Freitag, 20. Juli 2018

Iris Epple-Righi (Escada) und Pier Paolo Righi (Karl Lagerfeld) So lebt und arbeitet das mächtigste Liebespaar des deutschen Modezirkus

Powerpaar Iris Epple-Righi und Pier Paolo: "Jetzt kriegen Sie alle Details"
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Das CEO-Paar des deutschen Modezirkus: Iris Epple-Righi (Escada) und ihr Mann Pier Paolo (Karl Lagerfeld) über gegenseitiges Coaching, heilige Wochenenden und Waschzwang.

Das folgende Porträt stammt aus der September-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Sie trägt ein schwarzes, ärmelloses Kleid von Escada, er einen Slimfit-Anzug von Karl Lagerfeld mit Poloshirt, Wildlederschuhe ohne Socken, alles in Erdnuancen. Sie ist CEO von Escada. Er ist CEO von Karl Lagerfeld. Gemeinsam sind sie das Powerpaar der Modebranche - und führen eine Beziehung mit Hindernissen. Beide gleichzeitig zu treffen ist nicht einfach. Statt des Lofts in Amsterdam fällt die Wahl kurzfristig auf das Apartment in München-Bogenhausen. Zum Gespräch über Konkurrenzdenken und das erste Date gibt es Espresso und Obsttörtchen von Feinkost Käfer.

manager magazin: Sie gelten als das Powerpaar der Mode. Wer von Ihnen hat denn mehr Power?

Pier Paolo Righi: Powerpaar? So sehen wir uns nicht. Unsere Beziehung ist eine planerische Herausforderung. Sie arbeitet in München, ich in Amsterdam, wir sind beide ständig unterwegs. Da braucht ein gemeinsames Abendessen einiges an Anstrengung.

Sie sind beide einflussreiche CEOs in derselben Branche - stehen Sie nicht auch miteinander in Konkurrenz?

Pier Paolo: Aus heutiger Sicht: nein.

Iris Epple-Righi: Ich bin retail- und produktorientiert, Piers Stärken sind Sales und Marketing. Wir ergänzen uns eher. Jeder coacht den anderen.

Klingt so, als dominiere der Job auch das Privatleben.

Iris: Nein, es ist ja nicht so, dass wir uns am Abend treffen und irgendwelche Firmenreports austauschen. Andererseits: Wenn mein Mann Pilot wäre, wüsste ich nicht, ob man dann auch dieses gegenseitige Verständnis aufbringen würde.

Herr Righi, Sie expandieren mit Ihrem Unternehmen, Ihre Frau muss konsolidieren. Wer hat den schwierigeren Job?

Iris: Ich glaube, ich habe an manchen Stellen den einfacheren Job als mein Mann.

Eine Firma vor der Pleite zu retten?

Iris: Als CEO haben Sie immer eine hohe Verantwortung, es hängen immer Schicksale und Menschen von einem ab. Manchmal hat man schlaflose Nächte. Dann reden mein Mann und ich. Ich sehe aber für Escada wahnsinnig viele Chancen.

Was haben Sie mit Escada vor?

Iris: Escada steht sehr stark für Abendkleider. Das ist auch gut so. Aber wir wollen mit der Frau gehen. Also: ebenso einen Mantel wie eine Daunenjacke oder einen Kaschmirpullover anbieten. Bislang hat man sich schwergetan, das bei Escada zu finden. Das gibt es jetzt. Außerdem setzen wir auf Accessoires wie Schuhe und Handtaschen. Da sehe ich Riesenpotenzial.

Bei Karl Lagerfeld gibt es alles, von Parfüm über Schmuck bis zu Sonnenbrillen - und bald sogar ein Hotel auf Macau. Warum hat das Label in der Vergangenheit nie richtig funktioniert?

Pier Paolo: Damit habe ich mich nicht so richtig beschäftigt. Zum Zeitpunkt des Neustarts kam ich von Nike und habe mich mit Karl hingesetzt, um die Marke zu positionieren. Die Attribute waren schnell klar: Da muss ein ironisches, ein Spaßelement sein. Wir kooperieren mit Street-Artists, die Karl gut findet, wir nehmen das in die Kollektion rein. Die Marke ist näher dran an Karl, als sie es je war. Deswegen ist sie glaubwürdiger.

Von wie viel Umsatz sprechen wir denn inzwischen?

Pier Paolo: Wir veröffentlichen keine Geschäftszahlen. Nur so viel: Wir sind letztes Jahr um 30 Prozent gewachsen, dieses Jahr wieder um 30 Prozent. Wir sind vergangenes Jahr in den US-Markt eingestiegen. Das war sehr erfolgreich. Unser Ziel waren 25 Millionen Wholesale-Umsatz. Dann hat unser Partner im ersten Jahr 50 Millionen gemacht. Sein Orderbook ist doppelt so groß wie letztes Jahr.

