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20.12.2012
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Zalando
Die größte Internetwette Deutschlands

Von Sören Jensen, Thomas Katzensteiner und Astrid Maier

Zalando: Die Gründer und die Investoren
Fotos
Matthias Lüdecke

4. Teil: Das Wachstum wird immer schwieriger

Der russische Milliardär Juri Milner (51), einer der Investorengranden im Silicon Valley und Geldgeber von Facebook Chart zeigen, stieg im Februar 2012 ein. Milner, so sagen Brancheninsider, wollte ursprünglich in die Samwer-Obergesellschaft Rocket Internet investieren. Letztlich beteiligte er sich nur an Zalando - angeblich aus Angst, eine zu enge Bindung an die Samwers könne ihm im Silicon Valley schaden. In den USA sind die Samwers zwar bekannt, als Plagiatoren aber nicht unbedingt geschätzt.

Ihre engsten Partner aber folgen ihnen treu. Jüngst erst stockte Kinnevik seinen bis dahin 16-prozentigen Anteil an Zalando um 10 Prozent auf und zahlte dafür 287 Millionen Euro. Zudem erwarben die Schweden, die - zum Teil über ihre Beteiligung an Rocket Internet - nun insgesamt 35 Prozent an Zalando halten, eine Option, für 100 Millionen Euro weitere 3 Prozent übernehmen zu können.

Damit ist Zalando auf dem Papier nach nur vier Jahren bereits mehr als 3 Milliarden Euro wert - das entspricht dem Dreifachen des für 2012 avisierten Umsatzes.

Solche - weniger auf belastbaren Zahlen denn auf Annahmen basierenden - Bewertungen sind allerdings oftmals nicht viel haltbarer als ein mit Klebeband geflickter Stilettoabsatz.

Den gemeinschaftlichen Veräußerern des 10-Prozent-Pakets - Holtzbrinck, Tengelmann, Rocket Internet und die Gründer - ist es allerdings gelungen, auf dieser wackeligen Basis zu verkaufen und damit eine grandiose Rendite zu erzielen. Die Samwers haben ihren Einsatz vervielfacht, Gentz und Schneider machte der Verkauf zu Millionären.

Grandiose Rendite für die Verkäufer

Für die risikofreudigen Schweden könnte sich die Aufstockung hingegen als ziemlich teuer erweisen - dann nämlich, wenn sie zu lange investiert bleiben. Oder es erwischt am Ende die Anleger, die dem nahenden Börsenhype erliegen. Wie beim Social-Media-Netzwerk Facebook Chart zeigen, das binnen kürzester Zeit rund die Hälfte seines Wertes verlor. Oder wie beim Rabattportal Groupon, das unter tätiger Mithilfe der Samwers für den Börsengang grell geschminkt wurde, jetzt aber in großen Schwierigkeiten ist.

Oliver Samwer, das hat er Vertrauten erzählt, möchte ein rufschädigendes Post-IPO-Debakel wie bei Groupon gern vermeiden. Doch wieder arbeitet er mit extrem hohen Bewertungen und pumpt damit die Blase auf.

Wie teuer Zalando aktuell ist, macht ein Blick auf die Wettbewerber deutlich. Der britische Modeversandhändler Asos etwa, der als Primus des Segments gilt, wird zwar mit einem ähnlichen Multiplikator wie Zalando bewertet, nämlich mit dem 2,6-Fachen des 2012er Umsatzes. Allerdings gibt es einen feinen Unterschied: Asos verbrennt kein Geld, sondern ist mit einer Rendite von 8,4 Prozent vor Steuern hochprofitabel.

Der weltgrößte Versandhändler, Amazon, wird dieses Jahr eine deutlich geringere Rendite erzielen, voraussichtlich weniger als 2 Prozent vor Steuern. Dafür kosten die Amerikaner an der Börse aber auch nur das gut 1,6-Fache ihres Umsatzes. Es braucht also ziemlich viel Fantasie, um die hohe Bewertung von Zalando zu rechtfertigen. Geschäftsführer Ritter will indes kein Problem erkennen: "Zalando ist eine besondere Erfolgsstory. Es gibt in Europa kein zweites Unternehmen, das innerhalb von vier Jahren auf eine Milliarde Umsatz gewachsen ist."

Fest steht jedoch: Zalando müsste, um der Bewertung standzuhalten, entweder weiter im Eiltempo zulegen oder zumindest deutlich profitabel werden. Am besten beides. "Groupon ist eine gute Lehre, was passiert, wenn die Gewinnmaximierung von Altgesellschaftern und nicht der Kundennutzen im Mittelpunkt steht", warnt Lars Hinrichs, Gründer des deutschen Business-Netzwerks Xing.

In der Tat: Das Wachstum wird zunehmend schwierig. Regional ist die Expansion vorerst an ihre Grenzen gestoßen. "2013 steht das Wachstum in den bestehenden Ländern im Vordergrund", sagt Geschäftsführer Ritter. In die äußersten Randbereiche der Bekleidungswelt, Sport und Outdoor, hat sich Zalando inzwischen vorgewagt. Der Online-Shop misst sich mit Spezialisten wie 21run, laufbar oder Globetrotter, obwohl deren Kunden, anders als die Zalando-Klientel, überwiegend männlich sind und Produkte eher von der technischen Seite beurteilen. Zudem sind die Sport- und Lifestyle-Wettbewerber zum Teil schon jetzt sehr preisaggressiv. Deren Markt zu erobern würde sehr teuer.

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