Freitag, 4. September 2015

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Nordbank Koppers Kontrollverlust bei der HSH

Mehr als Peanuts: Die Lasten der HSH Nordbank im Abseits
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dapd

Hilmar Kopper hat den Schiffsfinanzierer HSH in eine Schieflage manövriert. Nun gibt er seinen Job als Chef des Aufsichtsrates ab. Das schwer angeschlagene Staatsinstitut wieder flott zu bekommen, ist mehr als Peanuts.

Hamburg - Wenn Hilmar Kopper (77), der scheidende Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, dem Geldinstitut einen Besuch abstattet, steigt er gern im "Park Hyatt"-Hotel an der Mönckebergstraße ab. So auch mehrfach in der ersten Oktoberwoche des vergangenen Jahres. Zu später Stunde traf sich Kopper dort mit einem kleinen Kreis ausgewählter Aufsichtsräte, um den Rauswurf des amtierenden HSH-Chefs Paul Lerbinger (56) vorzubereiten.

Die Art, in der Kopper die delikate Personalie behandelte, ist bemerkenswert. Nachdem er mit seinen Konfidenten übereingekommen war, dass Lerbinger gehen müsse, bestellte er zunächst den Bankchef ein. Der Aufsichtsrat, bedeutete er Lerbinger, habe das Vertrauen in ihn verloren. Erst danach informierte Kopper die Eigentümer der Bank, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein.

Eine Woche später setzte Kopper dann die HSH-Mitarbeiter über den abrupten Abgang des Vorstandschefs in Kenntnis. Die erforderliche Zustimmung der übrigen Aufsichtsräte, darunter die Vertreter der Arbeitnehmer, holte er sogar erst Ende Oktober ein.

Bei der schwer angeschlagenen HSH Nordbank löste der unvermittelte Führungswechsel eine neue Krise aus. Bei Eigentümern und Mitarbeitern greift die Furcht um sich, dass die Bank letztlich doch abgewickelt werden muss. Hilmar Kopper, früher Vorstandssprecher der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, dann lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler Börsen-Chart zeigen, wird zum Ende Februar nun selbst seinen Job als Chefaufseher der HSH an Thomas Mirow übergeben. Kopper ist in der Bankprovinz gescheitert.

Überforderte Manager, hilflose Eigentümer

Der Finanz-Senior hat gemeinsam mit überforderten Managern und hilflosen Eigentümern die Landesbank, die vor wenigen Jahren nur mit staatlicher Unterstützung vor der Pleite bewahrt werden konnte, schon wieder in eine Notlage manövriert. Vereintes Missmanagement hat dazu geführt, dass nun externe Faktoren wie die weltweite Schifffahrtskonjunktur, der Dollar-Kurs und das Urteil der Brüsseler EU-Kommission über die Zukunft der Bank entscheiden.

Erst jetzt haben die Politiker in Hamburg und Schleswig-Holstein erkannt, wie sehr der von ihnen eingesetzten Bankführung die Lage entglitten ist. Doch ihre Versuche, die Kontrolle über die HSH zurückzugewinnen und das Geldinstitut zu stabilisieren, kommen für die Bank womöglich zu spät.

Dabei ist es gerade mal ein gutes Jahr her, da schien die HSH Nordbank über den Berg. Und das nicht zuletzt dank Hilmar Kopper und seinem Konzept, den Aufsichtsrat des Geldhauses mit Fachleuten aus der Wirtschaft statt mit Politikern zu besetzen.

Mit dem früheren Deutschbanker Paul Lerbinger hatte Kopper zudem im Frühjahr 2011 einen Mann an der Spitze des HSH-Vorstands installiert, der die Bank endlich aus den Schlagzeilen holte. Vergessen schienen die Skandale um dubiose Geschäfte zur Verschleierung der Finanzlage, um heimliche Durchsuchungen von Vorstandswohnungen und fingierte Kinderpornografie-Anschuldigungen gegen missliebige Manager.

Lerbingers verbindliche Art kam bei den verunsicherten Mitarbeitern und Kunden der HSH gut an. Nach dem unterkühlten Ex-Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher (49, "Dr. No") stand hier endlich mal einer, für den das Glas stets halb voll statt halb leer war.

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