Mittagessen mit Karl, um die Welt fliegen, von schönen Dingen umgeben sein - wie glamourös ist Ihr Geschäft?

Pier Paolo: Viel weniger, als es sich Lieschen Müller vorstellt.

Iris: Ich habe Freundinnen, die sagen: "Oh, hast du ein tolles Leben." Andere sagen: "Du bist ja echt eine arme Sau. Schon wieder unterwegs." Wie oft sind wir in einer tollen Stadt! Ich war 50-mal in New York, aber ich war noch nie auf der Freiheitsstatue, dazu habe ich keine Zeit. Vorletzte Woche war ich für 24 Stunden in Tokio. Ich glaube nicht, dass mich da irgendeiner drum beneidet! Man sitzt da wie Falschgeld.

Sie sind jetzt zehn Jahre verheiratet. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Pier Paolo: Bei einem Geschäftstermin. Iris war bei Breuninger und ich bei Nike.

Hat es da gleich gefunkt?

Pier Paolo: Hat es, aber nicht im positiven Sinne ...

Iris: Du sollst nicht alles erzählen.

Pier Paolo: Wir hatten ein konstruktives Streitgespräch über ein Sachthema.

Turnschuhe?

Pier Paolo: In der Tat. Es ging um die Auslieferung eines neuen Schuhs, der nicht zeitgerecht bei Breuninger war.

Sie haben den Weltkonzern Nike unter Druck gesetzt, Frau Epple-Righi?

Iris: Ich hatte den Schuh schon bei der Konkurrenz gesehen. Das war nicht okay.

Pier Paolo: Nachdem ich im Gespräch nicht so konziliant war, habe ich sie am nächsten Tag angerufen und zum Abendessen eingeladen, in Stuttgart.

Iris: Da hat es dann gefunkt.

Wer hat wem den Antrag gemacht?

Pier Paolo: Ich, in Südafrika nach einer Wanderung auf den Lion's Head. Da habe ich meine Frau hochgequält bei fast 40 Grad ...

Iris: ... jetzt kriegen Sie echt alle Details.

Pier Paolo: Ich hatte eine Flasche Champagner dabei und den Verlobungsring. Sie wusste nicht, um was es geht, hat sich dann aber riesig gefreut.

Wie oft sehen Sie sich?

Pier Paolo: Jede Woche.

Iris: Die Wochenenden sind heilig!

Wie sind bei Ihnen die Rollen verteilt?

Pier Paolo: Wir sind da sehr partizipativ.

Iris: Das Waschen übernehme aber ich. Ich wasche irre gern.

Pier Paolo: Meine Frau hat eine Waschobsession.

Und wer kocht?

Iris: Wenn es um Bolognesesoße geht, muss er ran; er macht die beste der Welt!

Pflegen Sie gemeinsame Hobbys?

Pier Paolo: Wir gehen gern Skifahren. Meine Frau auf dem Brett als Snowboarderin. Und wir reisen sehr gern.

Trotz der Menge an beruflichen Terminen?

Iris: Ja, wir sind am Wochenende auch viel unterwegs.

Führen Sie ein Leben aus dem Koffer?

Iris: Der Kulturbeutel ist bei uns immer gepackt, also ready to go. Wir reisen zu 99 Prozent nur mit Handgepäck.

Da es Ihnen Spaß macht zu waschen, brauchen Sie ja auch nicht viel.

Pier Paolo: Genau. Bei uns wird auch im Urlaub viel gewaschen.

Iris: Die Headline lautet nachher: Sie wäscht gern.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Partner?

Iris: Das ist ja wie bei einer Partnerschaftsberatung.

Pier Paolo: Wow. Okay. Huh! Jetzt Heißer Stuhl.

Iris: Ich muss mich bei ihm einfach nicht verstellen.

Pier Paolo: Ich finde es schön, dass mich meine Frau um meiner selbst willen liebt. Es würde keine Rolle spielen, wenn ich beruflich etwas anderes machen würde. Das macht es total unaufgeregt.

Gibt es Klassiker, worüber Sie streiten, die berühmte Zahnpastatube?

Pier Paolo: Meine Frau findet, dass ich zu schnell Auto fahre.

Können Sie Ihren Partner in drei Wörtern beschreiben?

Iris: Passionate. Positive. Pier.

Pier Paolo: Oh my Goodness. Ich komme da sicherlich nicht mit so was Kreativem um die Ecke. Also: Positive, Caring und Beautiful. Sie ist so wunderbar fürsorglich!

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