Montag, 20. November 2017

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Jungmanager Die Kuschel-Kohorte

Wenig begeistert: Wie Personalchefs die Generation Y sehen
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Michael Dannenmann für manager magazin

2. Teil: Individuelle Entfaltung statt Aufstieg durch Leistung

Gemeinsam mit Odgers Berndtson hat manager magazin die Personalchefs der 500 größten Unternehmen in Deutschland gebeten, Know-how und Leistungswillen der Generation Y einzuschätzen - und mit der vorangehenden Generation X der zwischen 1965 und 1979 Geborenen zu vergleichen.

Die Ergebnisse sind ein empfindlicher Dämpfer für die erfolgsverwöhnten Ypsiloner: Zwar loben die Human-Resources-Experten ihre besseren Fremdsprachen- und Internetkenntnisse, doch in puncto Fachwissen, Führungswille, Ehrgeiz oder Eigeninitiative schneiden die "Digital Natives" deutlich schlechter ab. "Statt nach Aufstieg durch Leistung wie die Generation X streben viele Einsteiger heute stärker nach individueller Entfaltung", bilanziert Berater Fischer.

Der Generationenvergleich ist keine akademische Fingerübung, sondern Alltag - mit Potenzial zum Nervenzerreißen. Es stehen sich gegenüber: Eine Alterskohorte, die zwischen Selbstbewusstsein und Hybris mäandert, für Hierarchien bestenfalls ein Achselzucken übrig hat und Leistung vorrangig dann bringt, wenn es Spaß macht. Sowie die vom "Dienst ist Dienst"-Ethos der Generation X geprägten Unternehmen und Personaler, die im Top-down-Denken sozialisiert wurden und an Lehrmeinungen statt Wiki-Prinzip glauben.

Generationenkonflikte in Konzernen

In Führungsjobs sitzt die Generation X oder Babyboomer. Sie dominieren den Alltag - und weil alle länger arbeiten müssen, gehen sie so schnell nicht weg. Die Konstellation ist nicht neu - doch diesmal ist die nachfolgende Generation mächtig. Reibereien sind programmiert.

"Es fängt schon damit an, dass beide Seiten nicht verstehen, was der anderen wirklich wichtig ist", sagt Ralf Overbeck, der Firmen bei Generationenkonflikten berät. So staunte man bei einem Energiekonzern nicht schlecht, als ein Controllingexperte ein lukratives Angebot ausschlug, weil er nicht aus München wegziehen wollte. Er liebe Skifahren und brauche nun mal die Berge. Man könne ja, so der Zahlenspezialist konziliant, über ein Home-Office nachdenken.

Zumindest mit einigen Forderungen der Jungen haben es Unternehmen leichter, die qua Produktrange zur Moderne verpflichtet sind. Magdalena Theisen (26) etwa, die nach Bachelor und Master in Betriebswirtschaft bei Microsoft als Trainee einstieg, darf hier auch von zu Hause arbeiten und twittern und facebooken, bis der Rechner raucht. Sie hat drei Tage im Jahr, um sich sozial zu engagieren, was der ehemaligen Schülersprecherin wichtig war.

Auch die Duzkultur beim Softwareriesen kommt dem kumpeligen Lebensgefühl der Ypsiloner entgegen. "Am wichtigsten ist aber, dass ich Verantwortung für ein Projekt bekomme, allerdings auch jemanden habe, den ich fragen kann und der mir regelmäßig Feedback gibt", sagt Theisen.

© manager magazin 12/2012
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