Dienstag, 26. Mai 2015

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Vorsorgekliniken Check me up!

Die Besten: Vorsorgekliniken für Führungskräfte
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Florian Jaenicke für manager magazin

5. Teil: Gesunde können selbst festlegen, was ihnen gut tut

Strittig hingegen ist der Einsatz von Röntgen, Computertomografie und anderen radiologischen Großgeräten für den Check-up. Zwar entsteht bei den teuren Kernspinuntersuchungen (MRT, Kosten etwa 700 Euro für ein Ganzkörper-Schnittbild) keine Strahlenbelastung. Anbieter wie das European Prevention Center (EPC) in Düsseldorf und Berlin haben deshalb gleich zwei Ganzkörper-MRT im Standardprogramm: eine für die Tumorsuche, die zweite für eine Darstellung aller Blutgefäße.

Allerdings gibt es bisher keine Studien, die eindeutig belegen, dass Ganzkörper-MRT das Krebsrisiko mindern können. Vor allem aber: Zeigen die Schnittbilder Tumorvorstufen im Darm, wird fürs Entfernen dennoch die unangenehme Darmspiegelung notwendig. Thomas Meinertz, viele Jahre Leiter des Universitären Herz-Zentrums Hamburg und heute Doyen der dortigen Diagnoseklinik, weist deshalb den Routineeinsatz von Ganzkörper-MRT als "medizinisch unseriös" zurück.

Gleichwohl erzählt auch er die Geschichte eines Patienten, der erst nach seinem mit Bravour bestandenen Check-up, nach einem Lungenfunktionstest und dem Belastungs-EKG gestand, seit Jahrzehnten rund zehn Zigaretten pro Tag zu rauchen. Meinertz wurde skeptisch, verordnete eine Computertomografie der Lunge - und stieß prompt auf Krebs im Frühstadium. Eilig wurde eine Operation anberaumt und der Tumor entfernt. Er hatte noch keine Metastasen gebildet; der Patient war und blieb geheilt.

Die Episode zeigt eindrucksvoll die Bedeutung der "sprechenden Medizin", welche die in den Tests erhobenen Daten übersetzt und das Abschlussgespräch zum tragenden Element jedes Check-up-Programms macht: Es ist der Startschuss zum selbstbestimmten Erhalt von Körper, Geist und Seele. "Gesunde können selbst festlegen, wie viel Bier, wie viel oder wie wenig Sport ihnen guttun", sagt Beckenbauer. "Hat aber erst eine schwere Krankheit das Regime über den Alltag und den Menschen übernommen, dann diktiert sie auch das Maß an erlebbarer Lebensqualität. Das gilt es zu verhindern."

Check-ups können auch eine falsche Sicherheit vorspiegeln

Der Arzt vom Tegernsee will dabei ein authentisches Vorbild sein. Verordnet er etwa einem Klienten Lauftraining, kann er auf seine Medaillen vom New York Marathon verweisen. In seinem Sprechzimmer baumeln sie ganz diskret vom Schirm seiner Schreibtischlampe.

Zahllose Daten, intensive Gespräche, im Idealfall eine alle zwei Jahre aktualisierte Gesundheitshistorie - fast scheint es, als sei der Check-up die Garantie für mehr Lebensqualität, bessere Gesundheit und noch viele gute Jahre.

Unfug, sagt Ellis Huber, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Präventologen. Die regelmäßigen Check-ups, fürchtet der streitbare Kritiker der Mainstream-Medizin, spiegelten eine "falsche Sicherheit" vor: "Ernährungs- und Bewegungsberatung reichen nicht aus für umfassende Prävention".

Gunter Frank sieht das ähnlich. "Ein Entlanghangeln an Laborwerten kann nicht das Ziel des Lebens nach dem Check-up sein", sagt der Heidelberger Arzt, der seit vielen Jahren Manager untersucht und berät. Viele seiner Klienten, kritisiert er, wollten vor allem wissen: "Wie kann ich mich totarbeiten und bleibe trotzdem gesund?" Frank hat sein Programm daher verändert: weniger Apparate und Labor und nur da, wo sie gerechtfertigt sind, dafür mehr Psychologie. Ziel: ein positives Selbstbild, ein verbessertes Selbstmanagement.

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