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20.02.2013
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Audi S7 im Fahrtest
Das Windspiel

Von Michael O. R. Kröher

Testfahrt mit dem Audi S7: Schlanker Renner
Fotos
Dirk Bruniecki für manager magazin

Das Sportback-Design des Audi S7 erscheint Anders Thomas schlank und edel. Für das manager magazin testete der Manager der Nymphenburger Porzellanmanufaktur begeistert die Gadgets der großen Sportlimousine. Als Dienstwagen kommt sie für ihn trotzdem nicht in Frage.

München - Vor der Probefahrt plagt Anders Thomas vor allem eine Sorge: Audis große Sportlimousine erscheint ihm "zu leistungsbetont, zu üppig ausgestattet, zu teuer". Somit könnte der Testwagen "unpassend wirken für den angestellten Manager eines Familienunternehmens". So kategorisiert der 36-Jährige die traditionsreiche Nymphenburger Porzellanmanufaktur, deren Geschäfte er für die Gesellschafter aus dem Kreis der Wittelsbacher Prinzen seit gut einem Jahr führt.

Demonstrative Demut und Bescheidenheit der Firmenleitung mag ihre Wirkung entfalten bei den 75 tariflich bezahlten Mitarbeitern. Die Klientel der Manufaktur, "darunter sämtliche regierenden Königshäuser der Welt" (Thomas), orientiert sich vermutlich anders. Sie ordert Porzellan mit Gold- oder Platinornamenten, bestellt eigene Farbpigmente für ihre Familienwappen und lässt sich ein Tafelservice für 20 Personen schon mal eine halbe Million Euro kosten.

Insofern würde man beim Hersteller derartiger Preziosen eher einen Maybach oder einen Rolls-Royce als Dienstwagen vermuten. Thomas hingegen nutzt derzeit jene "Modelle der oberen Mittelklasse", die ihm "ein Autovermieter zu günstigen Bedingungen überlässt".

Doch kaum ist der ehemalige Finanzmarktspezialist vom Werksgelände am Nymphenburger Königsschloss abgebogen, probiert er schon ein "Gadget" nach dem anderen aus, wie er den Totwinkelwarner, das Nachtsichtgerät und die vielen anderen Assistenzsysteme des Testwagens nennt.

Vor allem die Abstandsautomatik hat es Thomas angetan. Sie lässt den Audi souverän durch den dichten Münchener Verkehr gleiten, wahrt die Sicherheitsdistanz zum Vordermann und beschleunigt auf die zuvor programmierte Geschwindigkeit, sobald die Fahrspur wieder frei ist. Für Thomas, der sich als "nur mäßig begabt fürs Multitasking" beschreibt, bietet die Technik "eine enorme Erleichterung, etwa beim Telefonieren über die Freisprechanlage".

Der schnittige Windhund eignet sich nicht als Dienstwagen

In der Stadt nutzt der Tester das "Efficiency"-Programm für Motor und Getriebe. Der Spritverbrauch des V8-Benzindirekteinspritzers sinkt dennoch nicht unter 12 Liter auf 100 Kilometern. Da kann Thomas ebenso gut zu "Dynamic" wechseln, sobald auf der Autobahn nach Garmisch das Tempolimit fällt. Nun lässt sich das volle Leistungspotenzial der Sportlimousine abrufen.

Das heißt: Die Turbomaschine dreht bis weit über 6000 Touren, die Automatik wechselt die Stufen mit deutlichem Zwischengasknall, und wenige Wimpernschläge später ist der S7 am Tempolimit der Winterreifen von 240 Stundenkilometern angelangt. Tester Thomas hätte gern noch weiter beschleunigt. Immerhin lobt er, dass Wind- und Abrollgeräusche innen ausgeblendet bleiben.

Auf dem nassen Asphalt der Landstraße zwischen Starnberger und Ammersee spielen permanenter Allradantrieb und straff eingestellte Luftfederung des S7 ihre Vorzüge aus. An das deftige Drehmoment der Sportlimousine, sagt der Tester, könnte er sich "schnell gewöhnen", zumal es schon ab 1400 Motorumdrehungen verfügbar ist.

Zurück am Nymphenburger Schlossrondell, zieht Thomas Bilanz: "Ein rundum schönes Auto". Vor allem das Fließheck sei "so elegant gezeichnet wie die edelsten unserer Geschirre" - und so schnittig wie ein Windhund.

Als Dienstwagen zieht er den Audi S7 dennoch nicht in Betracht: Bei Kundenbesuchen präsentiert der Geschäftsführer gern Teile seines Porzellansortiments. Die passen nicht unter den schicken Schräghintern, der bei Audi Chart zeigen sittsam "Sportback" heißt. Thomas bedauert: "Einer wie ich kommt um einen Kombi nicht herum."

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Steckbrief

mm-Kritik: Wegen ihres schlanken "Sportback" sind die 7er-Modelle für viele Experten die schönsten Audis. Die neue Zylinderabschalttechnik des S7 arbeitet unauffällig; kein Insasse dürfte registrieren, wenn bei wenig Leistungsbedarf vier Zylinder stillliegen. Der Spritspareffekt ist jedoch dürftig, der Zweitonner bleibt durstig.

Technik: V8-Turbobenziner mit 420 PS/309 kW; Spitze: 250 km/h (abger.), CO2-Emission 225 g/km.

Preis: ab 79.900 Euro.

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