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29.01.2013
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Spotify-Chef Daniel Ek
Music Man

Von Astrid Maier

Spotify: Die Musik spielt in Stockholm
Fotos
DPA

Erst wollte Daniel Ek Gitarrist werden. Jetzt soll sein Streaming-Dienst die Musikbranche revolutionieren. Porträt eines leisen Stars, den die Venture-Capital-Szene hofiert.

Die Musik spielt mitten in Stockholm, Hausnummer 61 am Prachtboulevard Birger Jarlsgatan. In der Kantine stellt gerade eine Band ihre Instrumente auf, die Musiker, alle Anfang 20, tragen Vollbärte und Pudelmützen und interessieren sich nicht weiter für den Blick über die Dächer der Stadt. Es ist Freitagnachmittag, Zeit, um das Wochenende einzuläuten - so wie es hier fast jeden Freitag eine Band tut.

Ein Stockwerk tiefer hängen drei Angestellte auf einem Sofa ab, sie spielen vor einem überdimensionierten TV-Bildschirm Computerfußball: Willkommen im "Super Mario Room", benannt nach dem Helden aus dem Nintendo-Konsolenspiel.

Es wird hier durchaus auch gearbeitet: Hinter einer Art Spinngewebe aus Draht sitzen Software-Entwickler in Kuben, standesgemäß blass und in schwarze Kapuzenpullis gekleidet, hacken sie konzentriert auf die Tastaturen ein.

Auch ein komplett eingerichtetes Aufnahmestudio ist da. Jemand hat darin eine Papiermaske liegen lassen, sie zeigt das Konterfei des Hausherrn Daniel Ek: ein langer Kopf, Glatze, ausgestochene Sehschlitze, ruht die Maske auf einem Stuhl, als wäre sie nach einer wilden Jam-Session vergessen worden.

Der oberste Architekt der Büro-Oase, Ek selbst, ist heute nicht da. Seinen Arbeitsplatz hat er aufgeräumt hinterlassen, als hätte nie jemand dort gesessen. Ek teilt sich einen großen Schreibtisch mit drei seiner engsten Mitarbeiter in einem Großraumbüro, eine Stehlampe lässt ihren Kopf über das zugeklappte Macbook hängen.

Ek hat Spotify, seinem Geschöpf, diese Villa Kunterbunt fürs digitale Zeitalter hier eingerichtet. Es gibt weitere Büros in London und New York. Und Ek ist unterwegs, wie an den meisten Tagen im Jahr, um sein Unternehmen zur größten Musikplattform der Welt zu machen. Daniel Ek, Spotify-CEO, ist der Music Man.

Der Download von Musik wird überflüssig

Der Schwede ist ein ernster Mann von 29 Jahren, der in der Öffentlichkeit gern schwarze Kleidung trägt. Man kann nicht so recht sagen, welche Leidenschaft tiefer in Ek steckt: die Liebe zur Musik oder doch eher eine Besessenheit für Computerwissenschaften.

Mit vier Jahren bekommt Ek sein erstes Instrument geschenkt, eine Gitarre. Er übt darauf so lange, bis der Griff blutig ist. Er lernt auch Bass, Schlagzeug, Klavier und Akkordeon zu spielen. Ek ist verwandt mit Mitgliedern der Schweden-Popband "The Cardigans", schon die Großeltern waren im Musikgewerbe tätig. Mit fünf Jahren schenken die Eltern ihm einen Computer. Im Alter von 14 gründet Ek sein erstes Unternehmen, eine Web-Firma, die Seiten im Internet baut. Den Mitschülern, die gut in Mathematik sind, bringt er Programmiersprachen bei. So können sie ihm in seiner Firma aushelfen. Kaum 20, ist der Mann aus Ragsved, einem Stockholmer Vorort, den man hier auch Drugsved nennt, Millionär.

Die ideale Verbindung seiner Talente fand Ek erst danach: Spotify, ein Streaming-Dienst, der das Downloaden von Musik überflüssig macht. Man kann hier Songs von den Spotify-Servern oder den Rechnern anderer Nutzer abspielen. Diese Art digitaler Leihbibliothek für Lieder bringt es inzwischen weltweit auf über 20 Millionen Nutzer und 700 Mitarbeiter. Spotify ist drei Milliarden US-Dollar wert, legt man die jüngste Investorenrunde zugrunde.

Schweden: Gravitationszentrum der globalen Musikpiraterie

Geldgeber sind Größen im Silicon Valley wie der Facebook-Finanzier DST Global und der Wagnisfonds Kleiner Perkins Caulfied & Byers, der schon Google Chart zeigen hochpäppelte. Auch Teeniepopstar Justin Bieber hat in das Unternehmen investiert.

Es ist kein Zufall, dass Spotify in Schweden erfunden wurde. Schon vor einem Jahrzehnt gab es im Norden Europas rasend schnelle Internetverbindungen, die das Surfen so geschmeidig machten wie ein perfektes Medley. Das Land wurde so zum Gravitationszentrum der globalen Musikpiraterie. Mittendrin in der Szene: Ek, CEO von µTorrent, einem der vielen nordischen Dateitauschdienste, deren Infrastruktur legal ist. Die darüber verbreiteten Inhalte nicht unbedingt.

"Zum ersten Mal in der Geschichte war das Piraterieprodukt besser als jenes, das man legal kaufen konnte", sagt Ek heute und wiegt den Kopf bedächtig hin und her. Kein Wunder also, dass seine libertären Landsleute illegal Musik herunterluden, zumal ihnen die Musikfirmen nichts Vergleichbares anboten. "Es hat mich gestört, dass die Musikbranche den Bach hinabging, obwohl die Menschen mehr Musik hörten als jemals zuvor."

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Dissonant: Fünf Millionen zahlende Nutzer kann Ek bereits vorweisen - und doch reicht das kaum für schwarze Zahlen. Jedes Mal, wenn ein Song bei Spotify abgespielt wird, erhalten Labels und Verwerter wie die Gema Geld. Je mehr Nutzer und Songs, desto mehr muss Spotify weiterreichen: 2011 etwa 180 Millionen US-Dollar, 2012 dürfte es doppelt so viel sein. Spotify selbst machte 2011 bei 250 Millionen Dollar Umsatz 60 Millionen Verlust. Und es gibt Misstöne: Nur rund 0,003 Cent je Song fließen weiter an Künstler. Stars wie Adele boykottierten zwischenzeitlich den Streaming-Dienst.
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