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14.01.2013
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Online-Händler
Amazon - der nimmersatte Konzern

Von Astrid Maier

Amazon: Druck, Druck, Druck
Fotos
DPA

Deutschland probt den Aufstand gegen Amazon, seit eine Reportage über die Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter die Republik aufgerüttelt hat. Ein Besuch in der Konzernzentrale in Seattle zeigt: Auch für die eigenen Mitarbeiter lautet die Devise Druck, Druck, Druck. Für Konzernchef Jeff Bezos zählt am Ende nur der Kunde.

Jeff Bezos (49) ist ein Mann, der aus dem Nichts den weltweit größten Internethändler aufgebaut hat. Aber immer, wenn eine Entscheidung wirklich wichtig ist, legt er den "Rückwärtsgang" ein.

"Working backwards" - so nennen sie bei Amazon Bezos' vielleicht wichtigstes Prinzip. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn sich das Unternehmen in ein neues Geschäftsfeld wagen will. Bevor auch nur eine Zeile Computercode geschrieben oder ein Auftragsfertiger in Asien angesprochen wird, verfassen Bezos' Adjutanten im Hauptquartier in Seattle eine Pressemitteilung und spielen eine Fragerunde mit fiktiven Journalisten durch. Klingen die Argumente für das neue Produkt nicht überzeugend, wird das Vorhaben verworfen. So wollen Bezos und sein S-Team, die Senior Vice Presidents und langjährigen Vertrauten, sicherstellen, dass sie wirklich etwas Neues anzubieten haben.

Im Fall des Kindle Fire etwa war die Botschaft schnell erklärt. Das Amazon-Tablet würde den Zugang zu digitalen Medienangeboten in den Vordergrund stellen - und es würde billig sein. Alles andere, Zugang zu den Apps wie bei Apple und technische Details, wie sie andere Android-Geräte haben, gäbe es dazu.

Das Projekt ist geglückt. In den USA verkauft sich heute nur noch das iPad von Apple Chart zeigen besser als der Kindle Fire, und Bezos' Durchmarsch dürfte sich bald in Europa wiederholen. Mit jedem verkauften Tablet-Rechner festigt Amazon nicht nur seine Marktposition - sein Digitalgeschäft mit E-Büchern, Filmen oder Musik gedeiht gleich mit. "Wir wollen Geld verdienen, wenn die Kunden unsere Geräte benutzen, nicht wenn wir sie ihnen verkaufen", erklärt Bezos seine Firmenphilosophie und lächelt dabei selbstgewiss.

Wie Amazon die gesamte Wirtschaft unterwandert

Selten in der Geschichte hat ein Unternehmer sein Geschäftsmodell mit einem so großen Appetit auf noch mehr Geschäft vorangetrieben. Einst als Internetbuchhändler gestartet, besetzt der Konzern inzwischen die zentralen Schaltstellen der digitalen Wirtschaft. Verfängt Bezos' Plan, wird sich seine Erfindung zur wichtigsten und wertvollsten Firma der Welt aufschwingen. "Amazon ist der stille Gigant", sagt Karsten Weide, Analyst beim Marktforscher IDC.

Schon heute bekriegt sich Amazon nicht nur mit Einzelhändlern wie etwa Wal-Mart Chart zeigen, großen Konsummarken wie Adidas Chart zeigen , sondern auch mit Google Chart zeigen & Co., den Großen der Tech-Wirtschaft. Denn Amazon Chart zeigen tritt in vielerlei Gestalt auf:

• Online-Händler: Die Firma verkauft von Windeln über Wein bis zur frischen Wurst inzwischen fast alles übers Internet. Bezos will neuerdings selbst den Luxusmodemarkt aufmischen.

• Marktplatz: Für Markenartikler wie Lacoste, aber auch für Ein-Mann-Glühlampenhändler ist der Konzern inzwischen zur wichtigsten Online-Verkaufsplattform der Welt mutiert. Amazon nimmt seinen Kunden auch die Warenabfertigung und Logistik ab. Amazon ist die Reederei der globalen Online-Warenwirtschaft.

• Vermieter von Rechenleistungen: Aufstrebende Firmen wie Spotify in Stockholm oder MyTaxi in Hamburg, aber auch Traditionskonzerne wie SAP Chart zeigen in Walldorf nutzen die Speicherkapazitäten, die Bezos in der Datenwolke verkauft. Damit ist Amazon zu einer Art Versorger geworden für die aufblühende Web-Wirtschaft - ganz so wie einst Elektrizitätswerke die Industrialisierung vorantrieben.

• Bank & mehr: Amazon operiert als Bank, seit der Konzern an seine US-Händler Kredite vergibt. Das Unternehmen betreibt auch einen Buch- und Musikverlag. In Los Angeles zieht Amazon sogar ein eigenes Filmstudio auf.

Bezos will immer dann, wenn Menschen irgendwo Geld ausgeben, mitverdienen. Er hat, so kann man ohne viel Übertreibung sagen, den Kapitalismus ins digitale Zeitalter transformiert.

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