Montag, 17. Dezember 2018

Ulrich Grillo Bloß kein Gedöns

Die neue Generation: BDI-Präsident Ulrich Grillo
Dominik Butzmann für manager magazin

Mit Ulrich Grillo kommt eine neue Generation an die Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: schnell, pragmatisch, geradeheraus.

Selbst gebaut hat er schon mal eine Schrankwand. Für seine Studentenbude, damals in Münster. Ein Zimmer, Küche, Bad, "und das Ding hat sogar gepasst". Mit integriertem Schreibtisch, eingebauter Bar, indirektem Licht, alles drin, alles dran. "Hat Spaß gemacht."

Später hat er sich einen Architekten geleistet, einen der besten der Welt, Daniel Libeskind. Der hat in seinem Auftrag ein Wohnhaus in Datteln bauen dürfen, den Prototyp einer Villa. Doch es ist kein Haus, sondern eine Skulptur geworden, ein Kunstwerk, von Weitem sieht es aus wie ein großer Brocken Kristall. Und wieder sagt Grillo: "Hat Spaß gemacht."

Die Schrankwand hat der BWL-Student am Ende gut verkauft. Die Wohnskulptur dient jetzt als Empfangsgebäude für das Unternehmen Rheinzink. Alles hat irgendwie Maß und Ziel im Leben des Ulrich Grillo (53), ist vernünftig und ergibt Sinn. Denn der Vorstandsvorsitzende der Grillo-Werke, Muttergesellschaft der Rheinzink, hat die Libeskind-Villa 2009 natürlich nicht bauen lassen aus Jux und Dollerei. Vielmehr sollte der Architekt aufzeigen, was man mit Zinkblechen auf Dächern, Gauben, Flächen alles anstellen und was für phänomenale Wirkungen man damit erzielen kann; so wie es Karl Friedrich Schinkel, der Baumeister der Preußen-Könige, schon zwei Jahrhunderte früher bewiesen hat.

Die Libeskind-Villa wurde von Ulrich Grillo jetzt auch ausgewählt, um der Hauptstadtpresse zu erläutern, was es auf sich hat mit den Grillos und dem Zink. Und wie er seine Präsidentschaft ausfüllen will, in Berlin beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Doch bevor der seit Jahresbeginn 2013 amtierende Nachfolger von Hans-Peter Keitel nur einen einzigen Satz gesagt hat, war schon klar, dass mit ihm ein völlig neuer Typ Unternehmer auf die Berliner Bühne kommt.

"Der hat einen eigenen Kopf"

"Das ist ein Pfundskerl, endlich ein echter Unternehmer", sagt Roland Berger (74), "mit einem soliden Familienunternehmen im Hintergrund, rundum ehrlich, geradlinig, zuverlässig." Sein größter Vorzug aber sei, dass er den Berliner Job nicht brauche, "der muss sich nicht darstellen, ist offen und selbstbewusst. Der hat einen eigenen Kopf; erzählt keinen Schmäh."

Dass Ulrich Grillo, schlank und hochgewachsen, glänzend auftritt, überrascht nicht mehr. Das weiße Einstecktuch, die Manschettenknöpfe mit der Grille, seine Markenzeichen, haben alle bereits vermerkt, von "Handelsblatt" bis "FAZ", die Parkettsicherheit des Abkömmlings einer Ruhrpottdynastie ist hinlänglich beschrieben. Sein weißes "Strunztuch", wie er gern selbstironisch spottet, hat er Alfred Herrhausen abgeguckt, dessen Auftreten und Haltung er schon als ganz junger Mann bewundert habe; die Grille (italienisch: Grillo) ist den protestantischen Vorfahren aus dem Veltlin geschuldet, die 1620 vor aufgehetzten Katholiken flüchten mussten und sich unter anderem im Ruhrgebiet niederließen.

© manager magazin 12/2012
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