt wurde. Das wäre sogar für Red Bull ein guter Wert.

Sie haben die Studiengebühren gesenkt, trotzdem bleiben die mit einem jährlichen Maximalbeitrag von 54.500 Euro sportlich.

Viel günstiger geht es nicht. Wir wollen Perfektion in jedem Detail. Der Fußballtrainer hat Bundesligaerfahrung, der Basketballcoach hat in der NBA gespielt, der Bergführer besteigt mit den Kindern den Mont Blanc. Zur Integration der verschiedensten Einkommensklassen und Kulturkreise haben wir neue Stipendien geschaffen. Ein begabtes syrisches Flüchtlingskind ist bereits da. Langfristig wollen wir so 20 Prozent der Schüler einen Platz anbieten.

Sie lehren selbst an Universitäten. Sind Sie der Exot bei Red Bull?

Ich fühle mich eher als Dinosaurier, weil ich seit über 20 Jahren dazugehöre. Bildung fasziniert mich. Ich lehre in St. Gallen, Wien und demnächst vielleicht in Leipzig. Das hält mich jung und nutzt dem Nachwuchs bei Red Bull. Den lade ich stets zu den Lehrveranstaltungen ein.

Sie sind wahrscheinlich der erste Dino, der Triathlet ist.

Früher habe ich Handball und Fußball gespielt, meine Kinder haben mich zum Reiten und Triathlon gebracht, bei beidem bin ich recht talentfrei. Vergangenes Jahr habe ich in Österreich meinen ersten Ironman absolviert. Jetzt will ich noch einmal in Hawaii ins Ziel kommen.

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