Montag, 10. Dezember 2018

Ulrich Grillo Bloß kein Gedöns

Die neue Generation: BDI-Präsident Ulrich Grillo
Dominik Butzmann für manager magazin

4. Teil: Fest am Zügel

Gabriela Grillo, die Tochter von Onkel Herbert, war es, die den Vetter in die Firma holte ("Entweder du kommst jetzt, oder wir suchen extern!"). Eine passionierte Dressurreiterin, die als jüngstes Mitglied mit der deutschen Dressurmannschaft 1976 in Montreal olympisches Gold holte. Als Aufsichtsratsvorsitzende halte sie Grillo, wie die örtlichen Medien gern schreiben, bis heute "fest am Zügel".

Ulrich Grillo hatte zunächst alles darangesetzt, außerhalb des Familienunternehmens Fuß zu fassen. Nach Bundeswehr, USA-Praktikum, Banklehre, BWL-Studium. Alles erfolgreich, er hat einfach immer funktioniert. Münster fand er zum Studieren "eine tolle Stadt" und lernte wieder punktgenau: "Ich hab' keine einzige Klausur wiederholen müssen." Wie ein Streber wirkt er dennoch nicht, da ist der rheinische Frohsinn vor.

Den Beginn bei den Grillo-Werken be-zeichnet er als Heimspiel. Viele Mitarbeiter habe er noch gekannt, einige erinnerten sich an ihn noch als Bub, und jetzt waren deren Kinder auch schon wieder in der Firma. "Die wussten ja, was ich in der Zwischenzeit gearbeitet hatte." Als Wirtschaftsprüfer für Arthur Andersen & Co., später als Unternehmensberater bei A. T. Kearney. Zur Rheinmetall wechselte er vornehmlich aus privaten Gründen, er wollte seiner jungen Ehefrau, damals Krankenhausärztin, näher sein. Doch auch beruflich wurde es für ihn dann eine prägende Zeit. Im Düsseldorfer Konzern stieg Grillo in sieben Jahren bis zum stellvertretenden Chef der Rüstungssparte auf.

Spaß an neuen Aufgaben

Anfangs hätten bei Grillo in Duisburg natürlich alle geguckt: wie geht das mit dem Ulrich. "Es hat aber nicht geknallt, bis heute nicht." Und selbst wenn es krachen würde, gäbe es ein Regelwerk. Zudem halten die 150 Familienaktionäre vinkulierte Namensaktien, die nur mit Zustimmung von Aufsichtsrat und Vorstand weitergegeben werden dürfen. Das sorgt für Ruhe und Nachhaltigkeit.

Morgens fährt er gern ins Büro. Vertrauen, das Wort benutzt er fast inflationär, Vertrauen habe er zu Rainer, seinem Vetter, der mit Gabriela die Handelsgesellschaft führt und mit ihr die Aktienmehrheit an der Gruppe hält, Vertrauen zum Vorstand, zu den Bereichsleitern. "Nach unserer Philosophie sollen Führungskräfte dezentral, eigenständig entscheiden." Nur so könne er sich die Präsidententätigkeit beim BDI erlauben.

Warum bürdet er sich so was auf? Nie Zweifel? Er zögert keine Sekunde. "Die Grillos haben immer über den Tellerrand geschaut, sich nie nur um das eigene Unternehmen gekümmert." Darin habe ihn sogar Gabriela, seine Aufsichtsrätin, bestärkt. "Er setzt da eine Familientradition fort", sagt sie, "das unterstütze ich nach Kräften." Und auch seine Familie habe seinen Entschluss verstanden, "die kennen mich, die wissen, ich mach' das gern".

Er habe Spaß an neuen Aufgaben, neuer Verantwortung. Auch mache es ihm Freude, Konflikte zu schlichten, Leute zusammenzubringen. "Darum" - manchmal spielt er mit dem Ruhrpott-Slang, um dem Thema etwas von seiner Wichtigkeit zu nehmen "werden wir das auch wuppen."

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