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05.02.2013
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Pudding-Clan
Oetker-Sippe in rauer See

Von Simon Hage und Michael Machatschke

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
Fotos
DPA

Die Reederei Hamburg Süd bringt den Konzern, der mit Pudding, Pizza und Backpulver groß geworden ist, in schwieriges Fahrwasser. Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr. Doch der Oetker-Clan zankt sich, statt zu handeln.

Der junge Dr. Oetker probt den großen Auftritt. Die Schultern zurück, die Brust vor, baut sich der lange Mittvierziger am Rednerpult auf und blickt in die noch leere Aula. In einer Viertelstunde erwarten die Studenten der Bremer Jacobs University seinen Vortrag. Er testet, wie er sich halten muss, damit er nicht am Mikrofon vorbei spricht. "Ich werde mich bemühen, gerade zu stehen", scherzt Alfred Oetker (45).

Das Vorhaben wird ihm gelingen. Er wird ruhig, um Gravität bemüht, seine englischsprachige Rede ablesen und später ein paar Fragen beantworten. Alfred Oetker - ein später Sohn des legendären Patriarchen Rudolf August Oetker (1916 - 2007) - wird den Bielefelder Mischkonzern Oetker als einen Musterbetrieb mit Weitblick darstellen. Als ein Haus, in dem der Familienfriede über alles geht. Als ein Unternehmen, das nach Internationalisierung und kultureller Vielfalt strebt; das mutig sogar das früher Undenkbare erwägt: einen Börsengang.

"Wir wollen versuchen, ein Familienunternehmen zu bleiben", sagt er, "aber es kann sein, dass wir uns eines Tages entscheiden werden, stärker in einen Sektor zu investieren - und dafür werden wir den Aktienmarkt brauchen."

Eine schöne Inszenierung an einem lauen Mittwochabend Ende des vergangenen Jahres. Doch die Realität ist leider eine etwas andere.

Der Kapitalbedarf steigt rapide

Denn erstens ist der Traditionskonzern Oetker beileibe kein Hort des Friedens. Die verschiedenen Familienstämme belauern und bekriegen einander, auch wenn die Öffentlichkeit wenig davon mitbekommt. Zweitens zögern die Bielefelder, den Aufbruch zu wagen. Und drittens ist fraglich, ob Alfred Oetker, das Beiratsmitglied der Dr. August Oetker KG, in diesem prominenten Konzern jemals das entscheidende Wort führen wird.

Fest steht hingegen: Oetker braucht einen epochalen Wandel. Denn die alten Rezepte funktionieren nicht mehr.

  • Bislang finanziert Oetker seine Investitionen größtenteils aus den laufenden Einnahmen. Der Kapitalbedarf aber steigt rapide - und könnte die Sippe bald überfordern.

  • Das breite Portfolio von Pudding bis Schifffahrt bürgt längst nicht mehr für Stabilität und Wachstum. Das Geschäft mit Lebensmitteln stagnierte zuletzt, die Schiffsparte steuert auf eine Dauerkrise zu.

  • Die Familie zerfällt in Lager. Wichtige Führungsfragen bleiben ungeklärt.

Findet Deutschlands bekannteste Industriellensippe endlich ein Rezept für die Zukunft? Oder steigt die Ikone der Wirtschaftswunderzeit womöglich zur Museumsmarke ab?

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