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14.01.2013
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Sal. Oppenheim
Anklage-Bank

Von Christoph Neßhöver und Sören Jensen

Sal. Oppenheim: Anklage-Bank
Fotos
Frank Hoppmann für manager magazin

Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen die früheren Bankiers der Privatbank Sal. Oppenheim und ihren Immobilienpartner Josef Esch. Das spektakuläre Verfahren leuchtet die dunklen Seiten der Kölner Gesellschaft aus.

Hamburg - Oktober 2010, Großrazzia in Nordrhein-Westfalen und in mehreren anderen Bundesländern. 260 Staatsanwälte, Kripobeamte und Steuerfahnder durchsuchen Büros und Wohnungen von früheren Geschäftspartnern des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim. Es ist die zweite Aktion der Staatsmacht binnen weniger Wochen und die dritte im laufenden Jahr. Ende August sind die Bank selbst sowie Privatdomizile der einstigen Institutsleiter gefilzt worden.

Die Beamten suchen Belastungsmaterial im wohl größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Gegen die Ex-Privatbankiers besteht der Verdacht der Untreue - durch pflichtwidrige Schädigung des Bankvermögens zum Schaden von mehr als 30 früheren Miteignern des traditionsreichen Instituts.

Das entging 2009 nur deshalb dem Ruin, weil es von der Deutschen Bank aufgekauft wurde. Die Oppenheim-Oberen schieden damals aus; für ihre Machenschaften begann sich kurz darauf aufgrund von Hinweisen aus der Bank, von Strafanzeigen und Presseberichten (mm 11 und 12/2009, 1/2010) die Kölner Staatsanwaltschaft zu interessieren.

Deren leitende Ermittler, die Oberstaatsanwälte Torsten Elschenbroich (48) und Gunnar Greier (44), geben an diesem Oktobertag für die Durchsuchung eines gewissen Etablissements im Rheinland besondere Verhaltensregeln an ihre Mannschaft heraus.

Es geht um die Zentrale des langjährigen Immobilienpartners von Sal. Oppenheim, Josef Esch (56). Das Gebäude in Troisdorf ist hoch gesichert - durch die waffenstrotzende Servicefirma Consulting Plus, deren Mitgesellschafter Esch zum Zeitpunkt der Razzia noch ist.

600 Umzugskartons voller Akten

Die Staatsanwälte befürchten, dass ihre Mobiltelefone geortet und die Esch-Leute durch einen Schwarm von Handys, der sich in ihre Richtung bewegt, gewarnt werden könnten. Deshalb geben die Ermittler dem anrollenden Durchsuchungspersonal die strikte Anweisung: "Alle Telefone aus!"

Da die Strafverfolger zudem nicht wissen, ob in den Esch-Büros jemand mithört, schärfen sie ihren Leuten ein, dort kein unnötiges Wort zu sagen und einander nicht mit Namen anzureden. Der Einsatz in Troisdorf war neben der Durchsuchung des Kölner Bankhauses der spektakulärste Teil der Beweissicherung im Ermittlungsverfahren Sal. Oppenheim. Der Rest bestand vor allem aus mühsamer Kleinarbeit.

In den vergangenen beiden Jahren sichteten Staatsanwälte und Kriminalpolizisten in einem unscheinbaren Bürobau am Rand der Kölner City fast 600 Umzugskartons voller Aktenordner, filterten Informationen aus einer Menge von 3,5 Terabyte kopierter Daten und führten rund 50 Vernehmungen von Beschuldigten sowie teilweise illustren Zeugen durch, wie etwa Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius (53) oder Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz (69).

Bis 2012 kamen bei den Untersuchungen zwei Anklageschriften heraus. Darin geht es um drei Immobiliengeschäfte, bei denen die Bank angeblich um etwa 150 Millionen Euro geschädigt wurde.

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Justitia - Sabine Grobecker leitet den Oppenheim-Prozess

  • Lebenslang
    Die 50-jährige Sabine Grobecker ist seit 1997 Richterin auf Lebenszeit. Sie gilt als selbstbewusst und hoch qualifiziert. Am Landgericht Köln hat sie sowohl eine Zivil- als auch eine kleine Strafkammer geleitet. Grobecker interessiert sich für Kunst und ist häufig auf Ausstellungseröffnungen anzutreffen.
  • Bewährung
    Dass sie mit dem Vorsitz der 16. Großen Strafkammer und dem Oppenheim-Prozess betraut wurde, ist ebenso Auszeichnung wie Bewährungsprobe für höhere Weihen. Sie werde sich im Verfahren von vornherein Respekt verschaffen und entschieden gegen Störmanöver der Verteidiger vorgehen, glauben Kölner Juristen.

Grosser Andrang bei Gericht - Sal. Oppenheim drohen weitere Prozesse

  • Verklagt
    Emsigster Kläger gegen Sal. Oppenheim und Josef Esch ist der Schuhhändler Heinz-Horst Deichmann. Ihm haben sich andere wie Ex-VW-Chef Carl Hahn angeschlossen. Die Klagen betreffen vor allem mehrere große Immobilienfonds in Köln. Deichmann & Co. fühlen sich getäuscht, weil die Bank und Esch sie über Interessenverflechtungen und Risiken nicht aufgeklärt hätten. Die Beklagten weisen das zurück. Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Bonn, die über ein gutes Dutzend ähnlicher Klagen zu entscheiden hat, machte den Klägern wenig Hoffnung.
  • Verloren
    Die erste Niederlage gegen Sal. Oppenheim und Esch hat der Erbe Wilhelm von Finck junior in Bonn kassiert. Finck, der Anteile an zwei Karstadt-Warenhaus-Fonds geerbt hat, forderte 47 Millionen Euro Schadensersatz, weil die Fondsinitiatoren gegen ihre Auskunftspflichten verstoßen hätten. Das Gericht wies seine Klage Mitte November ab. Esch nahm das Urteil "mit großer Zufriedenheit" zur Kenntnis. Nun geht von Finck in Berufung.
  • Frustriert
    Auf einen Erfolg gegen Sal. Oppenheim hoffen dürfen die beiden ehemaligen Banker Axel Pfeil und Thomas Pachmann. Sie klagen in Köln und Frankfurt. Beide investierten in den Karstadt-Fonds in Potsdam. Der Vorsitzende Richter in Köln deutete an, dass er ihren Argumenten zuneigt. Kürzlich nahm der Frust der Karstadt-Fonds-Zeichner weiter zu: Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch fordert von den Fonds 34 Millionen Euro an bereits gezahlten Mieten zurück.
  • Entschlossen
    Weitere Verfahren dürften bald hinzukommen. Investoren wie der Industrielle Hubertus Benteler oder Maxdata-Gründer Holger Lampatz, die noch nicht geklagt haben, müssen das bald tun, wenn sie keine Verjährung riskieren wollen. Auch innerhalb der Bankierssippe werden Anwälte in Marsch gesetzt. Eine Gruppe von Ex-Sal.-Oppenheim-Gesellschaftern, darunter auch ein Familienmitglied, wird wohl demnächst Schadensersatzklage gegen die ehemalige Institutsführung einreichen - weil die ihre Anteile an der Bank weitgehend wertlos gemacht habe.

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