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30.01.2013
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Immigration
Einwanderer - Deutschlands neue Hoffnung

Von Henrik Müller und Dietmar Student

Einwanderung: Die fünfte Welle - und die neuen Einwanderer
Fotos
DPA

Deutschland steht vor der größten Immigrationswelle seit einer Generation. Ein Segen für die heimische Wirtschaft, aber auch Stress für die Boomregionen. Die Neubürger werden das Land verändern - zum Besseren.

Hamburg - Vier-hundert-tausend. Für Deutschland ist das eine geradezu magische Zahl. Damit lassen sich praktisch alle langfristigen Sorgen beiseiteschieben: Das Land würde davor bewahrt, in der demografischen Falle steckenzubleiben - die Rente bliebe bezahlbar, die Pflege leistbar und die Schulden bedienbar.

400.000 Zuwanderer müssten jährlich kommen, dann würde die aktive Bevölkerung auf Jahrzehnte stabil bleiben. Dann würden Wirtschaft und Gesellschaft vor der großen Schrumpfung bewahrt, rechnen Bevölkerungsforscher vor.

Vier-hundert-tausend? Das war lange Zeit eine fantastische Zahl: utopisch, unerreichbar, kaum vorstellbar. Deutschland entwickelte sich in den Nullerjahren zum Auswanderungsland, aus dem immer mehr Menschen wegwollten, in das immer weniger Ausländer zogen. Die Bevölkerung alterte und schrumpfte, der Abstieg schien unaufhaltsam. Aber das ist vorbei.

Vier-hundert-tausend! So groß dürfte der Bevölkerungsgewinn 2012 in etwa ausgefallen sein. Die Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt, der höchste Wert seit einer Generation. Viel mehr Menschen wandern inzwischen ein als aus - legal. Gewünscht. Anders als die ebenfalls stark steigende Zahl von illegalen Einwanderern, wie heute bekannt wurde. Und ein Abflauen der Dynamik der gewünschten Einwanderung ist nicht in Sicht.

Im Gegenteil. "Deutschland steht ein massiver Zustrom von Einwanderern bevor", sagt Carsten-Patrick Meier vom Institut Kiel Economics. Für manager magazin hat er eine Fünfjahresprognose erstellt. Ergebnis: Bis 2017 dürfte die Zahl der Bundesbewohner um 2,2 Millionen steigen (siehe Grafik links "Die fünfte Welle") . Meiers Berechnungen sind sogar eher vorsichtig. Sollte sich die südeuropäische Depression erneut verdüstern, könnte der Zustrom noch größer ausfallen.

Zahl der Zuwanderer aus Griechenland und Spanien steigt steil an

Griechen, Spanier, Portugiesen, zunehmend auch Italiener, Polen, Ungarn, Rumänen und Bulgaren - sie alle treibt es aus ihren Ländern fort, wo die Arbeitslosigkeit hoch, die Stimmung trüb und das Leben hart ist. Eine Verzweiflungsmigration, getrieben von Ausweglosigkeit und manchmal von blanker Not, weil nach vier Jahren Krise immer mehr Menschen in die Armut abrutschen.

Es kommen Menschen wie Fotis Marantos (38), der in Griechenland keine Perspektive mehr sieht. Er hat drei kleine Kinder zwischen 4 Jahren und 15 Monaten. Um die mache er sich Sorgen, sagt er: "Die Schulen, die Gesundheitsversorgung - all das wird immer schlechter." Also versucht er auszubrechen aus der Armutsspirale.

Marantos, der selbst als Gastarbeiterkind in München geboren wurde und im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Griechenland ging, ist im November in der Bayern-Metropole angekommen. Für den Anfang hat er bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, verdingt sich für 1500 Euro netto als Busfahrer und poliert nebenher seine Deutschkenntnisse auf. Sobald er beruflich Fuß gefasst hat, will er seine Familie nachholen. "Unsere Kinder haben in Griechenland keine Zukunft", sagt er. "Ich will, dass sie in Deutschland aufwachsen."

So denken viele. Im ersten Halbjahr 2012 stieg die Zahl der Zuwanderer aus Griechenland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 78 Prozent an, aus Spanien und Portugal kamen 53 Prozent mehr Menschen. Insgesamt zogen zwischen Januar und Juni 306.000 EU-Bürger nach Deutschland, ein Plus von 24 Prozent gegenüber 2011. Das ist erst der Anfang.

Migrationswellen bauen sich allmählich auf: Zuerst kommen junge Männer wie Fotis Marantos. Später holen viele Partner und Familien nach. Diesen Spuren folgen weitere Personen, die von den Erfahrungen der Vor-Gänger animiert werden. Wie sich die Welle immer weiter aufbaut, dass kann man derzeit in Barcelona, Athen oder Lissabon beobachten, wo bei den Goethe-Instituten die Deutschkurse aus allen Nähten platzen.

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