Freitag, 22. März 2019

Berater Zahl, schau, wem

Ranking: Die besten Berater 2012
manager magazin

4. Teil: McKinsey: Das neue Modell

Bei McKinsey herrscht noch Ruhe an der Personalfront. Die zweite Amtszeit von Weltchef Dominic Barton (50) endet 2015; eine dritte könnte er noch anhängen. Und Frank Mattern (50), der in Deutschland seit 2007 an der Spitze steht, quälen - zumindest kurzfristig - keinerlei Rückzugsgedanken.

Unter Barton wurde das Geschäftsmodell von McKinsey beständig erweitert. "Die Firma", sagt Consulting-Experte Fink, "ist unter allen Beratern die experimentierfreudigste."

Deutschland gilt als Testgebiet für Prototypen. In einem sogenannten Capability Center am Münchener Flughafen lässt McKinsey Vorstände und Mittelmanager praxisnahes Wissen trainieren (Wie geht digitales Marketing? Wie kann ich die Arbeitsabläufe in einem Callcenter verbessern?). Schätzungsweise zehn Millionen Euro hat sich McKinsey das Camp kosten lassen. Mehr als 2000 Kunden wurden bislang geschult.

Längst wird das deutsche Vorbild international kopiert. In Atlanta, Lyon, Casablanca und Venedig. Neuerdings sogar in Peking und Singapur.

Momentan brütet die Firma über einem weiteren Plan: Wie kann man es schaffen, bei großen, langwierigen Umsetzungsprojekten (wie der Integration nach einer Fusion) möglichst bis zum Ende mitzuverdienen? Bisher müssen die teuren Meckies oft nach ein, zwei Jahren gehen; danach übernehmen meist firmeneigene Consultants. Anfang 2013 soll das Modell verkündungsreif sein.

Neue Wege bei der hauseigenen Karriere

Hinter diesen Initiativen verbirgt sich ein schlaues Marketingmanöver: McKinsey verkauft sein Wissen, macht seine Berater produktiver und bindet die Kunden enger an sich.

Auch sein Know-how im öffentlichen Sektor will McKinsey besser vermarkten. Bislang dient das McKinsey Global Institute (MGI) als volkswirtschaftliche Gripsanstalt. Analog dazu hat die Firma im Juli das McKinsey Center for Government (MCG) gegründet. Geleitet wird es von der Amerikanerin Diana Farrell (47), die früher einmal in der Obama-Administration gearbeitet hat.

Neue Wege geht McKinsey zudem bei der hauseigenen Karriere. Die Firma öffnet sich mehr und mehr für Externe: Erfahrene Leute aus der Industrie, die sich, anders als der herkömmliche Consultant, von vornherein spezialisieren wollen. Anteil bislang? 25 Prozent. Tendenz? Steigend.

So verwundert es nicht, dass McKinsey Insidern zufolge überlegt hat, den Lieferkettenspezialisten PRTM (weltweit 700 Berater) zu übernehmen. Der schloss sich am Ende dem Wirtschaftsprüferkoloss PricewaterhouseCoopers (PwC) an. Jetzt wirbt McKinsey Seniorpartner von PRTM in den USA ab.

© manager magazin 12/2012
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