Mittwoch, 15. August 2018

BASF Der Crack(er)

BASF: Die jüngsten Deals, die wichtigsten Köpfe
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5. Teil: Geschäft mit hochspezialisierten Chemikalien

Beispiel Batteriechemikalien: Vorläufig ist der angekündigte Aufbau dieses Geschäfts ein reiner Hoffnungswert. Zu ungewiss ist die Zukunft der Elektromobilität. Allein 2012 hat die Bock-Truppe drei Firmen mit Spezialwissen gekauft. Man will sich als Zulieferer für Batteriehersteller qualifizieren. Bock spricht von einem "dicken Brett", verweist aber darauf, dass die BASF auch in der Vergangenheit immer wieder in Produkte investiert habe, für die es erst fünf oder zehn Jahre später einen wirklichen Markt gegeben habe.

Die größte Herausforderung der BASF aber besteht darin, einen neuen Geschäftszweig stark zu machen, mit dessen Aufbau Hambrecht begonnen hatte. Dabei geht es um hochspezialisierte und stark anwenderbezogene Chemikalien. Bocks Programm sieht vor, bis zum Jahr 2020 damit mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes zu bestreiten.

Allerdings handelt es sich im Gegensatz zur angestammten Basischemie, mit welcher der Konzern wegen seiner ausgetüftelten Verbundproduktion hohe Gewinnspannen erzielt, um ein sehr kleinteiliges Geschäft. In etlichen Fällen mangelt es an Marktmacht und Skaleneffekten. Auf dem Sektor der Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Pharmasubstanzen zum Beispiel erzielt die BASF bislang lediglich rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht nicht einmal 3 Prozent der Gesamterlöse.

Neues Personal gesucht

Nun muss Bock mit einer Vielzahl von kleineren Akquisitionen für Besserung sorgen. Deshalb kaufte er zuletzt die börsennotierte norwegische Firma Pronova Biopharma, einen Hersteller von Omega-3-Fettsäuren.

Die Firma insgesamt muss sich wandeln, vom Anbieter von Basischemikalien hin zu einem Unternehmen, das gemeinsam mit Kunden spezialisierte Komplettlösungen entwickelt. Dafür fehlen auf BASF-Seite oft noch die geeigneten Mitarbeiter. Auch die Forschung, die künftig stärker vernetzt arbeiten soll, muss nachlegen, wie der zuständige Vorstand Andreas Kreimeyer (57) auf der jüngsten Forschungskonferenz der BASF anmahnte.

Der Erfolg von Bocks Programm entscheidet sich im Zusammenspiel vieler Details. Der BASF-Lenker muss die richtigen Schwerpunkte wählen, auf die richtigen Technologien setzen, die richtigen Firmen kaufen. Und bislang sieht es gut aus. In den ersten anderthalb Jahren der neuen BASF-Zeitrechnung scheint die Trefferquote deutlich höher auszufallen als die Fehlerquote. Auch versteht Bock die Expertise des Chemiekonglomerats geschickt zu nutzen und besser als manch anderer Dax-Chef auf seine Leute zu hören.

In diesem Jahr könnte es geradewegs so weitergehen. Bock jedenfalls bleibt verhalten positiv. Eine Einschränkung macht er allerdings: Die Weltwirtschaft muss insgesamt weiter moderat wachsen. "Deshalb hoffe ich", so Bock, "dass unsere Unternehmensplanung von den Zentralbanken dieser Welt aufmerksam gelesen wird und sie ihre Politik entsprechend ausrichten." Sagt's und grinst breit über seinen Witz.

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