Dienstag, 21. November 2017

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Didier Leroy - ein Franzose ist der Taktgeber der Japaner Toyotas Special Agent

Didier Leroy
Ole Schleef für manager magazin
Didier Leroy

Der Franzose Didier Leroy muss Japans Autokonzern in die Zukunft führen.

Das folgende Porträt stammt aus der Mai-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Der Anfang war Neugier. "Meine Frau hat mich damals gefragt, warum ich ausgerechnet zu Toyota Börsen-Chart zeigen wechseln will", erzählt Didier Leroy (59). Renault sei doch auch nicht schlecht, habe sie gesagt. Produktionschef einer noch im Bau befindlichen Fabrik in der französischen Provinz zu werden, schien ihr dagegen eher abenteuerlich.

"Ich will wissen, wie die das schaffen", antwortete Leroy. Immer wieder hatte er versucht, Toyotas damals legendäres Produktionssystem nachzubauen - und war dabei gescheitert.

1998 war das. Heute, 19 Jahre später, ist Leroy nicht nur der erste Ausländer im Kernvorstand des 2016 bestverdienenden Autoherstellers der Welt. Konzernchef und Familienstammhalter Akio Toyoda (60) erfand sogar eine neue Position für ihn: "Chief Competitive Officer", und dazu seit 1. April 2017: Präsident "Business Planning & Operation".

Ist er jetzt der operative Chef?

"Akio Toyoda hat zu mir gesagt: ,Wenn Sie ein Problem sehen, greifen Sie ein. Egal in welchem Bereich, egal in welcher Region und egal wem gegenüber. Ihr Wort zählt!'"

Das hat Wumms. Ein Franzose soll Toyota rocken, ausgestattet mit einer Blankovollmacht des Chefs. Rund sechs Millionen Euro überwies Toyota seinem bestbezahlten Vorstand für das Jahr 2016.

Dabei wirkt Didier Leroy ziemlich unscheinbar. Kaum größer als die japanischen Kollegen, unauffällig gescheitelt, freundlich und stets eine Toyota-Weisheit auf den Lippen, etwa die, dass ein Unternehmen schön langsam wachsen solle "wie ein Baum; jedes Jahr ein Ring, abhängig von Wetter und Boden mal dünner, mal breiter".

Mit solchen Lehrbuchsprüchen allein hätte Leroy sich allerdings kaum durchgesetzt. Er hat das Werk in Valenciennes zu einer Vorzeigefabrik gemacht, er hat das schwache Europa-Geschäft trotz sinkender Absatzzahlen auf Profit getrimmt, und er war im Hintergrund eine der Schlüsselfiguren in den ersten Jahren Akio Toyodas. Der Urenkel von Konzerngründer Sakichi Toyoda hatte dem Autobauer nach einer zu rasanten Wachstumsphase 2009 eine Rückbesinnung auf traditionelle Firmenwerte wie Bescheidenheit verordnet.

Wenn Sie ein Problem sehen, greifen Sie ein. Ihr Wort zählt!"

Konzernchef Akio Toyoda zu Didier Leroy

Und was erwartet der japanische Autoboss als Nächstes von Leroy?

"Toyota muss fit werden für die Autowelt der Zukunft. Wir müssen schneller und effizienter werden, wir müssen für die weltweit unterschiedlichen Märkte die richtigen Autos entwickeln. Dafür bin ich verantwortlich."

Übersetzt in die Konzernkästchendenke heißt das: Leroy ist gleichzeitig Produktions- und Vertriebschef und er baut gemeinsam mit Akio Toyoda die Organisation weiter um.

Künftig basiert das Toyota-Sortiment im Wesentlichen auf vier Modellreihen, hinzu kommen die Bereiche Entwicklung, Antriebe und Services; seit April ist das alles global aufgehängt bei Leroy.

Eine derartige Machtfülle eines Managers unterhalb des Vorstandschefs hat es bei Toyota bisher nicht gegeben. Doch Akio Toyoda versteht sich mehr als oberster Stratege denn als operativer CEO. Seinen Vorstand hat er gerade erst auf vier Mitglieder verkleinert, die Führung soll schlagkräftiger werden - und die regionalen Statthalter zu mehr Eigenverantwortung erziehen. "Sonst sind wir nicht schnell genug", sagt Leroy.

Toyota hat im vergangenen Jahr zwar rund 100.000 Autos und Lkw weniger verkauft als Volkswagen, überflügelt die Deutschen allerdings bei der Gewinnmarge: Die lag zuletzt bei 10 Prozent.

Didier Leroy muss Toyota also nicht stark machen, sondern stark halten; und das trotz Milliardeninvestitionen in Car-sharing, Elektromobilität ("Da hat uns die schnelle Entwicklung überrascht"), autonomes Fahren. All das wird auf die Margen drücken, und das Risiko teurer Fehlentscheidungen wächst. Das heißt: Leroy muss die Profitabilität im klassischen Geschäft absichern, solange es läuft.

Wie eng der Draht zu Akio Toyoda ist, darüber mag Leroy nicht reden. Nur so viel verrät er: Ein bis zwei Wochen pro Monat verbringt er in Japan, dazwischen telefoniert er mit Toyoda, fast täglich.

Umgezogen ist er während seiner Zeit bei Toyota nicht. Weder in die Europa-Zentrale nach Brüssel noch nach Japan. Akio Toyodas Special Agent lebt weiter mit seiner Frau ("Sie hat das Türschloss nicht ausgetauscht") im französischen Lille. Fast wie früher.

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