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21. Dezember 2012, 07:34 Uhr

Ferrari California im Fahrtest

Rote Versuchung

Von Michael O. R. Kröher

Italienischer Sportwagen, amerikanischer Name - der Ferrari California sorgte für Vergnügen bei mm-Autotester Manfred Siebenlist. Der Führungskräfte-Vermittler lobt die elegante Linienführung, hält aber die Spritsparfunktion für einen schlechten Witz.

Düsseldorf - Einem Ferrari nähert sich Manfred Siebenlist stets "mit Spannung und Vorfreude". Denn die Autos der traditionsreichen Scuderia, das lehrt den Düsseldorfer Vermittler von Führungskräften die Erfahrung, "sind immer etwas Besonderes". Nicht zuletzt weil die Karosserie meist vom Turiner Designstudio Pininfarina entworfen wird.

Dessen Handschrift fällt dem Headhunter auch bei den originellen Details des California ins Auge: übereinander angeordnete Doppel-Auspuffrohre oder große, runde Rückleuchten, die aus dem aerodynamischen Heck hervorragen wie die Triebwerke eines Raumschiffs.

Bei aller Extravaganz aber, meint Siebenlist, sorge "die elegante Linienführung für einen geringen Neidfaktor". Weshalb der Personalfachmann seinen Kunden auch nicht kategorisch abrät, "charakterstarke" Autos zu fahren, wie er fein formuliert. Der Wagen müsse eben zur Persönlichkeit des Fahrers passen.

Siebenlist selbst vertraut dienstlich auf das Understatement einer Mercedes-C-Klasse - mit Achtzylindermaschine von AMG. Privat fährt er den Porsche Turbo S als Cabrio, motorisiert mit über 500 PS.

Irritation beim ersten Ampelstopp

Es ist ein warmer Tag, das Metalldach des California lässt sich elektrisch zusammenklappen und im Kofferraum verstauen, der kehlig-kernige Sound des großen V-8-Saugmotors rollt jetzt ungebremst in die Ohren der Insassen. Für den Tester "schon im Leerlauf ein geradezu sinfonischer Genuss". Der sich noch dazu mühelos steigern lässt, synchron zu den Drehzahlen beim Gasgeben.

Jedoch: Eine Irritation lauert schon beim ersten Ampelstopp. Die Maschine erstirbt, betretenes Schweigen im Cockpit: Der Fahrer ist sich keines Bedienfehlers bewusst, der das Aggregat hätte abwürgen können. Das springt dann brav ganz von allein und ruck, zuck wieder an, sobald Siebenlist die Bremse löst - der California ist serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik ausgestattet.

Der Tester ist nicht amüsiert. "Spritsparen im Ferrari", schimpft er entnervt, "ist ein schlechter Witz, der nicht zum Image der Marke und zu den Erwartungen ihrer Fahrer passt." Wer unbedingt die Umwelt schonen wolle, kaufe sich eh "einen Öko-Diesel". Hier im Ferrari zählten aber "ganz andere Qualitäten". Immerhin lässt sich die Start-Stopp-Automatik per Knopfdruck abschalten. Allerdings greift sie nach dem nächsten Systemstart per Zündschlüsseldrehung wieder selbsttätig ein.

Das neue California-Modell ist 30 Kilo leichter als sein Vorgänger und hat 30 PS mehr. Das verbessert die Beschleunigungswerte, was Siebenlist bei der Ausfahrt über rheinländische Autobahnen freudig demonstriert. Flink wechselt er die Fahrspuren, lobt "das präzise Handling" - der Testwagen verfügt über eine 5400 Euro teure Spezialausstattung - und wählt mit dem Hebelchen ("Manettino") am Lenkrad den verschärften "Sport"-Betriebsmodus.

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge jetzt noch schneller, das automatische Zwischengas würzt das Erlebnis jedes Mal mit einem Fanfarenstoß aus den Auspuffen.

Am Ende der Probefahrt parkt Manfred Siebenlist den großen Zweisitzer auf seinem Tiefgaragenplatz. Mithilfe der Rückfahrkamera gelingt das mühelos. Entsprechend "rundum zufrieden und beeindruckt" zeigt sich der Tester: Würde ihm Ferrari einen guten Preis machen, behielte er den California "am liebsten gleich hier".


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