Freitag, 6. März 2015

Forschung Die Erfolgsformel von Max Planck

Max-Planck-Gesellschaft: Erfolg durch Freiheit
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Steffen Roth für manager magazin

Göttingen statt Harvard, Potsdam statt Boston: Wie es die Max-Planck-Gesellschaft schafft, weltweit an der Spitze mitzuspielen - und die besten Forscher der Welt anzulocken.

Besucher finden in Peter Seebergers Büro Irritierendes vor: Schräg hinter dem Schreibtisch, griffbereit abgerückt von der Wand, hängt ein Baseballschläger. Das martialische Hartholz dient dem Gelehrten jedoch weder als Waffe noch zur sportlichen Betätigung. Es ist eine Trophäe, überreicht vom US-Fachblatt "Technology Review" an einen der seinerzeit "wichtigsten Innovatoren unter 35".

Seeberger, heute 46, sollte damit sinnbildlich weite Bälle schlagen, Punkte gewinnen, Siege erringen.

Der ungewöhnliche Talisman hat gewirkt, in den vergangenen zehn Jahren ist dem Chemiker eine rasante Karriere gelungen: Von seinem Lehrstuhl am weltberühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) wechselte Seeberger zunächst an die kaum weniger renommierte ETH Zürich. In den dortigen Labors fand er so luxuriöse Arbeitsbedingungen vor, dass er sich schwor: "Aus der Schweiz müssen sie dich mit den Füßen zuerst raustragen."

Es kam anders. Seeberger ging zurück nach Deutschland, wurde Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm. Dort ist er nun dabei, einen völlig neuen Wissenschaftszweig aufzubauen: die Glycan-Chemie: Komplex verzweigte Kohlehydratmoleküle ("Glycane") sollen die Forschung, die Industrie und die alltägliche Umgebung ähnlich umfassend verändern wie einst die Protein- oder die Polymer-Chemie.

Schon sind erste Durchbrüche zu bewundern. Seebergers Team hat mehrere Impfstoffe entwickelt, darunter einen gegen Malaria. Im Tiermodell hat er hundertprozentige Wirkung gezeigt. Die Vakzine könnte also schon bald eine Geißel der Menschheit stoppen, den Tod von jährlich Hunderttausenden Malariakranken verhindern.

Wichtigste Maxime: Freiheit

Das Erstaunliche: Seeberger kam nach Deutschland zurück, obwohl er sein Basisgehalt durch seinen Wechsel in etwa halbierte. Er steht, so gesehen, exemplarisch für das Phänomen Max-Planck-Gesellschaft (MPG): ein eingetragener Verein zum Zweck der Grundlagenforschung, der mit einem relativ bescheidenen Jahresbudget von rund 1,8 Milliarden Euro zur Weltspitze gehört, dessen 80 Institute attraktive Arbeitsstätten sind für die Besten der Guten. Zum Vergleich: Die Helmholtz-Gemeinschaft verforscht jährlich über 3,4 Milliarden Euro.

Die Bilanz der MPG kann sich sehen lassen: Die Publikationen der rund 5400 Forscher werden öfter zitiert als die aus jeder anderen europäischen Institution. Von den 24 Deutschen, denen seit dem Zweiten Weltkrieg ein wissenschaftlicher Nobelpreis zugesprochen wurde, waren 17 Max-Planck-Forscher. Die einträglichsten Patente der deutschen Geschichte (ausgestellt für die Massenproduktionsverfahren der Kunststoffe Polypropylen und Polyethylen) wurden am Mülheimer MPI für Kohlenforschung erdacht.

Was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg dieser einzigartigen Wissenschaftsorganisation? Wie gelingt es der Max-Planck-Gesellschaft, trotz vergleichsweise karger Mittel, den Anschluss an die Weltspitze der Forschung zu halten?

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