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20.12.2012
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Zalando
Die größte Internetwette Deutschlands

Von Sören Jensen, Thomas Katzensteiner und Astrid Maier

Zalando: Die Gründer und die Investoren
Fotos
Matthias Lüdecke

3. Teil: Kräftemessen mit dem US-Riesen Amazon

Das war beim E-Commerce-Pionier Amazon Chart zeigen zwar anfangs ähnlich. Doch heute ist Amazon groß und profitabel - und kann Zalando angreifen. Etwa indem sich die Amerikaner mit dem Kauf des englischen Online-Modehändlers Asos verstärken. Laut Insidern hat der US-Riese längst ein Auge auf den britischen Modespezialisten geworfen. Asos ist ein funktionierendes und gewinnträchtiges Unternehmen. Im Kräftemessen mit dem preisaggressiven Rivalen Amazon könnte auch den Samwers die Luft ausgehen.

Zudem hapert es an der internen Organisation. Ende vergangenen Jahres haben sich entscheidende Führungskräfte von Rocket Internet, die Zalando mit aufgebaut hatten, von den Samwers abgewendet und mit Project A ihren eigenen Start-up-Inkubator gegründet. Project A wird ausgerechnet vom Zalando-Konkurrenten Otto mitfinanziert.

Ohne die Expertise der Abtrünnigen müssen Ritter und seine Geschäftsführungskollegen nun funktionierende Managementstrukturen einziehen. Kaum ein deutsches Unternehmen wird von einer so jungen Mannschaft geführt. Die Gründer Robert Gentz (29) und David Schneider (30) holten für diese Aufgabe 2008 Ritter hinzu, ihren Kommilitonen von der Kaderschmiede WHU. Der ist seither so etwas wie der Frontmann der Zalando-Truppe.

Verstärkung für die Managementriege hat sich Ritter seinerseits primär von seiner ehemaligen Alma Mater und aus dem Pool junger McKinsey-Berater besorgt. "Wir rekrutieren mehr nach Potenzial als nach Erfahrung", gibt Ritter vor. Auch beim Bodenpersonal lauern Risiken. Was passiert, wenn in das Start-up auf breiter Front Gewerkschaften und Betriebsräte einziehen? Wenn es vorbei ist mit zum Teil geringen Löhnen und umso mehr Überstunden - wenn also Zalando ein ganz normales Unternehmen wird?

Noch vor vier Jahren waren die Berliner eine ganz kleine Nummer, auch aus Sicht der Samwers. Parallel zu Zalando - damals noch ausschließlich Schuhhändler - hatten sie sich mit Rocket Internet bei zwei weiteren E-Commerce-Mode-Start-ups engagiert: Bei 7Trends, einem Online-Shop für Bekleidung, sowie bei Enamora, einem Dessoushändler.

Zalando als europäisches Pendant zu Zappos

Alles deutete am Anfang darauf hin, dass auch Zalando nur eine weitere typische Investmentstory der drei Brüder werden würde. Getreu dem Motto: Kopiere ein vielversprechendes Konzept, besetze Märkte, in denen die Konkurrenz noch nicht präsent ist, und lass dich möglichst rasch teuer herauskaufen.

Als Zalando.de im Oktober 2008 online ging, war die Firmenzentrale nicht mehr als eine geräumige Berliner Altbauwohnung. Im Keller stapelten sich die Schuhkartons. Die Gründer Gentz und Schneider mögen zu diesem Zeitpunkt vielleicht eine gute Idee gehabt haben. Die Vision aber, was sich daraus eventuell machen ließe, und den nötigen langen Hebel brachten andere mit: Alexander, Marc und Oliver Samwer.

Gerade aus den USA zurückgekommen, beschlossen die Samwers: Zalando sollte das europäische Pendant zu Zappos werden, einem US-Internetshop für Schuhe, der im Jahr 2009 vom Versandhandelsriesen Amazon übernommen wurde - für 850 Millionen Dollar.

Bald darauf fuhren sie ihr Engagement bei ihren übrigen Mode-Start-ups zurück. Die darben nun nach bekanntem Muster unter ihren Käufern wie dem Wursthersteller Reinhold Zimmermann (Zimbo) vor sich hin. In einer Strategiesitzung mit den Geschäftsführern erklärte Oliver Samwer 2009 Zalando zum Flaggschiff der Brüder.

Das Geld dafür sammelten die drei, allen voran Oliver, zunächst bei deutschen Investoren ein. Früh beteiligte sich die Venture-Capital-Tochter von Holtzbrinck. In der dritten Finanzierungsrunde stieg Tengelmann ein. Bei etlichen anderen potenziellen Geldgebern dagegen blitzten die Samwers ab - auch wegen ihres Rufs, vor allem auf die Optimierung der eigenen Finanzen spezialisiert zu sein. So sprachen sie vergeblich bei der Schuh-Größe Heinrich Otto Deichmann, bei Kaffeemilliardär Michael Herz und beim Versandhändler Otto vor. Allen waren die Samwers und deren Vorhaben suspekt.

Fündig wurden die Geschwister im Ausland, beim börsennotierten schwedischen Investor Kinnevik oder bei der US-Investmentbank J. P. Morgan. Beide sind - wie der Großteil der deutschen Frühinvestoren - an Zalando-Ablegern in Südamerika und Asien beteiligt. Dort häufen sich die Probleme, Partner springen ab (siehe Grafik links: "Eine Idee geht um die Welt").

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