Mittwoch, 29. Juli 2015

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Zalando Die größte Internetwette Deutschlands

Zalando: Die Gründer und die Investoren
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Matthias Lüdecke

6. Teil: Alles ist möglich - nur kein Zurück

Im kommenden Jahr will das ehrgeizige Team beweisen, dass es nicht nur Kosten reduzieren, sondern auch Roherträge steigern kann. Zum einen durch die immer stärkere Hinwendung zur Markenbekleidung, die höhere Gewinnmargen als Schuhe bringt, zum zweiten durch Eigenmarken. Während bei Herstellerlabels der übliche Kalkulationsaufschlag 70 bis 100 Prozent beträgt, sind es bei Eigenmarken leicht 150 Prozent.

Zalando hat zwölf eigene Marken aus dem Boden gestampft. Sogar eigene Modezeitschriften gibt das Unternehmen inzwischen heraus, um die Kundschaft für die hausgemachten Produkte zu erwärmen. Doch gibt es hier auch Rückschläge für die Händler. Schuhe der Zalando-Marke Zign etwa wiesen zahlreiche Qualitätsmängel auf. Entsprechend setzte es Beschwerden.

Weniger riskant erscheint da der bereits beschlossene Plan, Zalando zu einem offenen Marktplatz für andere, kleinere Händler zu machen. "Zalando ist inzwischen groß genug, dass das Marktplatzmodell funktionieren könnte", sagt Just Schürmann, Handelsexperte beim Berater BCG. Als Vorbild gilt auch hier Amazon. Der US-Riese kassiert von den Händlern auf seiner Plattform eine Provision zwischen 7 und 35 Prozent.

Fingerübungen auf dem Weg zum Börsengang

Das Weihnachtsgeschäft hat für Zalando enorme Bedeutung. Läuft alles glatt, so dürften Deutschlands bissigste Aufsteiger-Unternehmer zum Jahreswechsel mit einer neuen Jubelmeldung aufwarten: Insider erwarten, dass Zalando dann verkündet, auf dem Heimatmarkt sowie in Österreich und der Schweiz profitabel zu wirtschaften. Konkurrenten bezweifeln allerdings, dass bei einer solchen Rechnung alle Kosten berücksichtigt würden.

Die Geheimnistuerei um die Zahlen will "Fort Knox" im kommenden Jahr beenden. Dann sollen regelmäßig Kennziffern preisgegeben werden - es wären die ersten Fingerübungen auf dem Weg zu einem Börsengang.

Wann es so weit sein könnte, 2014, 2015 oder erst - wie ursprünglich vorgesehen - 2016, darüber will derzeit in Berlin niemand reden. Nur so viel sagt Ritter, bevor er ins nächste Meeting eilt: "Wir freuen uns, dass Zalando ein Börsengang zugetraut wird."

Hübsch formuliert - dabei bleibt Eigentümern und Management kaum etwas anderes übrig als ein IPO. Auf dem Weg dorthin müssen sie weiter für Wachstum sorgen und dabei die vielfältigen Probleme und Risiken des Start-ups in den Griff bekommen.

Auf halbem Wege können sie nicht stehen bleiben; dazu haben sie schon viel zu viel Geld eingesammelt. Keinesfalls können sie es sich leisten, die Investoren zu enttäuschen. Ebenso wenig wollen sie diejenigen bestätigen, die schon immer gesagt haben: Finger weg von den Samwers.

Bei Deutschlands größter Internetwette ist alles möglich - nur kein Zurück.

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