Montag, 24. September 2018

BASF Der Crack(er)

BASF: Die jüngsten Deals, die wichtigsten Köpfe
DPA

4. Teil: Politiker fürchten die Macht der Russen

Für den Asset-Tausch nahm Bock auch Krach mit der Politik in Kauf. Das Berliner Wirtschaftsministerium bockte, kündigte umgehend eine Prüfung an. EU-Parlamentarier muckten. Die Politiker fürchten die Macht der Russen. Denn Gazprom Börsen-Chart zeigen kontrolliert nun zusätzlich zur Gasförderung auch weite Teile des deutschen Großhandels und die dazugehörigen Speicher.

Doch Bock ließ sich nicht beirren: "Wir versuchen der Politik zu erklären, was wir tun und warum es auch gesamtwirtschaftlich eine gute Vereinbarung ist." Tatsache ist, die Energiesparte der BASF kann nach den beiden Tauschgeschäften deutlich üppigere Gewinne produzieren als zuvor. Und der Chemiekonzern sitzt selbst an der Quelle der Erlöse, statt im Handel mit den Vorgaben anderer umgehen zu müssen.

Der ansonsten so umgängliche Manager versteht es, mit Widerständen umzugehen. Das hatte er schon im Januar 2012 unter Beweis gestellt, als der BASF-Vorstand nach längerer Diskussion beschloss, das Gentechnikgeschäft aus der Pfalz in die USA zu verlagern. Vorangegangen waren lang anhaltende Proteste gegen Freilandversuche der BASF mit der gentechnisch veränderten Amflora-Kartoffel.

"So einen Umzug an einen anderen Ort vermeidet man gern", sagt Bock. Bei seinen Besuchen in Berlin - ein Dutzend Mal war er allein im vergangenen Jahr zu politischen Gesprächen in der Hauptstadt - wird er auch dieses Thema vorgebracht haben. Lassen sich Differenzen mit den Regierenden aber nicht im Sinne der BASF lösen, kann er sich vergleichsweise kalt abwenden.

Niedrige Energiekosten in USA als "Chance für die BASF"

Weitere Überraschungen dieser Art könnten folgen. Etwa wenn Deutschland und Europa die Kosten der Energieversorgung nicht bald in den Griff bekommen. Neuer Standortkonkurrent sind auch hier die USA. Dort presst man neuerdings massenhaft Gas aus tiefen Gesteinsschichten an die Erdoberfläche. In der Folge sinkt der Preis für den Brenn- und Rohstoff drastisch. Laut BDI wird die Kilowattstunde Gasenergie bis zum Jahr 2020 in den Vereinigten Staaten nur noch ein Viertel dessen kosten, was dann in Deutschland zu zahlen sein wird.

Bock deutet die Folgen schon mal an: Die niedrigen Energiekosten in den USA seien "eine Chance für die BASF". Noch gibt es zwar keine Entscheidungen über zusätzliche Investitionen an US-Standorten des Konzerns. "Wir legen uns gerade die Karten", sagt Bock. Konzerninsider gehen indes davon aus, dass die BASF in den USA kräftig Gas geben wird, sollte die dortige Reindustrialisierung an Tempo gewinnen.

Bock muss jede Chance nutzen, um sein Wachstumsziel zu erreichen. Denn in etlichen Gefilden des ausgreifenden Konzernreichs kämpft die BASF mit den ambitionierten Vorgaben.

Beispiel Ciba: Den Erwerb der Schweizer Spezialchemiefirma ließ sich die BASF im Jahr 2009 stolze 2,2 Milliarden Euro kosten. Seitdem liegt den Ludwigshafenern vor allem das Papierchemiegeschäft, das mit dem konzerneigenen zusammengeschoben wurde (insgesamt zwei Milliarden Euro Umsatz), auf der Tasche. Die Restrukturierung verläuft wegen Überkapazitäten des Marktes äußerst schleppend. Experten hegen Zweifel, ob eine Genesung überhaupt möglich ist.

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