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27.03.2013
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Alzheimer-Forschung
Goldener Schuss

Von Dietmar Palan

Alzheimer: Forscher, Investoren und Prognosen
Fotos
Dirk Schleef für manager magazin

Pharmakonzerne und Biotech Start-ups liefern sich ein spektakuläres Rennen um das erste Alzheimer-Medikament. Dem Gewinner winken Milliardenprofite. Eine Reportage über die Jäger des größten Schatzes der Medizin.

Hamburg - Zögerlich setzen sich die kleinen Beine der Maus in Bewegung, um dann nach wenigen Augenblicken schnell wie die Nadel einer Nähmaschine auf den Boden zu trommeln. Wieder ein paar Sekunden später stoppt das Tier abrupt, hebt verwirrt den Kopf, senkt die Nase nach unten, hebt sie wieder, dreht sich im Kreis, ein paar Tapser zurück, ein hektischer Blick nach links, dann nach rechts, ein paar ziellose Schritte vor, ein paar zurück, wacklig, schwankend, unsicher. So geht das 5, 10, 15 Minuten.

Am Ende gibt die Maus auf, liegt apathisch am Boden. Die Futterdepots, die nur ein paar Gänge weiter in der Versuchsanordnung liegen, bleiben unentdeckt. Die Stoffreste, aus denen sie ihr Nest hätte bauen sollen, liegen verstreut in einer Ecke des kleinen Labyrinths, das Hansruedi Lötscher und Bernd Bohrmann in ihrem Labor auf dem Firmengelände des Baseler Pharmakonzerns Roche Chart zeigen gebaut haben.

Noch ein paar Wochen zuvor hatte das gleiche Tier die Strecke rasend schnell bewältigt, die ausgestreuten Brocken restlos eingesammelt und die Tuchfetzen geschickt zu einem kleinem Bau zusammengefügt.

Zwischen den beiden Testläufen hatten die Chemiker die Genstruktur des Tieres gründlich verändert. In den folgenden Wochen lagerten sich langsam, aber unaufhörlich winzig kleine Eiweißklumpen im Gehirn des Versuchstieres ab. Wie Ruß aus einem Schornstein legten sich die Partikel auf die Neuronen und lösten damit ein regelrechtes Massensterben aus.

Molekulare Putzkolonnen

Im Zeitraffer hatten die Baseler Wissenschaftler eine molekulare Katastrophe heraufbeschworen, die im Kopf eines Menschen Jahrzehnte braucht, um ihre zerstörerische Kraft zu entfalten und die zur Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts zu werden droht: Morbus Alzheimer. Eine quälend langsame Implosion des Gehirns, die das Gedächtnis auslöscht, die Persönlichkeit zerstört und schließlich unweigerlich zum Tod führt.

Der zweite Teil der Versuchsanordnung beim Pharmariesen Roche soll nun in der gleichen Geschwindigkeit das Experiment noch einmal rückwärts ablaufen lassen. Der Maus werden Antikörper gespritzt, die sich an die toxischen Eiweißteilchen heften sollen, um sie dann wie eine molekulare Putzkolonne aus den Blutgefäßen im Inneren des Mäusekopfs herauszuwaschen.

Wenige Wochen später liegt das Gehirn des Labortieres, zerlegt in tausendstel Millimeter dünne Scheiben, vor Lötscher und Bohrmann auf den Objektträgern ihrer Mikroskope. Zu sehen bekommen die beiden - nichts. Die hochaggressiven Eiweißpartikel sind völlig aus den Hirnproben verschwunden.

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