Mittwoch, 14. November 2018

Designer Thom Browne Guter Mann in Hotpants

Thom Browne: Hochwasserhosen und Schrumpfjacketts
Evan Kafka für manager magazin

2. Teil: Keine Probleme bei Hochwasser

Browne sieht aus wie ein Mann vor vielen Jahren oder wie einer aus einem alten Film. Scheint auch ein zäher Hund zu sein ohne viele weiche Stellen, auf die man drücken könnte: war Schwimm-Ass im College, läuft jeden Morgen acht Meilen auf dem Band, in seinem Marathon-Rekordbuch sind 2:52 Stunden notiert. Er duftet nach Mitternachtsnarzisse. Aber das kann auch nur Einbildung sein.

Ja, logisch, mit dem Echo auf seine Schau am Montag war er ganz zufrieden: "Lief prima, wir hatten richtig gute Rückmeldungen." Aber eigentlich seien die Leute bisher jedes Mal ganz zufrieden mit seinen Arbeiten gewesen. "Alle meine Shows liefen praktisch so."

Browne trägt seine Standardmontur: Hemd (ungebügelt), Schlips (schmal), Hose (knöchelfrei), dazu Budapester. Alles eigene Herstellung und mit dem rot-weiß-blauen Streifenlogo versehen, das so aussieht wie die Flagge von Holland. Um die 5000 Dollar trägt er am Leib. Er macht Luxusmode, aber er ist kein Luxusheini.

Umjubelt, gefeiert und als der berühmteste Modemacher bekannt, von dem die wenigsten je gehört hatten, war Browne bis vor drei Jahren ausschließlich in der Männermode unterwegs gewesen. Wenngleich von Fachgrößen zu den Besten auf seinem Gebiet erkoren, als Bahnbrecher und Umwälzer verherrlicht und für die handwerkliche Qualität seiner Kreationen beneidet, ist die Herrenmode dennoch ein Gewerbezweig, der wenig öffentliches Interesse erregt.

Michelle Obama mache Browne zum Spitzenstar

Vor drei Jahren dann hatte Browne seinen Geltungsbereich auf die Damenwelt ausgedehnt - und am 21. Januar dieses Jahres gleich weltweite Aufmerksamkeit erlangt: als die Erste Dame des Staates, Michelle Obama, am Tag der Amtseinführung ihres Mannes einen Seidenmantel der Marke Thom Browne trug, ein Einzelstück, marineblau kariert. Und augenblicklich war der Kult-Couturier zum Spitzenstar der Modewelt aufgewölkt und hochgeschraubt.

Wer nun freilich erwartet hatte, dass Browne auf seiner Premierenschau drei Wochen später die Gunst der plötzlichen Attention nutzen und sich dem Massengeschmack anbiedern würde, sah sich getäuscht. "Klar, es ist schön, wenn die Leute mögen, was man tut", sagt er. "Aber ich tue nichts, um gemocht zu werden."

Aus Allentown, Pennsylvania, gebürtig, dem Bauernland der Amish-Leute westlich von New York, entstammt Browne einer (katholischen) Familie von Bankleuten und Juristen. Mutter und Vater waren Anwälte. Fünf seiner sechs Geschwister sind selbst welche; nur Marybeth arbeitet als Chirurgin in Chicago.

Thom(as) studierte Wirtschaftswissenschaft in Indiana, machte sogar seinen Abschluss - und zog nach Los Angeles, um Schauspieler zu werden. Seine größte Rolle hatte er in einem Werbefilm für das Schmerzmittel Motrin, wo er als Läufer mit Seitenstichen zu sehen war.

Zermürbt vom ewigen "Casual Friday" Hollywoods, experimentierte er mit Secondhand-Anzügen, die er in Maschinen wusch, in Trocknern schrumpfte, ein- und umnähte - auf der Suche nach der Silhouette der 50er und 60er Jahre. Er wollte so "cool" aussehen wie John F. Kennedy oder wie Steve McQueen. "Ich habe damals angefangen, so ziemlich das Gleiche zu tragen wie heute."

1997 zog er nach New York, arbeitete als Verkäufer für Giorgio Armani und erhielt schließlich die Chance, für Club Monaco, einen Ableger von Ralph Lauren, Hosen und Oxfordhemden im Ivy-League-Stil zu entwerfen. Vier Jahre später eröffnete er seinen eigenen Spezialbetrieb: um Flanellschrumpfanzüge aus feinsten Stoffen und auf meisterliche Weise schneidern zu lassen.

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