Montag, 21. Januar 2019

Abenteuerreisen de luxe Alphatiere im Gelände

Einfach abheben: Vom Puma-Chefsessel in den Propellerflieger - Jochen Zeitz liebt Kenia und betreibt dort eine eigene Ökolodge
David Crookes
Einfach abheben: Vom Puma-Chefsessel in den Propellerflieger - Jochen Zeitz liebt Kenia und betreibt dort eine eigene Ökolodge

Immer mehr Manager wollen im Urlaub nicht nur faul am Strand herumliegen. Sie suchen nach dem Authentischen, dem ganz besonderen Kick. Dafür müssen sie auf den gewohnten Luxus nicht mal verzichten.

Hamburg - Der perfekte Moment. Zwischen vier und acht Uhr morgens, das ganze Schiff liegt im Tiefschlaf, und nur er ist auf Deck. Ankerwache. Die Arktis schimmert im Licht des Polarsommers, vor dem Bug erkennt er die Umrisse Spitzbergens. Manchmal zieht ein Eissturmvogel vorbei. Ansonsten geschieht - nichts.

In solchen Momenten könne man denken, man sei allein auf der Welt, sagt Stefan Lunk. Und genau deshalb ist er hier.

Lunk ist alles Mögliche, Partner der Anwaltskanzlei Latham & Watkins mit repräsentativem Büro an der Hamburger Außenalster, Lehrbeauftragter für Arbeitsrecht an der Universität Kiel, verheiratet, Vater von zwei Kindern. Aber jetzt ist er nur der Mann, der Wache hat, der, auf den es ankommt. Der einzelne Mensch in der unendlichen Weite der Arktis: Lunk will nicht gleich gefühlig werden. Aber so eine Fahrt ins ewige Eis sei eben doch, nun ja, "faszinierend".

Bevor er im vergangenen Juli mal wieder losfuhr, deponierte er zwei handbeschriftete Umschläge im Büro: "falls ich nicht zurückkomme, bitte vernichten". Packte seine gelbe Jack-Wolfskin-Kutte ein, verabschiedete sich von Frau und Kindern, dann ging er an Bord des über 80 Jahre alten Expeditionsseglers "Dagmar Aaen" des Polarexperten Arved Fuchs, mittlerweile ein Freund von ihm.

Ein Ausgleich zum strukturierten Leben

Sechs Wochen auf See, Fuchs und Lunk und ein paar andere, darunter der kanadische Besitzer einer Kochschule, der an Bord den Smutje gab. Das eigentliche Ziel, eine Erkundungsfahrt ins russische Franz-Joseph-Land, mussten sie auf Intervention von Putins Grenzpatrouillen aufgeben. Stattdessen Spitzbergen.

Die Mannschaft registrierte Gletscherdicke und Tierbestände, meldete Luft- und Wasserdaten an den Deutschen Wetterdienst und flüchtete vor hungrigen Eisbären. Wissenschaft und Abenteuer - für den Arbeitsrechtler Stefan Lunk sind die Nordmeertrips der beste Ausgleich zum "straighten und strukturierten Leben, das ich sonst so führe".

Aufbrechen ins Unbekannte, raus aus der abgeschirmten Welt der klimatisierten Konferenzräume, Businessclassflüge und Dienstwagen. Ein paar Tage, ein paar Wochen echtes Leben, an seine Grenzen gehen - und auch ein bisschen den First-Mover-Kick spüren, die Trophäe, irgendwo auf der Welt der Erste zu sein, der einen Ort noch halbwegs im Urzustand und vor der Masse entdeckt. Manche, wie Lunk, machen das auf die harte Tour, spartanisch, in einer winzigen Kajüte; andere brauchen am Ende des Tages dann doch wieder die Luxuslodge mit Champagner und Silberbesteck. Alles geht.

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