Dienstag, 26. September 2017

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3. Teil: Handwerk als Kunst

Auch die Glas- und Mosaikarbeiten der Mayer'schen Hofkunstanstalt waren in Berlin vertreten. Die 40-Mitarbeiter-Firma fertigt in historischen Ateliers in München wahre Meisterstücke. Raphaela Mayer aus der vierten Generation der Inhaberfamilie greift in Pappschälchen voller winziger Natursteinchen in diversen Beigegrautönen: Daraus legt die in Italien ausgebildete Expertin ein Mosaik, dessen Gesamtwirkung sie immer wieder in dem an der Decke angebrachten Spiegel überprüft: "Das wird der Boden für einen Wellness-Bereich."

Aufträge von Privatleuten hätten in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt die passionierte Handwerkerin. Und die wollen ein Original, etwas mit persönlichem Bezug. Meist kommen die Kunden mit dem Entwurf eines Malers, den die Mayer'sche Hofkunstanstalt dann in Kooperation mit dem Künstler ausführt. Die Ergebnisse der akribischen Tüftelei sind im Ausstellungsraum zu bewundern. Da irisieren auf meterhohen Panelen in faszinierend naturgetreuen Farben tropische Fische für die Trennwand zu einem privaten Pool. Und auf dem gigantischen Fenster für die Halle einer Villa leuchtet ein Motiv von Georg Baselitz in intensiven Blaunuancen.

"Solche unikatösen Handwerksobjekte sind genauso einmalig wie Kunstwerke und funktionieren deshalb ebenso als Wertanlage", kommentiert Direktorenhaus-Kurator Pascal Johanssen die teilweise exorbitanten Preise der Exponate seiner Ausstellung. Tatsächlich würde Handwerkskunst ähnlich wie zeitgenössische Kunst gesammelt, weshalb er es als seine Rolle ansehe, "die Schöpfer angewandter Design-Kunst herauszufiltern, die später einmal als stilprägend für die Nuller-Jahre in den Museen stehen werden". Dadurch sei ein Erhalt der Werte garantiert, wenn nicht gar eine erkleckliche Preissteigerung möglich.

Antike Jachten als Geldanlage

So wie etwa bei Oldtimern. Die Preise für Vintage-Wagen sind seit 2000 jedes Jahr im Schnitt um 9 Prozent gestiegen. Auch antike Jachten oder Segelschiffe erweisen sich zunehmend als gefragt, wie Anton Francesco Albertoni, Präsident des italienischen Bootsbauverbandes UCINA, weiß: "Besonders Modelle, die maritime Historie geschrieben haben, können ihren Wert steigern."

Spannende Geschichten treiben den Preis für ein Produkt in die Höhe, das haben nicht nur Anbieter von Antiquitäten erkannt. Die meisten Luxushersteller bemühen sich heute, ihre Produkte mit einer möglichst interessanten Story aufzuladen. Informationen, die den schnöden Käufer zum intimen Kenner einer komplexen Materie adeln oder eben Nähe zu einer prominenten Persönlichkeit suggerieren.

Da kommt es gerade recht, dass Michael Schumacher so gern plaudert. Darüber etwa, wie er als kleiner Junge von seinem Opa drei Uhren geschenkt bekam. Diese Schätze habe er gut versteckt. "So gut, dass ich sie nie wiederfand." Schumacher, der versierte Profi, müht sich redlich, die im Werbeprospekt behauptete Passion für komplizierte Chronometer glaubwürdig erscheinen zu lassen. Und es ist fast egal, ob die Geschichte stimmt oder nicht: Der Hauch der Rekord-Champion-Authentizität macht die Modelle mit dem stilisierten Schumacher-Autogramm gleich ein paar Tausender mehr wert.

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