Sonntag, 19. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Vater des BMW i8 Carsten Breitfeld - der Mann für Chinas E-Auto-Offensive

Carsten Breitfeld, CEO/Co-Founder von Future Mobility Corporation (FMC)
Ole Schleef für manager magazin
Carsten Breitfeld, CEO/Co-Founder von Future Mobility Corporation (FMC)

Der Vater des BMW i8 will mit chinesischem Geld das Auto neu erfinden.

Das folgende Porträt stammt aus der April-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Carsten Breitfeld (53) ist heiser. Kein Wunder bei dem Pensum an Reisen durch Zeit- und Klimazonen. Er pendelt ständig zwischen Hongkong, Silicon Valley und München. Bei BMW Börsen-Chart zeigen, wo er der Vater des i8 war, hatte er es etwas geruhsamer. Da konnte er nach einer arbeitsreichen Woche in München am Wochenende auf seinem Boot am Gardasee relaxen.

Doch Breitfeld ist nicht mehr bei BMW. Er arbeitet seit gut einem Jahr als CEO und CTO beim Elektroautobauer Future Mobility Corporation (FMC), einem chinesischen Start-up mit drei Standorten in Hongkongs Nachbarstadt Shenzhen, im Silicon Valley und vor den Toren Münchens.

Ein schmuckloses Gebäude im Gewerbegebiet von Ismaning. Keine Hausnummer, kein Logo, aber ganz große Ambitionen. Breitfeld will das Auto neu erfinden, es soll zum fahrenden Wohn- und Arbeitszimmer werden und auch gar nicht mehr so aussehen wie gewohnt. "Die Batterien kommen unten rein, die A-Säule schieben wir nach vorn. Unsere Kernkompetenz ist der Innenraum", erklärt Breitfeld selbstbewusst.

Ein solches Denken wäre in einem klassischen Autokonzern, wo nach wie vor dem Motor gehuldigt wird, ketzerisch. Bei FMC ist es erwünscht. Hinter FMC stehen die chinesischen Giganten Tencent und Foxconn. Die beiden Gründerchefs Pony Ma und Terry Gou ("ihn traf ich in seiner Privatwohnung in Taipeh") seien "Leute mit Visionen", sagt Breitfeld. Und mit viel Geld, das nicht nur seinen Gehaltszettel verschönert, sondern es ihm auch leicht macht, Leute einzukaufen.

Über 100 Mitarbeiter hat er inzwischen zusammen, zum Jahresende sollen es 800 bis 1000 sein. "Die erste Ebene steht", sagt Breitfeld, "auf der zweiten Ebene sind die Schlüsselpositionen besetzt." Leute von Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW und Tesla Börsen-Chart zeigen sind dabei, aber auch Softwareentwickler, Innenarchitekten und Unterhaltungselektroniker.

2019 soll die Produktion im chinesischen Nanjing anlaufen. Jahreskapazität zunächst 150.000 Stück, ausbaufähig auf 300.000. Ab Mitte 2017 startet eine globale Werbekampagne. Das Auto, das ein Cross-over werden soll und mindestens 40.000 Dollar kostet, hat bereits Konturen. Breitfeld erlaubt einen kurzen Blick in das Münchener Designstudio. Dort stehen zwei fast eiförmige Modelle, von grauem Tuch umhüllt.

Draußen parkt ein einsamer BMW X5, Breitfelds derzeitiges Auto, aber eigentlich schon Vergangenheit.

© manager magazin 4/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH