Mittwoch, 14. November 2018

Ulrich Grillo Bloß kein Gedöns

Die neue Generation: BDI-Präsident Ulrich Grillo
Dominik Butzmann für manager magazin

5. Teil: "Die Energiewende ist viel zu rasch entschieden worden"

Als Berater habe er gelernt, analytisch an ein Problem heranzugehen. "Die Politik springt zu kurz. Die Energiewende ist viel zu rasch entschieden worden. Da kann der BDI eine wichtige Rolle spielen", sagt Grillo. Keitel habe bereits Marken gesetzt. "Die Energiewende wird aber auch während meiner Präsidentschaft ein großes Thema bleiben."

Kommt da der richtige Mann zur richtigen Zeit? Er gibt sich zuversichtlich. "Ich bin ja seit Jahren gehärtet im Verbandsgeschäft." Verbandserprobt ist er allemal. Seit 2003 ist Grillo im Präsidium der Wirtschaftsvereinigung Metalle (WVM), seit 2007 leitet er den Ausschuss für Rohstoffpolitik beim BDI. 2011 rückte er zu einem von neun Vizepräsidenten des BDI auf. Trotz aller Jovialität sollte man ihn nicht unterschätzen. Grillo kämpft gern. Gibt auch in schwierigen Situationen nicht auf.

Seit 2005 beschäftigt er sich intensiv mit Rohstofffragen, mithin zu einer Zeit, als das für die meisten noch kein Thema war. Für seine Rohstoff-Allianz (ARS) hat er zwölf Dax-Unternehmen im Boot, von BASF Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen über ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen bis hin zu VW Börsen-Chart zeigen. Er sei stolz, dass er es geschafft habe, das Thema Rohstoffe in Industrie und Politik breit zu streuen. Gehen die Großen nicht auch da ihre eigenen Wege?

"Die Allianz ist ein Instrument von vielen, es gibt zusätzlich bilaterale Projekte, und das ist gut." Aber nehmen die großen Konzerne den BDI-Präsidenten mit seinen 38 miteinander hadernden und händelnden Mitgliedsverbänden überhaupt ernst? "Die kennen mich doch", sagt Grillo. "Für mich gibt es diese künstliche Trennung überhaupt nicht. Wir haben eine mittelständisch geprägte Industrie, mit größeren und kleineren Unternehmen. Deren Erwartungen an einen Standort sind nahezu identisch."

Ohne Not in der Defensive

Auch Roland Berger, der Grillo häufig zusammen mit Konzernlenkern wie Peter Löscher (Siemens Börsen-Chart zeigen) oder Franz Fehrenbach (Bosch) erlebte ("Die schätzen den alle"), kann die simple Trennung in Groß und Klein nicht nachvollziehen. "Was wären die Großen ohne ihre Zulieferer? Das ist doch eine echte Symbiose. Die Konzerne sind von den Mittelständlern längst abhängig."

Da kommt kein schillernder Aufsteiger wie Henkel; kein Schwerblut wie Thumann; kein kühler Funktionär wie Keitel. Aber was ist das für eine Generation, die jetzt an die Spitze der Verbände drängt? Ist sie erfreulich pragmatisch und effizient? Oder zum Gähnen langweilig, austauschbar, glatt wie ein Kiesel?

Christian Lindner, Jungstar der FDP, verteidigt die neue Führungsriege. "Die Belastungen sind doch viel höher als früher. Dieses Immer-erreichbar-sein-müssen!" Gleichzeitig habe die Toleranz gegenüber Fehlern abgenommen. Die Wachmannschaft von Youtube stehe bereit, sagt er, "sich jederzeit auf ein neues Opfer zu stürzen".

Und was erwartet ein FDP-Politiker aus NRW von einem BDI-Chef aus Mülheim? "Einen, der mehr ist als ein Interessenvertreter der Industrie. Einen, der endlich die soziale Marktwirtschaft in der Öffentlichkeit verteidigt." Die deutschen Unternehmer neigten im Fernsehen zur Selbstbezichtigung, ließen sich ohne Not in die Defensive drängen. Und auch wir meinen: Vielleicht heißt in zukünftigen Diskussionen der Vertreter eines erfolgreichen Familienunternehmens mal Grillo - und nicht Grupp!

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