Von Eva Buchhorn
Er ist bei einem amerikanischen Multi in der Waschmittelsparte beschäftigt. Nun will er ein spezielles Pulver für dunkle Textilien auf den Markt bringen, die Konkurrenz hat das länger schon am Start. Der Finanzchef steckte einen engen Kostenrahmen ab. Der Produktmanager fahndete nach günstigen Inhaltsstoffen, holte sich grünes Licht von den Entwicklern - und scheiterte am Einkaufschef. Dieser verweigerte die Kooperation: Wir haben feste Lieferanten, davon weichen wir nicht ab, hieß es.
"Sie werden Ihr Projekt niemals durchbringen", sagt der Coach. "Nicht Sie sind das Problem, sondern die Strukturen Ihrer Organisation, die Sie ausbremsen." Dieser Gedanke war dem Produktmanager noch nicht gekommen.
Ein anderer Fall: Er ist Ingenieur, klassischer Maschinenbauer, und hatte mit Ende 40 die Beförderung zum Bereichsleiter geschafft. Im neuen Job sollte er ein Entwicklerteam aus Japan, Indien und den USA zusammenstellen und im Tagesgeschäft koordinieren. Er führte, wie er es für richtig hielt, sachbezogen und mit klaren Ansagen. Es gab Reibereien, vor allem der japanische Kollege brachte nichts mehr zustande. Aus der Geschäftsführung kam das Urteil: "Na, Sie können's wohl nicht." Der Coach fragt: "Schon mal ein Training in Diversity-Management erhalten?" Der Ingenieur verneint.
Episoden aus dem Tagesgeschäft deutscher Unternehmen. Erlebnisse des Scheiterns, des Sich-Aufreibens und des Frusts. Die Protagonisten: Führungskräfte des mittleren Managements, die an ihrer Sandwichrolle verzweifeln. Sich alleingelassen fühlen. Weil sie häufig auch tatsächlich alleingelassen werden.