Sonntag, 29. März 2015

Sal. Oppenheim Anklage-Bank

Sal. Oppenheim: Anklage-Bank
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Frank Hoppmann für manager magazin

Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen die früheren Bankiers der Privatbank Sal. Oppenheim und ihren Immobilienpartner Josef Esch. Das spektakuläre Verfahren leuchtet die dunklen Seiten der Kölner Gesellschaft aus.

Hamburg - Oktober 2010, Großrazzia in Nordrhein-Westfalen und in mehreren anderen Bundesländern. 260 Staatsanwälte, Kripobeamte und Steuerfahnder durchsuchen Büros und Wohnungen von früheren Geschäftspartnern des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim. Es ist die zweite Aktion der Staatsmacht binnen weniger Wochen und die dritte im laufenden Jahr. Ende August sind die Bank selbst sowie Privatdomizile der einstigen Institutsleiter gefilzt worden.

Die Beamten suchen Belastungsmaterial im wohl größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Gegen die Ex-Privatbankiers besteht der Verdacht der Untreue - durch pflichtwidrige Schädigung des Bankvermögens zum Schaden von mehr als 30 früheren Miteignern des traditionsreichen Instituts.

Das entging 2009 nur deshalb dem Ruin, weil es von der Deutschen Bank aufgekauft wurde. Die Oppenheim-Oberen schieden damals aus; für ihre Machenschaften begann sich kurz darauf aufgrund von Hinweisen aus der Bank, von Strafanzeigen und Presseberichten (mm 11 und 12/2009, 1/2010) die Kölner Staatsanwaltschaft zu interessieren.

Deren leitende Ermittler, die Oberstaatsanwälte Torsten Elschenbroich (48) und Gunnar Greier (44), geben an diesem Oktobertag für die Durchsuchung eines gewissen Etablissements im Rheinland besondere Verhaltensregeln an ihre Mannschaft heraus.

Es geht um die Zentrale des langjährigen Immobilienpartners von Sal. Oppenheim, Josef Esch (56). Das Gebäude in Troisdorf ist hoch gesichert - durch die waffenstrotzende Servicefirma Consulting Plus, deren Mitgesellschafter Esch zum Zeitpunkt der Razzia noch ist.

600 Umzugskartons voller Akten

Die Staatsanwälte befürchten, dass ihre Mobiltelefone geortet und die Esch-Leute durch einen Schwarm von Handys, der sich in ihre Richtung bewegt, gewarnt werden könnten. Deshalb geben die Ermittler dem anrollenden Durchsuchungspersonal die strikte Anweisung: "Alle Telefone aus!"

Da die Strafverfolger zudem nicht wissen, ob in den Esch-Büros jemand mithört, schärfen sie ihren Leuten ein, dort kein unnötiges Wort zu sagen und einander nicht mit Namen anzureden. Der Einsatz in Troisdorf war neben der Durchsuchung des Kölner Bankhauses der spektakulärste Teil der Beweissicherung im Ermittlungsverfahren Sal. Oppenheim. Der Rest bestand vor allem aus mühsamer Kleinarbeit.

In den vergangenen beiden Jahren sichteten Staatsanwälte und Kriminalpolizisten in einem unscheinbaren Bürobau am Rand der Kölner City fast 600 Umzugskartons voller Aktenordner, filterten Informationen aus einer Menge von 3,5 Terabyte kopierter Daten und führten rund 50 Vernehmungen von Beschuldigten sowie teilweise illustren Zeugen durch, wie etwa Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius (53) oder Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz (69).

Bis 2012 kamen bei den Untersuchungen zwei Anklageschriften heraus. Darin geht es um drei Immobiliengeschäfte, bei denen die Bank angeblich um etwa 150 Millionen Euro geschädigt wurde.

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