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13.11.2012
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Oliver Holy über luxuriöses Wohnen
"Mir geht es ums Wohlfühlen"

Von Klaus Ahrens

Classicon-Chef Oliver Holy: Möbelikonen zum entspannten Wohnen
Fotos
Classicon

Die Möbelfirma von Oliver Holy, Classicon, ist auf die Wiederauflage von Designklassikern spezialisiert. Privat liebt Holy es gemütlich - mit weißen Wänden, Holz und ohne Kalkül. Ein Gespräch über Öko-Luxus, Geschmackssicherheit und entspannten Minimalismus.

mm: Herr Holy, uns interessiert Ihr Zuhause. Wie sieht Ihre private Einrichtung aus?

Holy: Das ist ein Mix. Ich wohne in einem Münchener Jugendstilhaus. In meiner Wohnung habe ich eine Mischung aus Klassikern von Saarinen und aktuellen Produkten, etwa von Konstantin Grcic.

mm: Wie stellen Sie diesen Stilmix zusammen?

Holy: Für mich ist eine gewisse Gemütlichkeit wichtig. Meine Wände sind weiß, durch die Verwendung von Holz kommt der Eindruck von Wärme dazu. Es gibt Stuckdecken, Original-Türklinken und alten Parkettboden, aber die Küche ist ganz modern gehalten. Das folgt keinem Kalkül. Ich vertraue meinem Bauch. Mir geht es ums schiere Wohlfühlen. James Irvine hat mal einen wunderbaren Schaukelstuhl für Ikea gemacht. Den stelle ich mir genauso hin wie minimalistische Dinge.

mm: Glauben Sie, Ihr Stil ist typisch für Leute Ihrer Generation, die über etwas Geld verfügen?

Holy: Was ich beobachte, ist, dass sich viele bei ihren Eltern bedienen. Sie nehmen Klassiker, mit denen sie aufgewachsen sind, egal ob von Le Corbusier oder Mies van der Rohe, Eames oder Eileen Gray, von zu Hause mit. Bei Neuanschaffungen sind viele vorsichtig, weil sie nicht wissen, wo sie in 30 Jahren leben, arbeiten und wohnen werden.

mm: Eames' Lounge Chair - schön und gut. Aber ist es das, was jungen Leuten am Herzen liegt?

Holy: In meinem Freundeskreis gibt es viele, die auch moderne Kunst haben und die sehr minimalistisch eingerichtet sind. Aber ich komme auch in Wohnungen, die eher schwülstig eingerichtet sind, wo alles mit Samt überzogen ist und unter der Decke Silberkronleuchter hängen. Nicht unbedingt mein Geschmack, aber gut, wenn es durchgängig so gemacht ist.

mm: Wir erleben derzeit eine gewisse Erosion des traditionellen bürgerlichen Wohngebarens. Die Trennung von Arbeit und Leben wird teilweise aufgehoben.

Holy: Ja, das verschmilzt immer mehr. Auch ich setze mich zum Arbeiten an meinen Esstisch, ich habe kein Arbeitszimmer. Mein Esstisch funktioniert auch als Bürotisch, daneben habe ich ein Sideboard, da sind teilweise Ordner, aber auch andere Sachen drin. Wohnen wird eher wichtiger, weil man mehr Zeit zu Hause verbringt, auch arbeitend.

mm: Welche Rolle spielt denn Luxus in gegenwärtigen Einrichtungsszenarien?

Holy: Aus Sicht meines Unternehmens: Wir haben jetzt ein Leder herausgebracht, aus dem normalerweise Babyschuhe gemacht werden. Das haben wir an der Charité testen lassen ...

mm: ... in der Berliner Klinik? Wozu?

Holy: Wir wollten wissen, ob es irgendwelche Allergien auslösen kann. So ein klinischer Test ist wahnsinnig teuer. Aber dafür weiß ich, dass es keine Schadstoffe enthält. Bei gewissen Produkten spielt dieser Preisunterschied keine Rolle. Alles Ökologische liegt im Trend: Das Leder kommt von frei lebenden Kühen aus dem Allgäu, es werden keine Chemikalien verwendet. Luxus ist heute, dass diejenigen, die über gewisse finanzielle Mittel verfügen, dieses ökologische Bewusstsein pflegen.

mm: Ostentativer Luxus, der glitzernd ins Auge springt, ist nicht mehr angesagt?

Holy: Doch. Ich glaube, diejenigen, die einen Rolls-Royce fahren, sind schon ganz glücklich darüber, dass man sieht, dass es ein Rolls-Royce ist.

mm: Das gilt auch beim Wohnen?

Holy: Natürlich gibt es Leute, die ein bisschen schwerer eingerichtet sind. Und wenn jemand konsequent mit schönen Biedermeier-Sachen eingerichtet ist, kann auch das wunderschön sein.

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