Samstag, 18. August 2018

BASF Der Crack(er)

BASF: Die jüngsten Deals, die wichtigsten Köpfe
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3. Teil: Gas gilt als das Öl der kommenden Jahrzehnte

Kollegialität wurde in Ludwigshafen auch schon früher beschworen. Jetzt wird sie neu belebt. Inzwischen ist man im Vorstand zum Du übergegangen. Seitdem der Amerikaner Wayne Smith in das Gremium aufgerückt ist, ist Englisch die Regelsprache. Da ist man schnell beim Vornamen, wechselt dann auch im Deutschen nicht mehr zum Sie.

Solcher Umgang gefällt vor allem Aufsichtsratschef Voscherau, dem wohl hartnäckigsten Verfechter der Ludwigshafener Miteinanderkultur. In seiner Zeit als Vizechef und Verantwortlicher für das Stammwerk Ludwigshafen hat der gebürtige Hamburger stets engen Kontakt zu den Arbeitnehmervertretern gehalten, aber auch im Vorstand auf Zusammenhalt gesetzt.

Voscherau ist Bocks wichtigster Sparringspartner oder - wie Voscherau selbst formuliert - "Ratgeber, Klagemauer und manchmal auch Klugscheißer". Der Weg von einem Büro zum anderen ist kurz, misst nur wenige Meter und wird auch häufig genutzt. Anders lassen sich große Dinge nicht bewegen.

So war es auch bei dem Aufbruch, den Bock der BASF im Öl- und Gasgeschäft verordnet hat. In dieser Sparte, bekannt unter dem Namen Wintershall, hatte sich in den vergangenen Jahren wenig getan. Denn für ihre Produktion braucht die BASF kein eigenes Öl und Gas. Das Geschäft dient lediglich als konjunktureller Puffer. Läuft es in der Chemie schlecht, halten die Erträge aus der Förderung der Rohstoffe das Konzernergebnis meist auf akzeptablem Niveau.

Krach mit der Politik

Nun sagt Bock: "Wir wollen in dem Sektor wachsen." Denn Gas gilt unter Experten als das Öl der kommenden Jahrzehnte.

Als sich im Herbst 2012 die Gelegenheit zu zwei spektakulären Tauschgeschäften bot, handelte der Vormann sofort. In einem ersten Deal sicherte sich die BASF Anteile an drei bereits produzierenden Öl- und Gasfeldern in der Nordsee vor Norwegen im Wert von weit mehr als einer Milliarde Euro. Im Gegenzug überließ man Verkäufer Statoil Asa Börsen-Chart zeigen Eigentumsrechte an noch zu erschließenden Nordseequellen.

Wenige Wochen später verkündete Bock gemeinsam mit einem bestens gelaunten Gazprom-Boss Alexej Miller - den kennt er wie den russischen Präsidenten Wladimir Putin seit Langem, weil er früher mal im Aufsichtsrat von Wintershall saß - den nächsten Deal. Diesmal wechselte er den für die BASF uninteressant gewordenen und margenschwachen Gashandel (Wingas) gegen Anteile an Gasvorkommen in Sibirien.

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