Mittwoch, 8. Juli 2015

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Finanzplatz London London Falling

Finanzplatz London: London kämpft um seine Vormachtstellung
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3. Teil: Britisches Bankgeschäft - nicht immer die feine englische Art

Als die Interbankenzinsen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Börsen-Chart zeigenim September 2008 weltweit in die Höhe schnellten, meldeten einige Institute niedrigere Zinssätze, als sie tatsächlich zahlen mussten. Notenbank-Chef Mervyn King (64) ließ die Banken gewähren, man wollte schließlich keine Panik erzeugen.

Dass aus einer solchen Kultur heraus einige Händler auf die Idee kommen konnten, an der Höhe des Interbankenzinses zu drehen und daraus Profite zu schlagen, verwundert nicht. Dennoch wird unter Londoner Bankern bis heute beim Thema Libor-Skandal gern darauf verwiesen, die beteiligten Händler seien ja fast alle Franzosen gewesen.

Es ist nicht immer die feine englische Art, in der sich die Briten mit der Finanzkrise und den Auswüchsen des Bankgeschäfts auseinandersetzen. Zwar werden hochrangige Aufseher wie der FSA-Chef Lord Adair Turner (57) nicht müde, die volkswirtschaftlich sinnlosen Spielarten des Investmentbankings zu geißeln.

Passiert ist aber wenig: Die FSA, berichten Banker, prüfe heute zwar strenger als zuvor, sei aber immer noch im Großen und Ganzen "marktorientiert". Alle weiterreichenden Eingriffe wie eine Transaktionssteuer lehnen die Briten partout ab. Und selbst die viel gepriesene "Vickers-Reform", die eine Abschirmung der Kundeneinlagen vom riskanten Investmentbanking fordert, ist bei näherer Betrachtung eher ein smarter Weg, sich der Risiken des Geldgeschäfts zu entledigen.

Die Wut britischer Banker

Denn das vom Oxford-Ökonomen John Vickers (54) ersonnene "Ringfencing" des britischen Privatkundengeschäfts trifft nur eine Handvoll heimischer Großbanken, nicht aber die 250 ausländischen Institute in der City. Die betreiben schließlich in Großbritannien in aller Regel kein Filialgeschäft.

Entsprechend groß ist die Wut britischer Banken über die Ungleichbehandlung. HSBC-Chef Stuart Gulliver (53), berichten Insider, habe intern gedroht, das größte britische Geldhaus könne nach Hongkong abwandern. "Zumindest einen Teil ihres Geschäfts", sagt BCG-Mann Maguire, "könnten die Institute wohl tatsächlich außer Landes schaffen."

Ganz abgesehen von solchen Nebenwirkungen halten Experten die Vickers-Pläne insgesamt für bedenklich. "Die Briten wollen sich eine Insel der Seligen im Heimatland schaffen, indem sie die Bankeinlagen ihrer Bürger abschirmen", analysiert der Frankfurter Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen (58), "für die Risiken des Londoner Handelsplatzes sollen andere einstehen, etwa die Heimatstaaten der dort tätigen Bankkonzerne."

Immerhin, es gibt auch in England Stimmen, die eine deutlich schärfere Regulierung fordern. Andy Haldane (45) etwa, Exekutivdirektor der Bank of England, würde die Bilanzen der großen Geldhäuser am liebsten generell auf das 20-Fache ihres Eigenkapitals begrenzen. Das würde viele Institute vor allem im Investmentbanking stark einschränken.

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