Sonntag, 24. März 2019

Berater Zahl, schau, wem

Ranking: Die besten Berater 2012
manager magazin

5. Teil: Berger: Die große Allianz

Roland Berger, die Nummer drei im deutschen Consulting, muss sich dem Strategiethema ebenfalls stellen. Aufsichtsratsvorsitzender Burkhard Schwenker (54) hatte in seiner Zeit als CEO glaubwürdig eine intellektuelle Kompetenz vermittelt und die Firma aus der Imageecke des reinen Sanierungsberaters herausgeführt.

Nachfolger Martin Wittig (48), ein dynamischer Praktiker, will erst einmal den Umsatz steigern und Büros im Ausland eröffnen, was auch nicht schaden kann. "Man braucht eine gewisse Größe", sagt er, "um sich tiefere Spezialisierung zu leisten."

Vor allem in den USA fehlt es noch an Korpulenz. Klar, es gibt Fortschritte in etlichen Branchen; zuletzt wurden zwei Chemieteams, gespickt mit Ex-Leuten von Arthur D. Little, eingekauft. Wittig weiß: Er muss Schritt für Schritt vorgehen. Die Infrastruktur kommt sonst nicht nach: Standortmanagement, Controlling, Human-Relations-Personal. Amerika, so der Berger-Vormann, sei nun einmal "ein schwieriger Markt".

Aber wie die Lücke beim Strategie-Know-how schließen? Fink zufolge ist Berger in der Disziplin strategische Planung weiter zurückgefallen. "Da muss jetzt mehr kommen", fordert ein Seniorpartner. Schließlich trägt man schon seit geraumer Zeit den Beinamen Strategy Consultants.

Verheißungsvoller Deal mit der Allianz

Vielversprechend ist ein Deal mit dem Versicherungskonzern Allianz Börsen-Chart zeigen . Der suchte eine Alternative zu seinen Hofberatern McKinsey und BCG; Berger gewann die Ausschreibung gegen Accenture und A.T. Kearney. Allianz-Chef Michael Diekmann (57) will ein Mischmodell anbieten: Die hausinterne Consulting-Truppe soll Strategieprojekte zusammen mit Berger-Leuten bearbeiten.

Das Ziel: eine gemeinsame Stammmannschaft sowie für einzelne Vorhaben jeweils frisch zusammengestellte Teams; die Beteiligten sprechen von einer "atmenden Struktur".

Der Charme für Berger liegt nicht nur darin, dass die Allianz über ein Beratungsbudget von jährlich mehr als 150 Millionen Euro verfügt. Die Kooperation sichert den Zugang zur Chefetage eines Großkonzerns und dient als Referenz für strategische Pfiffigkeit. Mit der französischen Großbank BNP Paribas betreibt die Berger-Mannschaft bereits ein ähnliches Projekt (Volumen: 70 Millionen Euro).

Das Image als Wissensfirma stärken soll auch die im Februar 2012 eröffnete Roland Berger School of Strategy and Economics. Seit 1. Dezember leitet Katrin Vernau (39), derzeit noch Kanzlerin der Universität Hamburg, die Know-how-Werkstatt. Sie soll Think Tank sein, der Weiterbildung der Industrieberater dienen und neue Produkte für Kunden entwickeln.

Die Traditionsfirma ist gefordert. Verfolger Bain, der sich als "letzter reiner Strategieberater" versteht, will in Deutschland zu Berger aufschließen: beim Umsatz (dort ist der Weg noch weit), aber vor allem bei der Reputation. In der Fink-Untersuchung liegen die beiden bei der Kundenzufriedenheit schon dicht beieinander.

© manager magazin 12/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung