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16.01.2013
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Steuerfahnder
Jäger des verborgenen Schatzes

Von Mark Böschen und Dietmar Palan

Steuerfahnder: Wenn der Steuerfahnder klingelt
Fotos
dapd

Die SPD verschärft den Ton, und deutsche Steuerfahnder greifen durch. Wie Deutschlands härteste Ermittler vorgehen, welche Werkzeuge sie haben - und warum sich die Selbstanzeigen der Steuersünder lawinenartig vermehren.

Sie kamen pünktlich zur Frühschicht und rückten erst wieder ab, als es fast schon wieder dunkel war. Rund 20 Polizisten, Steuerfahnder und Staatsanwälte sowie genügend Autos, um ein paar Regalmeter Akten abzuräumen. Die Razzia galt Clemens Tönnies (56), Fleischfabrikant und Aufsichtsratschef des Bundesligaklubs Schalke 04.

Dass der Mann, der unter anderem die Discounter Lidl und Aldi mit Schnitzeln und Koteletts beliefert, Besuch von den Finanzermittlern bekam, mag auch an der Fehde liegen, die sich Clemens Tönnies mit seinem Neffen Robert (34) liefert. Es ist ein Zwist, den beide offenbar mit aller Härte führen und bei dem es, wie stets in solchen Fällen, um Macht und Geld geht.

Zuletzt schlug Robert zu: Er echauffierte sich über angeblich undurchsichtige Firmenkonstruktionen seines Onkels und warf ihm mehr oder weniger öffentlich vor, seine Rollen als Privatmann und Unternehmer nicht richtig auseinanderhalten zu können. Folgerichtig suchten die Fahnder an diesem Oktobermorgen vor allem nach Hinweisen auf private Verfehlungen.

Clemens Tönnies soll die Erträge einer Liechtensteiner Stiftung namens Gafluna nicht versteuert haben, so der Vorwurf. Darüber hinaus steht er im Verdacht, private Ausgaben aus der Unternehmenskasse bestritten und damit die Steuerlast seiner Firma auf unzulässige Weise reduziert zu haben. Unter anderem sollen Aufwendungen für das Jagdrevier, das der Großschlachter privat in Ribnitz-Damgarten unterhält, als Betriebsausgaben abgesetzt worden sein.

Aber selbst wenn die Ermittler mit ihren Vorwürfen recht behalten sollten - sowohl Clemens Tönnies als auch das Unternehmen bestreiten die Vorwürfe -: Den großen Zahltag für die Staatskasse wird die Durchsuchung kaum bringen. Alles in allem, so heißt es aus der Ermittlungsbehörde, summieren sich die Vorwürfe auf weniger als eine Million Euro.

Geräuschvolle Ermittlungen, spektakuläre Durchsuchungen

Damit bewegt sich Tönnies unterhalb der Grenze, ab der Steuerdelikte auf jeden Fall mit einer Haftstrafe gesühnt werden müssen. Und der Unternehmer ist nicht der Einzige, sondern nur einer der prominenteren Verdächtigen, die die Fahnder im Visier haben. Seit der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (60) gestohlene Kundendateien Schweizer Banken in Serie aufkauft, haben Deutschlands Steuerfahnder Hochkonjunktur.

Es wird geräuschvoll ermittelt, spektakulär durchsucht und am Ende oft in großem Stil kassiert. Die aufwendig inszenierte Drohkulisse hat bereits deutlich Wirkung gezeigt. Die Zahl der Selbstanzeigen, mit denen reuige Steuersünder den Fahndern zuvorkommen wollen, wächst in Lawinengeschwindigkeit, und die Finanzminister freuen sich bereits jetzt über Nachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe.

"Wir haben allein in unserem kleinen Bundesland 2500 Selbstanzeigen, mit denen wir mehr als 125 Millionen Euro eingenommen haben", stellt Klaus Herrmann, Leiter der Steuerfahndung Rheinland-Pfalz, fest (siehe Fotostrecke).

Nicht nur bei Schwarzgeldkonten in der Schweiz ist das Risiko deutlich gestiegen. Steuerfahnder und Finanzbehörden wurden in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Softwareausstattung und Computerequipment können heute mit jeder Unternehmens-IT mithalten. Die Ermittler selbst wurden massiv durch erfahrene Beamte aus den Betriebsprüfungsabteilungen der Finanzämter verstärkt.

Und nicht zuletzt haben die Fiskalfahnder heute einen deutlich größeren Aktionsradius als früher.

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