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11.01.2013
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Edelkonsum
Wahrer Warenwert

Von Eva Müller

Luxusgüter: Gutes, Teures, Dauerhaftes
Fotos
[M] PR; Hintergund: Corbis

Der Luxusmarkt boomt mitten in der Krise. Materielle Güter werden reichen Leuten wieder wichtiger: Ob feine Uhren, antike Jachten oder Handwerks-Unikate: Hochwertige Waren versprechen eine langfristig sichere Geldanlage. Und gute Gefühle.

Berlin - Michael Schumacher lehnt sich auf dem weißen Designersofa zurück. Der Mann mit dem weltberühmten Kinn hat eine neue Mission. Und er will sie der Welt verkünden. Deshalb präsentiert er sich an diesem Abend im Oktober in einem ehemaligen Heizkraftwerk in Berlin - räudig-cooles Ambiente, hinter ihm ein angegammeltes 70er-Jahre-Schalttableau - und redet über Uhren, über Luxus und über sein Leben als demnächst ehemaliger Rennfahrer.

Denn Schumacher versucht sich als Promi-Designer beim Schweizer Edelfabrikanten Audemars Piguet. An dessen Manufaktur in Le Brassus radele er ohnehin häufig vorbei auf seinen Trainingsrunden, erzählt Schumacher, der am Genfer See wohnt. Nun gestaltet er die Sonderedition einer Sportuhr namens Royal Oak - ein schweres Modell, in der Platinversion 105.000 Euro teuer.

Selbstverständlich trägt Schumacher die nach ihm benannte Uhr. Dazu funkelt am anderen Handgelenk ein Diamantkettchen. Die Füße stecken in Reptillederstiefeln. Den Gürtel ziert eine auffällige Silberschnalle. Das Signal ist klar: Dieser Mann liebt Luxus. Und er scheut sich nicht, seine Vorliebe für das Edle zu zeigen.

Schumacher ist in Plauderlaune. "Ich gehe wirklich gern durch die Läden und kaufe ein." Er werfe bei seinen Shoppingtouren allerdings nicht blind mit Tausendern um sich. "Ich gebe mein Geld für Dinge aus, von denen ich glaube, dass sie eine bestimmte Wertigkeit haben." Solche Sätze sprudeln in seinem freundlich- kalkulierten Stil nur so aus ihm heraus.

Luxus als Ankerpunkt in unsicherer Zeit

Mit dem Bekenntnis zu den teuren, guten Dinge des Lebens trifft Schumacher - zur Freude seines Auftraggebers - den Zeitgeist. Der Luxus erlebt einen Boom. Wer sich etwas leisten will, sucht das Schöne, Edle, Teure. Freude soll es machen. Dauerhaft soll es sein. Ein Ankerpunkt in unsicherer Zeit - wer weiß, wie viel das Geld morgen noch wert ist.

Lange waren die Bundesbürger nicht mehr so konsumfreudig wie heute. Hohe Preise sind keine Hürden, im Gegenteil. Hauptsache, die Produkte sind qualitativ hochwertig, langlebig und zeitlos.

Teuer und gut - dieses Prinzip prägte das Kaufverhalten der Deutschen zuletzt in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Seit einiger Zeit aber handeln diejenigen, die es sich leisten können, wieder nach dieser Maxime. Massenhaft schaffen sie sich Uhren, Schmuck, Kleidung, Lederwaren, Möbel, Designobjekte oder Kunsthandwerk an. Dinge, die das beruhigende Gefühl vermitteln, von bleibendem Wert zu sein. Etwas fürs Leben. Etwas, das sich womöglich sogar an die nächste Generation vererben lässt - oder, bei Bedarf, mit Gewinn verkaufen.

"Die Rematerialisierung des Luxus" nennt Klaus-Dieter Koch, Gründer der Managementberatung Brandtrust, diesen statistisch nachweisbaren Trend zu handfesten Edelwaren. In einer Studie für manager magazin hat der Markenexperte unter Wohlhabenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz erheben lassen, was für sie Luxus ist.

Ergebnis der zweiten Auflage einer Umfrage von 2007: Anders als vor der Finanzkrise verstehen die Vertreter des höchsten Einkommenszehntels unter Luxus wieder vor allem physisch Greifbares. So sank in den vergangenen fünf Jahren der Anteil derjenigen, die den Begriff Luxus immateriell interpretiert hatten - als Ruhe, Gesundheit oder Zeit für die Familie zum Beispiel - von 41 auf 29 Prozent.

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